1.-15.7.2018

66-Seen-Weg

D-Wanderer km 000 bis 416

1.7.2018 Potsdam 8 km

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Bisher stelle ich bereits fast 9000 km auf interessanten Fernwanderwegen vor. Bis Juni 2020 werden die 10.000 km überschritten. Auch danach will ich gerne weitere schöne Wanderungen auf dieser Seite vorstellen. Doch ohne Unterstützung durch euch Leser lässt sich dieses Projekt dann nicht mehr finanzieren. Ich freue mich über jeden "Sponsorenbeitrag", egal in welcher Höhe. Infos stehen hier: https://d-wanderer.de/aktuelles.php

 

Der 66-Seen Wanderweg führt ab Potsdam insgesamt 416 km mit sehr wenig Höhenmetern rund um Berlin. Nahezu jeden Tag kommt man an mehreren Seen vorbei, in denen man baden kann. Aber auch die duftenden Kiefernwälder und die vielen urwaldhaften Auenwälder begeistern uns Wanderer.

 

Am frühen Nachmittag komme ich in Potsdam an. Wegen der vielen großartigen Parkanlagen zählt Potsdam zum Unesco-Weltkulturerbe. Die ersten acht Kilometer des Wanderwegs führen an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei. Schon wenige Minuten nach meiner Ankunft am Bahnhof stehe ich vor der Nikolaikirche.

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© Günter Kromer— Potsdam - Nikolaikirche

Es folgen das Brandenburger Tor, Schloss und Park Sanssouci, der Ruinenberg, die russische Kolonie Alexandrowka, das Marmorpalais und Schloss Cecilienhof. Da ich auf meiner Reise auch viele regionalen Biersorten testen will, setze ich mich auf die Terrasse der Hausbrauerei Alte Meierei. Das helle Bier schmeckt mir hier nicht, aber der Blick auf den Jungfernsee ist herrlich. Dann spazierte ich noch hinauf auf zum Belvedere auf dem Pfingstberg. Schon endet meine erste Mini-Etappe.

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© Günter Kromer— Potsdam - Schloss Sanssouci
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© Günter Kromer— Potsdam - Marmorpalais
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© Günter Kromer— Potsdam - Hausbrauerei Alte Meierei
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© Günter Kromer— Schlänitzsee
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© Günter Kromer— Havelkanal

Während der ersten drei Tage hat man ohne GPS-Track oder dem sehr empfehlenswerten Reiseführer "66-Seen Wanderung" von Manfred Reschke keine Chance, die richtige Strecke zu finden, da viel zu oft Wegmarkierungen fehlen. Danach ist bei manchen Etappen die Streckenmarkierung recht gut, aber nie völlig lückenlos.

Manfred Reschke erkundete seit 1977 die Strecke für diesen Wanderweg in eigener Initiative. Im Laufe der Zeit bekam das Projekt Unterstützung durch die Leitung der Regionalparks und des Landestourismusverbandes. Im Jahr 2000 wurde der Weg dann offiziell eröffnet. Im Jahr 2017 erschien bereits die aktualisierte 8. Auflage des Buches. 


Da ich bereits gegen 14 Uhr das Ziel meiner Etappe in Wustermark erreiche, heute aber wieder mit der Bahn zum Übernachten nach Potsdam zurück fahren muss, kann ich den Nachmittag nutzen, noch einige Sehenswürdigkeiten von Potsdam zu erkunden. Nach 20 Minuten Fahrt steige ich an der Haltestelle Park Sanssouci aus. Drei Stunden lang spaziere ich durch diesen großen Park, der nicht nur durch viele prunkvolle Bauwerke begeistert, sondern auch ein Meisterwerk der Landschaftsgärtnerei ist.

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© Günter Kromer— Potsdam - Schloss Charlottenhof
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© Günter Kromer— Potsdam - Teehaus im Park Sanssouci
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© Günter Kromer— Potsdam - Orangerie

3.7.18 Wustermark - Birkenwerder 42 km

Zum Glück gehe ich wegen einer für heute geplanten 42 km Etappe schon um 6:30 Uhr zum Bahnhof und kann einen frühen Zug nach Wustermark nehmen. Ab 7.30 Uhr ist der Bahnhof heute wegen Bombenentschärfung geschlossen.

Diese Etappe gefällt mir deutlich besser als die Strecke von gestern. Zuerst geht es wieder meist am Havelkanal entlang, dazwischen auch durch Wälder und über ein großes Feld, wo ich viel Zeit damit verbringe, Schmetterlinge zu fotografieren.

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© Günter Kromer— Havelkanal

Bei der Schleuse Schönwalde setze ich mich eine halbe Stunde lang hin und schaue zu, wie große und kleine Schiffe die Schleuse passieren.

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© Günter Kromer— Schleuse Schönwalde

Dann folgt ein Streckenabschnitt durch einen wunderschönen Kiefernwald. Rückblickend verbinde ich in meiner Erinnerung den 66-Seen-Weg außer den vielen Badeplätzen vor allem mit dem dem intensiven Duft der vielen Kiefernwälder. Zwischendurch sind die Waldwege mit sehr tiefem Sand bedeckt. Dies ist etwas anstrengend, aber da ich im letzten Jahr eine Woche lang beim Marathon des Sables durch die Sahara gelaufen bin, kenne ich sandigere Strecken.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer


In der zweiten Hälfte des Tages bietet die Strecke ab Schönwalde zwar auch noch ein paar hübsche Waldwege, aber es gibt auch einige wenig spannende Kilometer. Vor allem die ersten Kilometer hinter Hennigsdorf kann man nur als Füllmaterial bezeichnen. Asphalt und Verkehrslärm gefallen mir nicht. Erst in der Nähe von Birkenwerder wird es dann wieder schöner.

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© Günter Kromer— Die Havel bei Hennigsdorf

Der äußerst idyllische Weg auf einem Brettersteg entlang der Briese ist ganz klar der Höhepunkt des Tages. Sehr schön!

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© Günter Kromer— Die Briese bei Birkenwerder

4.7.18 Birkenwerder - Wandlitzsee 24 km

Die heutige Etappe gefällt mir ausgesprochen gut. Für nur 3,10 Euro fahre ich in 38 Minuten von Potsdam nach Birkenwerder, wo es für mich gleich mit dem herrlichen Briesesteig weiter geht, nun sogar noch schöner als gestern. Bald erreiche ich den kleinen Boddensee. 

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© Günter Kromer— Boddensee

Bald darauf folgt ein kurzer wenig attraktiver Streckenabschnitt, doch dann geht es am nächsten Brettersteg weiter mit Genusswandern. Insgesamt spaziere ich heute morgen etwa zwei Stunden durch das großartige Briesetal mit seinen urwüchsigen Bruchwäldern, vielen im Wasser stehenden Bäumen und wilder Vegetation. Schon alleine dafür hat sich die Reise gelohnt. In der Potsdamer Bahnhofspassage sah ich heute einen Laden mit Namen "Taschen-Paradies". Ich vermute, dass in keiner der Weltreligionen das Paradies wie ein Ramschladen beschrieben wird. Für mich passen da manche Stellen im Briesetal eher dazu.

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© Günter Kromer— Briesetal
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© Günter Kromer— Im Briesetal
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© Günter Kromer— Im Briesetal

Nun noch ein Stück durch eine Kiefern-Monokultur, dann stehe ich vor der urigen, aus großen Feldsteinen erbauten Kirche von Wensickendorf.

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© Günter Kromer

Die nächsten Kilometer kann man recht angenehm wandern, auch wenn sie nicht spektakulär sind. Auf der Terrasse eines Restaurants am Stolzenhagener See trinke ich ein Bier, dann spaziere ich am Ufer entlang weiter. 
Bald erreiche ich den großen Wandlitzsee. An ein paar Stellen am Ufer kann man baden. Bei der Stadt gibt es sogar ein großes Seebad, das aber Eintritt kostet. Ebenso schön sitzt und schwimmt man aber gleich links daneben.

 

 

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© Günter Kromer

Gegen 16 Uhr spaziere ich zu einer kleinen Badestelle nahe meines Hotels und schwimme weit am Ufer entlang. Am Abend gehe ich dann erneut hinab, nehme eine Flasche Wein, Brot und guten Käse mit und schwimme nach dem Abendessen zum Sonnenuntergang noch eine Runde.

Dass man bei einer Fernwanderung während und nach den meisten Tagesetappen in einem schönen See baden kann, gibt es wohl auf nur sehr wenigen anderen Wanderwegen. Unter dem trendigen Slogan "Hike & Swim" könnte man den 66 Seen Weg sehr gut vermarkten.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Großer Wandlitzsee

5.7.18 Wandlitzsee - Trampe 31 km

Am Vormittag führt der 66-Seen Weg insgesamt viele Kilometer weit an den Ufern einiger recht naturbelassener Seen entlang. Genau so habe ich mir diesen Fernwanderweg gewünscht. An ein paar Stellen plagen mich Stechmücken, aber insgesamt werde ich hier viel seltener gestochen als zuhause in den Rheinauen.
Nun ist die Landschaft deutlich welliger als bisher. Passend zur afrikanisch anmutenden Hitze sehe ich plötzlich eine Nandu-Familie vor mir auf dem Weg. Ich weiss, dass die Vorfahren dieser Laufvögel vor langer Zeit aus einer Straußenfarm ausgebrochenen sind und sie längst in Ostdeutschland in freier Wildbahn heimisch sind, aber überraschend wirkt solch eine Begegnung doch. Bis ich die Kamera eingeschaltet habe, sind die Tiere aber längst im Gebüsch verschwunden.

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© Günter Kromer— Frühstück im Hotel Seeterrasse
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© Günter Kromer— Liepnitzsee
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© Günter Kromer— Obersee
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© Günter Kromer— Hellsee

Nach dem sehr schönen Vormittag empfinde ich die 6,5 km von Biesenthal nach Melchow als recht langweilig. In Biesenthal kaufe ich mir in einem Supermarkt nur einen Liter Wasser, doch in Melchow finde ich danach keinen geöffneten Laden. Bei sonnigen 31 Grad habe ich nun für die restlichen ca 13 km bis Trampe zu wenig zu Trinken. Gar nicht gut! 

Als ich endlich im etwa 15 Minuten abseits des Wanderwegs liegenden Landhotel Trampe zwei kühle Bier trinke, bin ich froh, endlich wieder mit gutem Flüssigkeits-Nachschub im Schatten zu sitzen.

6.7.18 Trampe - Wesendahl 32 km

Wenn man die kleinen, namenlosen Seen dazu rechnet, komme ich heute an mehr als einem Dutzend Seen vorbei. Wie an einer Schnur aufgereiht folgen sie Stück für Stück. Allerdings führt der Weg meist nicht direkt am Ufer entlang. Bei manchen Seen kommt man zumindest an einer oder wenigen Stellen direkt ans Wasser, andere erreicht man nur, wenn man von der Wanderroute auf kurze Pfade zum Ufer abzweigt. 

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© Günter Kromer— Gamensee
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© Günter Kromer— Gamensee
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© Günter Kromer— Paradiessee

7.7.18 Wesendahl - Hennickendorf 23 km

Jetzt beginnen die beiden meiner Meinung nach schönsten Etappen. Nach meiner Übernachtung in einem großen Pferdehof bin ich bald wieder an den nächsten Seen. Hier führt der Weg erfreulich oft am Ufer entlang. Dieser Morgen ist herrlich!

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© Günter Kromer— Fängersee
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© Günter Kromer— Bötzsee

Eine Weile durch den  Wald, dann erreiche ich den Straussee, wo es wieder etwa 2 km idyllisch meist direkt am Ufer entlang geht. Ich bin sehr froh, dass ich mich zur Wanderung auf dem 66-Seen-Weg entschieden habe.

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© Günter Kromer— Straussee

Manchmal sind es gerade die kleinen Details, die sich besonders tief im Gedächtnis einbrennen. Eine Szene, die ganz harmlos beginnt, bleibt seither wegen ihrer Tragik fest in meiner Erinnerung an den 66-Seen-Weg verwurzelt. Ich sehe und höre, wie am gegenüberliegenden Ufer ein Mann seinen Hund ruft. Der Hund jagt im Wasser einen Schwan. Zuerst denke ich nur "Böser Hund", später als er dem Schwann immer weiter auf den See hinaus folgt "Doofer Hund" und als irgendwann die Hoffnung schwindet, dass der Hund aus eigener Kraft den Weg zum Ufer findet "Armer Hund". Inzwischen hat der Besitzer mit seinen Angehörigen an meiner Seite des Sees telefoniert. Ein Kind steht verzweifelt am Ufer. Die Mutter schwimmt auf den See in Richtung Hund. Doch Hund und Schwan sind schneller und wechseln immer mal wieder die Richtung. Wenn der Hund zu nahe kommt, fliegt der Schwan zehn bis zwanzig Meter weiter. Irgendwann geht der Besitzerin die Kraft auf und sie muss von Leuten in einem Tretboot ans Ufer gebracht werden. 50 Minuten lang kann ich mich nicht von diesem Drama lösen. Doch schließlich muss ich weiter. Zu schade! Ich würde sehr gerne wissen, ob der Hund irgendwann doch noch in dem mehrere Kilometer langen und recht breiten See das Ufer erreichte. Leider kann ich daran nicht glauben.

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© Günter Kromer— Hund und Schwan

Der Rest der heutigen Strecke ist sehr abwechslungsreich und meist wunderschön. Inzwischen habe ich fest beschlossen, in den nächsten Jahren noch oft die vielen Seen im Nordosten von Deutschland zu erkunden.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Herrensee
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© Günter Kromer— Schwanensee

Am Abend halte ich mich in Hennickendorf am Großen Stienitzsee meist am Ufer auf und schwimme natürlich auch wieder eine Weile.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— D-Wanderer am Großen Stienitzsee
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© Günter Kromer

Die Vermieterin meines sehr preiswerten Zimmers erzählt mir, dass der große See der Firma Thyssen gehört. Bei einem Stau- oder Baggersee kann ich noch halbwegs verstehen, wenn er Privatbesitz ist, aber so ein riesengroßer natürlicher See?

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© Günter Kromer— Großer Stienitzsee

8.7.18 Hennickendorf – Hangelsberg 31 km

Von Tag zu Tag gefällt mir der 66-Seen Weg besser. Auch die heutige Etappe bietet so wie gestern sehr viel Abwechslung. Wenn man liest “Wanderweg rund um Berlin”, erwartet man viel mehr Städte, Dörfer und Landwirtschaft. Statt dessen führt die Route oft durch von Forstwirtschaft unberührte Auenwälder. Heute überraschen mich auf den ersten Kilometern ein paar kurze, sogar über Treppen führende steile Auf- und Abstiege. Das Schmelzwasser der Gletscher der letzen drei Eiszeiten hat hier tiefe Rinnen in die Landschaft geschliffen. Meist hält der Pfad am Morgen viel Abstand zum See, aber er ist wirklich schön.

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© Günter Kromer— Nahe Rüdersdorf

Bei Rüdersdorf befand sich einst ein großer Kalksteinberg, auf dem schon vor über 1000 Jahren Kalk abgebaut wurde. Inzwischen findet man hier statt einem Berg eine Grube, die bis 50 m unter den Meeresspiegel reicht. Auf den Besuch des sicherlich sehenswerten Freilichtmuseums verzichte ich. Der Wanderweg führt am Zaun des Tagebaugeländes entlang und bietet zwischendurch auch zwei Gelegenheiten, hinein zu schauen.
Einige Zeit später führt der Weg unmittelbar am Ufer des von vielen Segel- und Motorbooten befahrenen Kalksee entlang.

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© Günter Kromer— Kalksee

Nach der Woltersdorfer Schleuse geht es ebenso schön am Ufer des Flakensee entlang. Auch hier fahren viele Boote.

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© Günter Kromer— Woltersdorfer Schleuse

Danach wird die Strecke besonders schön. Ein idyllischer Pfad führt am Ufer der Löcknitz entlang. Viele Paddel- und Motorboote fahren vorbei.

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© Günter Kromer— Löcknitz

An einem Abschnitt liegt direkt links von mir der Wupatzsee, rechts der kleine Fluss.

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© Günter Kromer— Wupatzsee
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© Günter Kromer

Ein Stück weiter mäandert der Fluss als schmales Gewässer durch die Auenlandschaft. Hier kann man nur noch mit Paddelbooten fahren, sofern man es schafft, zwischen den vielen umgestürzten Bäumen hindurch zu manövrieren. Dieser Weg ist märchenhaft schön! Viele Kilometer geht es so weiter. Ich könnte pausenlos fotografieren.

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© Günter Kromer

Die letzten fünf Kilometer führen über einen meist kerzengeraden, breiten Forstwirtschaftsweg, aber selbst hier gefällt mir der Wald rechts und links. Unterwegs komme ich an einer Fischzuchtanlage vorbei. Das Fischrestaurant hat leider auch sonntags nur bis 14:30 Uhr geöffnet, ich komme 14:45 an. Ein Fischbrötchen an der Imbisstheke muss reichen.

Da ich bei der Reiseplanung in Hangelsberg keine passende Übernachtungsmöglichkeit fand, fahre ich nun mit der Bahn von dort in wenigen Minuten nach Fürstenwalde.

9.7.18 Hangelsberg – Bad Saarow 28 km

Morgens kurz vor 8 fahre ich mit dem Zug zurück nach Hangelsberg und setze meine Wanderung fort. Eine halbe Stunde nach Beginn der Tagesetappe stehe ich am Ufer der Spree, die hier noch recht schmal ist. Ein hübscher Weg führt am Ufer entlang.

 

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© Günter Kromer— Spree nahe Hangelsberg
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Die Strecke bis Fürstenwalde gefällt mir recht gut, auch wenn sie gegen Ende ab und zu auf asphaltiertem Weg etwas abseits der Spree führt. Doch immer wieder kommt man auch an das Ufer heran. Bei Fürstenwalde ist die Spree viel breiter, da sie hier vereint mit dem wasserreicheren Oder-Spree-Kanal fließt.

 

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© Günter Kromer— Spree bei Fürstenwalde

Ich empfehle, die nächsten 13 km von Fürstenwalde nach Bad Saarow mit dem Zug abzukürzen, denn dieser Streckenabschnitt bereitet nicht viel Wanderfreude. Während der letzten Tage war die Streckenmarkierung meist recht gut, doch hier weiss man wieder bei der Hälfte der Kreuzungen oder Abzweigungen nicht, in welche Richtung man soll. Für mich führt das unter anderem dazu, dass ich 20 Minuten durch einen sehr großen Friedhof marschiere und einen Ausgang auf der anderen Seite suche. Ich sehe den Wanderweg, doch ein undurchdringlicher Zaun trennt mich von ihm. Schließlich kehre ich zum einzigen Eingang zurück und suche die richtige Route zum Wanderweg. Aber auch danach hört die Nerverei nicht auf. Wandern macht hier wirklich keinen Spaß! Außerdem gibt es nur wenige nette Abschnitte, aber viel Lärm von der Autobahn.
Auf dem Rauener Berg beeindrucken mich die Markgrafensteine, zwei große Findlingen, die einst von einem Gletscher aus Schweden hier her transportiert wurden. Das Bewältigen der 220 Stufen auf den Aussichtsturm lohnt sich nicht, da man von dem niedrigen Berg aus fast nur flache Landschaft sieht.

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© Günter Kromer

Der Kurort Bad Saarow gefällt mir wegen seiner vielen alten Villen. Auf dem See fahren Ausflugsschiffe und große Motorboote, am Ufer tummeln sich viele Wasservögel. Der Uferbereich wurde wie ein Park angelegt.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Heute schwimme ich gleich zwei Mal, zuerst am späten Nachmittag, dann nach Sonnenuntergang, als das Seebad bereits schließt.

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© Günter Kromer

10.7.18 Bad Saarow – Campingplatz am Springsee 32 km

Nachdem es in manchen Regionen Brandenburgs schon seit April nicht mehr geregnet hat, die Landwirtschaft ruiniert ist und die Waldbrandgefahr am Limit lag, regnet es heute endlich.

Kurz nach Start wandere ich heute durch einen kleinen Urwald. Wegen der dicken Wolken ist es aber so dunkel, dass ich selbst mit ISO 1600 nicht vernünftig fotografieren kann. Bei Sonnenschein hätte ich hier sicher viele Bilder aufgenommen. Danach verschwende ich wieder viel Zeit, da ich mal wieder an mehreren Weggabelungen keine Markierung sehe, das Buch dieses Mal aufgrund der Vielzahl an Abzweigungen aber auch keine Hilfe ist. 70 Minuten nach Aufbruch bin ich wieder 1,5 km vom Hotel entfernt.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Den restlichen Tag über gibt es auch viele große Lücken in der Markierung, aber hier hilft mir dann wenigstens wieder das Buch weiter.

Bei strömendem Regen komme ich an zwei kleinen Seen vorbei, lasse die Kamera hier aber im Rucksack. Aber einen Vorteil hat das Regenwetter: die vielen schönen Spinnennetze am Waldboden fallen durch die Wassertropfen sehr gut auf.

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© Günter Kromer

Einige Zeit später bietet der 66-Seen-Weg mal wieder ein ganz anderes Naturerlebnis als bisher. Rings um mich herum sieht das Profil der Landschaft genau so aus, wie ich es aus den großen Dünenfeldern der Sahara kenne. Nur sind hier die Sanddünen üppig grün und mit Kiefern bewachsen. Diese Dünenlandschaft entstand nach der letzten Eiszeit, als Flugsand zu großen Wanderdünen aufgehäuft wurde. Die Formen der Dünen kann man im Wald noch sehr gut erkennen. Schließlich führt eine Treppe auf die höchste Binnendüne Deutschlands. Oben stehe ich auf offenem Sandboden. Vor allem faszinieren mich aber viele alte, verkrüppelte Kiefern, die am Rande der Düne wachsen. 

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© Günter Kromer

Ein weiterer See bietet bei dem trüben Wetter keine Bereicherung des Fotoarchivs. Dazwischen geht es bisschen durch den Wald. Auf einer Lichtung sehe ich zwei Kraniche. Dies ist ein netter Anblick, aber für das 15-45 mm Objektiv meiner Kamera natürlich viel zu weit entfernt. Auch bei zwei weiteren Etappen sind die Kraniche ebenso außerhalb brauchbarer Kamerareichweite. Aber ihre markanten Rufe hört man schon von weitem.

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© Günter Kromer

Schon erreiche ich Wendisch-Rietz, wo ich geplant hatte, in einem Restaurant zu Mittag zu essen. Aber alle, an denen ich vorbei komme, haben Ruhetag oder sind erst abends geöffnet. Doch dann zeigt außerhalb der Stadt ein Wegweiser zum 200 m entfernten Restaurant Fisch-Haus. Ich bin neugierig und spaziere dort hin. Bei Regen kann ich natürlich nicht auf die wunderschönen Terrassen am Ufer sitzen, doch auch von drinnen genieße ich einen schönen Blick durch das Fenster. Die hochwertige Speisekarte liegt zwar über meinem normalen Budget, aber es lohnt sich. Mit der besten Fischsuppe meines Lebens und einer leckeren Räucherfischplatte werte ich ideal den verregneten Tag auf.

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© Günter Kromer

Ein paar Kilometer wandere ich noch an zwei Seen entlang, dann erreiche ich den Campingplatz am Springsee, wo ich für heute Nacht ein Schlaff-Fass gebucht habe. Mich überrascht es sehr, wie bequem es darin ist.

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© Günter Kromer— Schlaf-Fass

Als gegen 17 Uhr überraschend für eine Weile die Sonne scheint, spaziere ich am Ufer entlang und setze mich auf eine Bank. Trotz schöner Badestelle verzichte ich an dem kühlen Abend aber auf Schwimmen.

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© Günter Kromer

11.7.18 - Springsee – Köthen 30 km

Bei recht sonnigem Wetter breche ich früh am Morgen auf.

Die ersten Kilometer sind recht hübsch, doch dann führt mich eine wohl von jemanden absichtlich in die falsche Richtung umgehängte Markierung in die falsche Richtung, was mir einen größeren Umweg und 1,5 km entlang einer Straße beschert, bis ich endlich wieder die nun sehr gut mit blauen Punkten markierte Strecke finde. Danach spaziere ich unter anderem am Grubensee und am Godnasee entlang und durch schöne, abwechslungsreiche Waldstücke.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Vom Neuendorfer See sehe ich nur an wenigen Stellen etwas. Meist kommt man nicht ans Ufer heran. Aber in einer kleinen Bucht am Westufer des Sees kann ich bei einem wunderschönen Rastplatz mit Badestrand fast eine Stunde lang eine Mittagspause genießen.

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© Günter Kromer— Neuendorfer See

Einige Zeit darauf komme ich an einer Windmühle vorbei. Etwas später überquere ich mal wieder die Spree. Ich hatte gehofft, in Leibsch etwas zum Mittagessen kaufen zu können oder in einem Restaurant zu essen, doch ich muss hungrig weiter.

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© Günter Kromer— Die Spree bei Leibsch

In dieser Gegend sehe ich mehrere Storchennester.

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© Günter Kromer

Nun geht es entlang weiter offener Wiesen. Ein Traktor fährt über eine Wiese und mäht das Gras. Über ihm kreisen so viele verschiedene Greifvögel, wie ich sie noch nie auf einem Fleck gesehen habe.

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© Günter Kromer

Am frühen Nachmittag erreiche ich Köthen. Einen Laden gibt es auch hier nicht. Das einzige Restaurant hat schon seit 2017 geschlossen. Zum Glück bieten mir die anderen Gäste in meiner Unterkunft an, mit ihnen zu grillen. Die Entfernung zu Berlin beträgt Luftlinie etwa 30 km, doch hier gibt es weder Handyempfang noch Internet-Verbindung. Aber der Badestrand in Köthen ist ein ausgesprochen schöner Platz zum Schwimmen.

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© Günter Kromer— Strand in Köthen

12.7.18 – Köthen - Egsdorf 32 km

Der leichte Regen vorgestern reichte nicht aus, um die Folgen der Dürre zu mildern. Doch nach wochenlanger Trockenheit regnet es nun heute morgen viel zu viel. Im nahe gelegenen Berlin wird sogar eine Autobahn wegen Überflutung gesperrt. Für mich gibt es auf dieser Etappe zusätzlich zu elf normalen Seen noch 666 weitere, die am Morgen die Wanderwege und Straßen bedecken. Ich starte bei 14 Grad und Starkregen. Die Landschaft ist mir beim kilometerweiten Wassertreten völlig egal. Hauptsache ich komme voran.
Erst beim alten Kaiserbahnhof in Halbe hört der Regen zumindest für zwei Stunden auf. 

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© Günter Kromer— Kaiserbahnhof in Halbe

Von Halbe nach Teupitz führt die Hauptroute meist durch Kiefernwald, mit sehr vielen rechtwinkligen Richtungswechseln, aber immer hervorragend markiert. Hier ist es wirklich kein Problem, immer den blauen Punkten zu folgen. Doch lange nachdem ich am kleinen Nikolassee vorbei komme, wundere ich mich. Eigentlich hätte ich nun längst Teupitz erreichen sollen!
Mist! Ich folge zwar nach wie vor brav Punkten, aber mit der nassen Brille und bei dem dunklen Wetter fiel mir nicht auf, dass ich schon seit fast zwei Kilometern nicht mehr dem blauen sondern grünen Punkt folge. Nun muss ich umkehren und den ganzen Weg zurück gehen, bis ich die korrekt markierte Stelle erreiche, von der aus mich nun die richtige Farbe ans Ziel führt. I

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— 666 Seen Etappe
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© Günter Kromer— Nicolassee

In Teupitz kann man im Sommer meist schön auf der Seebrücke sitzen und den 180 Grad Panoramablick genießen, doch heute treibt mich der Regen schnell weiter. Ein kurzer Blick in die Kirche muss sein. Drinnen empfängt mich Orgelmusik.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Weiter folge ich den blauen Punkten vorbei am Tietschensee nach Tornow.

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© Günter Kromer— Tietschensee

Alles super markiert! Doch obwohl ich dieses Mal wirklich der blauen Farbe folge, wundere ich mich nach einiger Zeit erneut. Wieso höre ich die Autobahn vor mir?  Ein Blick ins Buch zeigt die Antwort. Zwischen Halbe und Tornow gibt es zwei markierte Streckenvarianten. Eine direkte und eine mit dem Umweg über Teupitz. Seit Tornow marschiere ich nun schon zwei Kilometer weit wieder zurück in Richtung Halbe. Ich muss umkehren und dann auf den richtigen Weg einschwenken. Aber der schöne Kilometer auf einem Naturlehrpfad am Ufer des Tornower See hebt meine Stimmung wieder.

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© Günter Kromer

Drei Kilometer weiter erreiche ich mein Tagesziel.

13.7.18 Egsdorf - Trebbin 48 km

Nach all den Jahren, in denen ich bei Wettkämpfen oft sehr lange Distanzen lief, plane ich in den ersten Monaten meines D-Wanderer Projekts manchmal zu lange Wanderetappen ein.Heute sollte es eine besonders sportliche Etappe werden, doch dass es am Ende statt 43 km sogar 48 sind, war keine Absicht.
Ausgerechnet zur Langdistanz kann ich ausnahmsweise erst um 9 starten, da es im 3 km von Egsdorf entfernten Hotel erst ab 8 Frühstück gibt.
Wer nicht die kompletten 416 km wandern will, dem empfehle ich, ab Egsdorf oder zumindest ab Sperenberg mit dem Bus bis Trebbin zu fahren.

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© Günter Kromer— Teupitzer See bei Egsdorf

Ein paar Kilometer Kiefernwald bis zum Kleinen Zeschsee, wenig spektakulär bis zum Wolziger See, langweilig zum Großen Wünsdorfer See. So weit ganz nett, alles habe ich an den letzten Tagen aber auch schöner gesehen.

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© Günter Kromer— Kleiner Zeschsee
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© Günter Kromer— Wolziger See
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© Günter Kromer— Großer Wünsdorfer See

Ab Wünsdorf wird die Markierung sehr lückenhaft und die Landschaft bietet nur noch wenige Höhepunkte.
Der Faule See gefällt mir aber ausgesprochen gut.

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© Günter Kromer— Fauler See

Auch wenn mir diese Tagesetappe insgesamt nicht besonders gefällt – die Gipsseen kurz vor Sperenberg zählen für mich zu den schönsten Flecken am 66-Seen Weg. Diese entstanden nicht auf natürliche Weise sondern durch den Abbau von Gips. Ich wähle die im Buch empfohlene Wegvariante, die oberhalb dieser Kleinode entlang führt.

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© Günter Kromer— Oberhalb der Gipsseen
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© Günter Kromer— Einer der Gipsseen

In Sperenberg ist das Restaurant geschlossen, aber Einwohner zeigen mir den Weg zu einem nicht weit von der Strecke entfernten Supermarkt.
Die nächsten Kilometer machen überhaupt keinen Spaß. Zuerst entlang der Mauer eines ehemaligen Militärgeländes, dann auf kerzengeraden Wegen, oft auf Betonplatten, durch eine flache Agrarlandschaft mit einzelnen Baumreihen. Nur die großen Sonnenblumenfelder lockern die Monotonie auf.

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© Günter Kromer— Ein Lichtblick auf monotoner Strecke

Zum Glück ist es nicht mehr weit bis Trebbin! Doch dann führt mich der blaue Punkt nach rechts. Ich folge lange Zeit einem Weg geradeaus und sehe an den Abzweigungen keine Markierung. Als der Waldweg an einem Asphaltweg endet, ist mir klar, dass ich mal wieder Bonusmeilen sammele. Ein Blick auf die Karte zeigt mir, dass ich dem Asphaltweg nach links folgen und dann noch etwa einen Kilometer entlang einer stark befahrenen Landstraße gehen muss. Mist!
Endlich bin ich wieder auf der richtigen Route, aber die macht hier entlang einer Straße auch keinen Spaß. Als es endlich wieder auf Waldwege geht, bin ich froh. Doch nun fehlen an den Abzweigungen teilweise wieder die blauen Punkte. Zwei Mal marschiere ich in Sackgassen, die irgendwann am Ufer kleiner Seen enden. Diese Gegend ist zwar schön, aber allmählich nervt es.
Endlich erreiche ich Trebbin und gleich zu Beginn des Ortes auch das Hotel. Das Restaurant im Hotel ist heute geschlossen, der Supermarkt auch schon, so dass ich noch lange nach einem offenen Restaurant suchen darf.

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© Günter Kromer— Großer Gadsdorfer See

14.7.18 Trebbin - Caputh 40 km

Nach der sehr lange Etappe von gestern habe ich für heute mit 33 km eine für mich normale Distanz eingeplant. Doch obwohl die Streckenmarkierung heute tatsächlich mal richtig gut ist, werden es für mich aus anderen Gründen doch 40 km. Aber diese Etappe gefällt mir wieder recht gut.
Nach Durchquerung von Trebbin geht es ausnahmsweise mal wieder einen “richtigen” Berg hinauf. Nichts, das man im größten Teil von Deutschland als Berg bezeichnen würde, aber für Brandenburg ganz beachtlich. Oben steige ich den Aussichtsturm hinauf. Nicht spektakulär!

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© Günter Kromer— Aussichtsturm Vorderer Löwendorfer Berg

Bald darauf erreiche ich zuerst den Blankensee und kurz danach den gleichnamigen Ort. Hier gefällt mir der Schlosspark mit seinen vielen Skulpturen und schmückenden Bauwerken sehr gut.

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© Günter Kromer— Blankensee
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© Günter Kromer— Schlosspark Blankensee

Die nächsten Kilometer geht es durch eine abwechslungsreiche Wald- und Wiesenlandschaft - so richtig zum “die Seele baumeln zu lassen”.

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© Günter Kromer

Am Großen Seddiner See komme ich zuerst am eintrittspflichtigen Strandbad vorbei. Nach einem kurzen Pfad durch Auenwald erreiche ich dann aber viele kleine Buchten, an denen man kostenlos baden kann. In einer stillen, von FKK-Anhängern genutzten Bucht abseits des Trubels, schwimme ich mal wieder eine Weile.

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© Günter Kromer— Großer Seddiner See

Kurz führt der Weg vom See fort, nach Wildenbruch, wo mir die Kirche sehr gut gefällt.

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© Günter Kromer— Kirche Wildenbruch

Anfangs noch ein Stück vom See entfernt, aber sehr schön, geht es weiter, bis ich den See wieder erreiche und an weiteren Badestränden vorbei komme.

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© Günter Kromer— Großer Seddiner See

Auf der Karte sieht der Kleine Seddiner See wie ein Anhängsel aus, das man nicht zu beachten braucht. Aber der Biergarten beim Restaurant ist ein so schöner Fleck, dass ich hier unbedingt einige Zeit verweilen will, auch wenn es dann etwas knapp wird für die restlichen 8 km bis zu dem Bahnhof, an dem ich 17:02 Uhr einen Zug nach Potsdam nehmen will.

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© Günter Kromer

Den Bahnhof erreiche ich zwar rechtzeitig, doch das Display zeigt an, dass hier heute alle Züge ausfallen. Schienenersatzverkehr gibt es aber erst ab dem nächsten Bahnhof. Wie man zu Fuß diesen Bahnhof erreicht, das steht nirgends. Ich beschließe, auf dem 66-Seen-Weg 8 km weiter bis zum Schloss Caputh zu gehen.

Ein paar weitere schöne und gut besuchte Badeseen, angenehmer Kiefernwald, zwischendurch wieder Auenwälder, so machen auch diese Kilometer Spaß. Da ich nicht allzu spät in Potsdam ankommen will, lege ich nun die meiste Zeit die Strecke als Läufer statt als Wanderer zurück, so wie schon seit Seddin. Als erfahrener Ultratrail-Läufer bin ich es gewohnt, mit Rucksack zu rennen, allerdings nicht mit so viel Gewicht darin. Heute wiegt er 12 kg, in wenigen Monaten wird mein Rucksack deutlich leichter sein.
Als ich dann endlich in Caputh ankomme, bin ich froh, endlich in einen Bus steigen zu können, der mich zu meiner Unterkunft bringt.

 

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Lienewitzsee
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© Günter Kromer— Kirche Caputh

15.7.18 Caputh - Potsdam 7 km

Am Morgen spaziere ich zuerst durch den kleinen Park beim Schloss Caputh. 

 

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© Günter Kromer— Schloss Caputh

Dann führt der Weg hinauf zum Einsteinhaus. Das Haus, in dem Albert Einstein im Sommer wohnte, kann man bei Führungen besichtigen. Von außen sieht es langweiliger aus als die meisten Gebäude in der Umgebung.
Zum Abschluss der Reise sollte noch einmal eine besonders schöne Strecke folgen. Doch die Brücke auf die andere Seite der Havel ist für Radfahrer und Fußgänger gesperrt. Ich weiss nicht, ob dies nur vorübergehend oder dauerhaft ist. Auf jeden Fall muss ich nach einem nur ganz kurzen Stück am Templiner See anstatt wie erhofft durch Parkanlagen am Ufer und später vorbei an Schloss Charlottenhof und am Chinesischen Teehaus nun zuerst zwei Kilometer weit auf dem stark frequentierten Radweg neben einer Straße marschieren. Das einzige Erwähnenswerte ist hier der extrem aufwändige und garantiert megateuere lange Abschnitt mit perfekten Tunnels unter der Straße für Amphibien. Die letzen zwei Kilometer führen dann über teils wirklich hässliche Straßen zum Hauptbahnhof. 

Zum Glück war ich letzte Woche schon in dem Teil des Park Sanssoucci, der mir nun heute entgeht.

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© Günter Kromer— Leider nur kurzes Stück am Templiner See

Der Park Babelsberg liegt zwar nicht an der 66-Seen-Strecke, aber wer in Potsdam ist und nicht auch diesen Park besichtigt, der verpasst das Schönste.Daher sollte man für Park Babelsberg als perfekten Abschluss der Reise auf jeden Fall ein bis zwei Stunden einplanen Ich bin heute sogar den gesamten Nachmittag hier. 

Jetzt steht endgültig für mich fest, dass mir Potsdam besser gefällt als alle anderen Städte, dich ich bisher in Deutschland gesehen habe. Für mich ist es eine der mit Abstand schönsten Städte Europas und ich könnte mir gut vorstellen, hier auch ein paar Jahre zu wohnen.

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© Günter Kromer— Potsdam - Park Babelsberg
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© Günter Kromer— Potsdam - Park Babelsberg
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© Günter Kromer— Potsdam - Park Babelsberg

Etwas darf heute natürlich nicht fehlen. Eine Stunde bevor ich zum Bahnhof muss, schwimme ich gegenüber Park Babelsberg zwischen Seerosen, unter den über das Wasser ragenden Ästen von Eichen und Weiden und genieße ein einzigartiges Badepanorama.

Es ist heute kaum mehr vorstellbar, dass hier einst die Berliner Mauer stand und alleine in dem Bereich, den ich jetzt beim Baden überblicke, fünf Menschen bei Fluchtversuchen ermordet wurden. Und der heute so lebhafte Bootsverkehr auf der Havel war damals natürlich auch strengstens verboten. 

 

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© Günter Kromer— Abschiedsschwimmen