17.-20.10.2018

Nibelungensteig

D-Wanderer km 1346 - 1480

17.10.18 Zwingenberg - Lindenfels 28 km

Der mit dem Gütesiegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ zertifizierte Nibelungensteig führt mit 130 km und etwa 4000 Höhenmetern von Bergstraße am Rande der Rheinebene durch den Naturpark Odenwald bis zum Main. Seit einigen Jahren gibt es zusätzlich noch eine etwas längere Variante über Eberstadt. Ich wandere die alte Normalroute.

 

Als ich mit dem Zug nach Zwingenberg fahre, liegt an manchen Stellen noch eine dünne Nebelschicht auf den Feldern. Die Sonne ist gerade aufgegangen, verbirgt sich aber bei dem Städtchen zwischen Darmstadt und Heidelberg noch hinter Bergen.
Die markierte Zubringer-Route zum Nibelungensteig führt vom Bahnhof aus geradeaus. Seltsam, denn es ist viel schöner, ein Stück südwärts den Schienen zu folgen, dann durch die malerische Scheuergasse zu gehen, die Bundesstraße überqueren und durch den Torbogen neben dem Rathaus zu gehen. Bald ist man oben an der Bergkirche und gleich darauf an der Infotafel mit dem offiziellen Startpunkt des Nibelungensteig.

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© Günter Kromer— Zwingenberg - Scheuergasse
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© Günter Kromer— Zwingenberg

Schon bald nach Verlassen des Ortes marschiere ich über einen alten Weinberg mit Blick auf die Rheinebene und auf Berge und Burgen.

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© Günter Kromer

Dann geht es durch Wald mit mäßiger Steigung auf den Melibokus, den höchsten Gipfel oberhalb der Bergstraße. Die Sonnen scheint nun durch den lichten Buchenwald, der sich allmählich herbstlich färbt. Ein wunderbarer Morgen!
Vom Aussichtspunkt blickt man weit über die Rheinebene, die allerdings wegen starkem Dunst jetzt nur etwa bis zum Rhein zu erkennen ist. Der Aussichtsturm ist nur an Wochenenden ab 11 Uhr geöffnet.

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© Günter Kromer— Blick vom Melibokus auf die Rheinebene

Nach mehreren sehr hektischen Stresstagen bin ich froh, heute nicht ins Büro zu müssen und durch diesen herrlichen Herbstwald spazieren zu dürfen. Im Gegensatz zu den letzen Etappen des Nibelungensteig, die ich recht sportlich plane, will ich mir heute auch viel Zeit zum Genießen lassen.

Am Morgen ist hier noch kein Mensch unterwegs. Während der ersten drei Stunden treffe ich nur einen Waldarbeiter, sonst niemanden. Einmal raschelt es direkt neben mir im Gebüsch und ich sehe gerade noch, wie ein großes Wildschwein den Hang hinab rennt.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Einer der Höhepunkte des Nibelungensteig, gleichzeitig eines der wichtigsten Ausflugsziele im Odenwald, ist das Felsenmeer im Lautertal. Eigentlich sieht es eher wie ein langer Felsenfluss oder wie ein steinerner Gletscher als wie ein Meer aus. Auf ein paar hundert Metern Länge liegen unglaublich viele von der Erosion abgerundete Felsen. Oben komme ich zuerst an einzelnen Felsgruppen vorbei, dann werden es immer mehr rundliche Steine. Schon die Römer nutzten diese Felsblöcke. An einigen Stellen sieht man Säulen und andere unvollendete Werkstücke, die nach begonnener Arbeit nicht fertiggestellt und liegen gelassen wurden.

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© Günter Kromer— Felsenmeer - Römische Säule

Eine Stunde lang fotografiere und filme ich in diesem kleinen Naturparadies. Mikrofonaufnahmen beim Filmen sind hier aber nicht einfach, da im Gegensatz zur restlichen Strecke hier sehr viele Touristen sind, die teilweise auch viel Lärm verursachen. Überall weisen Schilder darauf hin, dass im Naturschutzgebiet das Verlassen der Wege verboten ist. Doch 80 Prozent der Spaziergänger wandern nicht auf dem gut markierten Weg sondern klettern zwischen den Steinen aufwärts.

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© Günter Kromer— Felsenmeer
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© Günter Kromer— Felsenmeer

Wer sich darüber wundert, wie man solche Felsen zersägen kann, der sieht unten vor dem Infozentrum eine Rekonstruktion einer römischen Pendelsäge und ein von ihnen angesägtes Felsstück.

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© Günter Kromer— Steinsäge

Es folgt die wenig spektakuläre Durchquerung von Reichenbach, dann geht es wieder hinaus in die Natur. Besser als den Nibelungensteig kann man einen Weg wohl nicht markieren. Ich musste an keiner einzigen Stelle auf den gesamten 130 km überlegen, in welche Richtung ich gehen soll. 100 % lückenlose Markierung - Glückwunsch!

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© Günter Kromer— Reichenbach

Der Kletterfelsen Hohenstein sieht aus wie eine gewaltige Mauer. Auf der breiten Seite kann man äußerst deutlich die starke schräge Schichtung des Sandstein erkennen, von der Längsseite her wirkt er wie ein bizarrer Turm.

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© Günter Kromer— Hohenstein
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Stilleben an einer Wegkreuzung im Wald
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© Günter Kromer

Der Friedhof im kleine Dorf Schlierbach wird von vielen Stickel genannten Grabschildern geziert.

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© Günter Kromer— Friedhof Schlierbach
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© Günter Kromer— Schlierbach

Am späten Nachmittag erreiche ich sehr mit dieser angenehmen Etappe zufrieden mein Tagesziel Lindenfels. Durch ein altes Stadttor geht es vorbei am Deutschen Drachenmuseum hinauf zur Burgruine, von der aus man eine weite Aussicht über den Odenwald hat.

Obwohl Lindenfels auch als Drachenstadt bezeichnet wird und an vielen Stellen recht unterschiedlich gestaltete Drachenfiguren stehen, reizt mich kein einziger dieser Drachen zum fotografieren.

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© Günter Kromer— Lindenfels
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© Günter Kromer— Burg Lindenfels

Bekanntlich interessieren mich auf meiner Reise durch Deutschland nicht nur Landschaft und Bauwerke sondern auch die kulinarischen Besonderheiten. Eine Spezialität im Odenwald ist der Kochkäse, den ich am Abend in einem Restaurant bestelle. Ich empfinde diesen weichen Käse, den man mit einem Löffel isst, als zu geschmacksneutral, da helfen auch der dazu servierte Kümmel und die Zwiebeln nichts. Auch der regionale Apfelwein und ein Bier aus dem Odenwald gefallen mir weit weniger als die Landschaft.

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© Günter Kromer— Blick auf Lindenfels

18.10.18 - Lindenfels - Erbach-Bullau 38 km

Ich frühstücke um sieben Uhr. Die Pension ein Stück unterhalb der Burg ist auf Wanderer eingestellt. Dass mir der Inhaber sogar anbietet, Brötchen für unterwegs mitzunehmen, ist außergwöhnlich. Hier fühlt man sich wirklich willkommen.
Zuerst führt der Weg vom Ort kurz und anstrengend hinauf zu einem Aussichtspunkt, von dem man aber außer Bäumen nichts sieht, danach ebenso steil wieder zur Straße hinab. Ich empfehle, statt dessen den Tag etwas bequemer zu beginnen, der Ortsstraße noch fünf Minuten lang Richtung Osten zu folgen, dort kreuzt kurz nach dem Hotel Waldschlösschen der Nibelungensteig und führt nun rechts bequem bergab.
Eigentlich wäre der Himmel jetzt wolkenlos, doch ein dichtes Netz aus Kondensstreifen von Flugzeugen färbt vor Sonnenaufgang den Himmel rot. Ich bin früher auch oft und gerne geflogen, aber abgesehen von den allgemeinen Problemen des Klimawandels ärgert es mich auch immer mehr, wie viel Sonnenlicht und blauer Himmel von den Resten der Kondensstreifen verschluckt wird. Besonders unterhalb von wichtigen Flug-Korridoren wie zuhause in der Rheinebene sieht man bei bestimmten Wetterlagen statt tiefblauem Himmel nur noch ein verwaschenes Grau über sich. Dies ist einer der wichtigsten Gründe für mich, warum ich mit dem D-Wanderer Projekt mehr Menschen dazu motivieren will, ab und zu auch mal wieder Urlaub in Deutschland zu machen, anstatt immer nur mit Billig-Airlines durch Europa zu jetten.

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© Günter Kromer

Im Sommer stört mich Dunst beim Fotografieren manchmal, doch an einem sonnigen Herbstmorgen wie heute verwandelt der Dunst die Landschaft in eine weichgezeichnete Märchenwelt. Ständig bleibe ich für Fotos und Filmaufnahmen stehen. Es lohnte sich mal wieder sehr, so früh am Morgen aufzubrechen. Wer jetzt noch im Hotel beim Frühstück sitzt ist selbst schuld, wenn er die schönste Zeit des Tages verpasst.
Der dünne Bodennebel löst sich sehr bald auf, doch der sanfte Dunsthauch bleibt heute den ganzen Tag bestehen.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Wieder geht es technisch nicht besonders anspruchsvoll abwechselnd bergauf und bergab. Nur wenige Abschnitte sind steil.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Walburgiskapelle
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Gaßbachtal bei Grassellenbach

Im Odenwald gibt es mehrere Quellen, bei denen behauptet wird, dies sei der Ort, an dem Siegfried beim Baden nicht lückenlos unverwundbar wurde. Beim Siegfried-Brunnen sehe ich heute weder Siegfried noch Wasser.

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© Günter Kromer— Siegfriedsbrunnen

Bisher wanderte ich fast nur durch lichten Laubwald, nun geht es am Mittag manchmal auch durch Nadelwald. Auf meinen Fotos sieht man meist die Stellen in offener Landschaft, aber insgesamt dominieren die Kilometer im Wald. Auch das ist schön.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

In diesem Jahr liegt überall so extrem viel ungeerntetes Obst auf dem Weg, dass ich mittags keinen Proviant kaufen muss. Ich bücke mich immer wieder und lerne innerhalb dieser vier Tage die geschmacklichen Unterschiede zwischen mehr als einem Dutzend Apfelsorten sowie verschiedenen Birnen kennen.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Vor einem schönen Hofcafé schnattern Gänse lautstark. Gerne würde ich mich hier eine Weile hinsetzen, aber ich marschiere weiter, da ich nicht weiss, ob ich ansonsten mein Etappenziel noch bei Tageslicht erreiche.

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© Günter Kromer

Am Marbach Stausee gibt es neben viel Natur auch einen kleinen Badebereich.

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© Günter Kromer— Marbach Stausee
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© Günter Kromer— Marbach Stausee
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© Günter Kromer

Das Himbächel Viadukt spannt sich eindrucksvoll über das Tal.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Ich komme an einer weiteren Stelle vorbei, die als Felsenmeer bezeichnet wird, aber im Gegensatz zu gestern ist das eher ein Teich statt ein Meer. Ein paar große Sandsteinfelsen, eine Steintreppe dazwischen - in manchen Regionen würde man so etwas noch nicht einmal auf der Karte markieren.

Zu meiner Unterkunft in Erbach-Bullau muss ich auf gut markierter Strecke etwa zwei Kilometer weit vom Wanderweg auf einer Asphaltstraße hinab wandern. Im Café am unteren Ende des Ortes werde ich sehr herzlich aufgenommen. Extra für mich wird sogar ein Abendessen gekocht.

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© Günter Kromer— Steinernes Meer

19.10.18 - Erbach-Bullau - Amorbach

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© Günter Kromer

Als ich nach fast einer Stunde wieder den Nibelungensteig erreiche, ist die Sonne irgendwo hinter den Bergen aufgegangen. Wieder geht es heute oft durch Nadelwald oder Mischwald. Die erste Kilometer bieten außer Wald und einer hübschen Kapelle wenig Sehenswertes. Zeitweise verdrängt Hochnebel die Herbstfarben, aber er löst sich bald wieder auf.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Schöllenbach
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Kapelle bei Breitenbach
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© Günter Kromer

Bald gefällt mir die Strecke nun wieder. In Burg Wildenstein halte ich mich lange auf und fotografiere und filme viel. Leider ist der schönste Teil der Ruine momentan wegen Renovierung gesperrt, so dass ich die Fenster mit den Ornamenten nur teilweise durch den Bauzaun fotografieren kann.

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© Günter Kromer— Ruine Wildenburg
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Als D-Wanderer will ich wie der Name schon sagt vor allem Wandern. Doch nach mehr als zehn Jahren als begeisterter Trailrunner will ich nicht ganz auf die Freude am Laufen verzichten und lege zwischendurch immer mal wieder auch größere Lauf-Abschnitte bei einigen Tagesetappen ein. Es macht mir Spaß, lange Forstwirtschaftswege oder steile Wurzeltrails hinab zu laufen oder anstrengende Aufstiege in hohem Tempo hinauf zu marschieren. Heute motiviert mich ein "Zeitlimit" ganz besonders. Ich weiss, dass die Abteikirche in Amorbach schon um 16 Uhr geschlossen wir, will sie aber unbedingt besichtigen.

Ich komme noch rechtzeitig an diesem Meisterwerk an. Die Kirche wurde im barocken Stil gestaltet, weisst aber auch sehr viele Rokoko-Elemente auf. Die wunderware Orgel ist eine der größten Barock-Orgeln Europas.

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© Günter Kromer— Abteikirche Amorbach
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© Günter Kromer— Abteikirche Amorbach
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© Günter Kromer— Abteikirche Amorbach
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© Günter Kromer— Ist heute wirklich der 19. Oktober?

Nach Besichtigung der Kirche setze ich mich lange nebenan in einem Park auf eine Bank am Ufer eines Sees und schaue den Enten, Schwänen und einem Eisvogel zu.

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© Günter Kromer

Nachdem vorgestern Odenwälder Spezialitäten dran waren muss es heute, da ich bereits in Franken bin, ein Fränkischer Sauerbraten zum Abendessen sein. Schmeckt mir!

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© Günter Kromer

20.10.18 Amorbach - Freudenberg 28 km

Wieder breche ich vor Sonnenaufgang auf. Bald nach Verlassen des Ortes führt der Weg zuerst leicht aufsteigend an einem steilen Hang entlang, an dem vor langer Zeit viele Terrassen angelegt wurden, wohl für Wein- oder Obstbäume. Inzwischen ist das Ergebnis der mühevollen Arbeit, die sicherlich für viele Generationen gedacht war, verwildert und mit Wald zugewachsen, ein Zeichen für die Vergänglichkeit menschlichen Schaffens.
Dann führen einige Serpentinen hinauf zur Ruine der Gotthard-Kapelle. Die Aussicht ins Tal wird noch von dichtem Hochnebel gedämpft, doch in dem alten Gemäuer fotografiere ich mit Begeisterung. Die Basilika wurde im 17. Jahrhundert auf den Resten von Vorgängergebäuden errichtet, brannte aber schon 1714 nach einem Blitzschlag ab.

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© Günter Kromer— Amorbach - Gotthardsbasilika

Während der nächsten Kilometer löst sich der Hochnebel auf und ich marschiere wieder unter wolkenlosem Himmel.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Monbrunn

Vorbei an zwei kleinen Weilern und einem wenig sehenswerten Keltischen Ringwall erreiche ich nach einigen Kilometern die Mildenburg. Diese wird erst in einer halben Stunde geöffnet und ist von außen nicht besonders interessant. Nur der Blick von der unteren Terrasse hinab nach Mildenberg und auf den Neckar gefällt mir.

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© Günter Kromer— Miltenberg
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© Günter Kromer— Miltenberg
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© Günter Kromer

Über eine Treppe geht es hinab in den Ort. Am von vielen herrlichen Fachwerkhäusern umrahmten, Schnatterloch genannten Platz erreiche ich die Altstadt von Miltenberg. Der markierte Nibelungensteig führt nun am Mainufer entlang, doch es lohnt sich viel mehr, statt dessen durch die schöne Hauptstraße zu spazieren und dann erst zum Main zu gehen.

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© Günter Kromer— Miltenberg - Schnatterloch
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© Günter Kromer— Miltenberg - Schnatterloch
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© Günter Kromer— Miltenberg - Hauptstraße
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© Günter Kromer— Miltenberg

Etwa zwei Kilometer nach Miltenberg erreiche ich Bürgstadt. Zum Glück weiss ich, dass sich hier in der kleinen, äußerlich sehr unscheinbaren Martinskapelle ein weiterer Kulturschatz verbirgt und dass ich den Schlüssel zur Kapelle nebenan in der Gärtnerei bekomme. Zum Glück ist die Gärtnerei noch geöffnet. Die  gesamte Kapelle ist mit wunderbaren Wand- und Deckengemälden aus dem 16. Jahrhundert geschmückt.

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© Günter Kromer— Bürgstadt - Martinskapelle
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© Günter Kromer— Bürgstadt - Martinskapelle

Nun folgen noch einmal etwa 400 Höhenmeter Auf- und Abstieg. Vor einer kleinen Kapelle blicke ich hinab nach Bürgstadt und zum Main.

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© Günter Kromer— Blick auf Main und Bürgstadt

Bald darauf erreiche ich die Grundmauern der Centgrafenkapelle. Diese könnte ein Mahnmal für den Berliner Flughafen sein, denn ihr Bau wurde zwar begonnen, aber nie vollendet. 

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© Günter Kromer— Centgrafenkapelle

Bald darauf führt der Weg an weiteren unvollendeten Werken vorbei. Die sogenannten Heunefässer sind unvollendet aus dem Stein gemeißelte Säulen, vermutlich für Bauwerke in Mainz geplant.

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© Günter Kromer— Heunefässer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Kurz darauf komme ich schon wieder an eine keltischen Ringwall vorbei. Dieser ist aber interessanter. Der hohe Wall war einst mehr als drei Kilometer lang. An einer Stelle kann ich die Rekonstruktion eine Tores fotografieren. Beeindruckend!

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© Günter Kromer— Keltischer Ringwall - rekonstruiertes Tor

Dann geht es bis zum Ende der Tour meist bergab, nur mehrfach unterbrochen durch leichte Gegenanstiege. In der Burg Freudenberg stehen große Gerüste mit Reihen für die Zuschauer sommerlicher Theateraufführungen. Noch einmal blicke ich zum Main hinab, dann führt mich eine Treppe hinunter zum Rathaus von Freudenberg. Nun nur noch über die Brücke, schon erreiche ich den Bahnhof. Schade, schon vorbei! Diese Weg kann ich uneingeschränkt empfehlen.

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© Günter Kromer— Burg Freudenberg
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© Günter Kromer— Burg Freudenberg
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© Günter Kromer— Freudenberg
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer