27.9., 29.9. 3.10., 5.10., 6.10.+7.10.18

Pfälzer Weinsteig

D-Wanderer km 1174 - 1346

27.9.2018 Schwaigen-Rechtenbach - Bad Bergzabern 15 km

Der "Prädikatswanderweg" Pfälzer Weinsteig führt 172 km weit durch den Naturpark Pfälzerwald und über viele Weinberge oberhalb der Rheinebene. Verträumte Waldwege, sonnige Weinberge, Felsen und Burgruinen, dazu ein sehr großes gastronomisches Angebot zeichnen diesen Weg aus.

Bei der Eröffnung 2010 war der Startort Neuleiningen, 2015 wurde er bis Bockenheim verlängert. In den meisten Medien wird die Route in Nord-Süd-Richtung beschrieben, ich starte aber am südlichen Ende. Der Weg ist in beide Richtungen sehr gut markiert. Bei meiner Wanderung fehlten auf den gesamten 172 km insgesamt wohl an weniger als zehn Stellen Zeichen, also eine Quote, die besser ist als auf den meisten anderen Fernwanderwegen. Ganz ohne GPS-Track, Buch oder Karte sollte man aber auch hier nicht wandern.

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© Günter Kromer— Deutsches Weintor

Ausnahmsweise plane ich zwischen den Etappen auch einige Tage Unterbrechung wegen beruflichen und familiären Verpflichtungen ein. Da ich von den meisten Tageszielen bequem mit dem Zug nach Hause fahren kann, passt dies sehr gut.

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© Günter Kromer

Ich starte am Deutschen Weintor in Schweigen-Rechtenbach, fast unmittelbar an der Deutsch-Französischen Grenze. Das Weintor ist ein wuchtiger Bau. Ich hätte seine Architektur passend zum Thema Wein etwas verspielter gestaltet. So wirkt es für mich eher wie der Kater nach zu viel Riesling. Fast direkt neben dem Weintor stimmt eine große Weinpresse auf das Weinbaugebiet ein. Schon wenige Minuten nach dem Start spaziere ich zwischen Reben leicht bergauf, dann wieder hinab zum Ortsrand.

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© Günter Kromer

Nachdem ich an den letzten beiden Wochenenden meinen 99. und 100. Marathon lief, steht nun bis zum Ende des D-Wanderer-Projekts kein Wettkampf mehr auf meiner Agenda. Ich werde die Laufszene vermissen, aber die Fernwanderwege sind mehr als nur ein adäquater Ersatz dafür.
Ein paar Meter abseits des Weges lädt ein Teich zu einer Rast ein, aber ich bin ja gerade erst aufgebrochen.

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© Günter Kromer

Ein leichter Aufstieg durch den Wald führt mich hinauf zur Burg Guttenberg. Die Ruine selbst ist nicht besonders fotogen, aber die Aussicht von oben gefällt mir sehr gut.

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© Günter Kromer— Aussicht von Ruine Guttenberg
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© Günter Kromer— Aussicht von Ruine Guttenberg

Weiter geht es durch Wald auf und ab bis zum Stäffelsbergturm, eine architektonisch einfallslose Betonröhre. Der lange Aufstieg über die Wendeltreppe lohnt sich aber, denn der Rundblick überzeugt vor allem bei so schönem Licht wie heute. Der Turm wirft in der Abendsonne seinen Schatten auf den Wald.

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© Günter Kromer— Aussicht vom Stäffelsbergturm
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© Günter Kromer— Aussicht vom Stäffelsbergturm
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© Günter Kromer

Nun geht es meist bergab, an einer schmucken Kapelle vorbei und dann in das verträumte Dorf Dörrenbach. Die Sonne ist längst hinter den Bergen verschwunden und nach dem warmen Mittag wird es nun schnell kühl.
Weiter geht es durch ein ruhiges Tal, noch einmal über Weinberge, dann hinab nach Bad Bergzabern, von wo aus ich mit der Bahn nach Hause fahre.

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© Günter Kromer— Dörrenbach

29.9.2018 Bad Bergzabern - Eußerthal 40 km

Ich liebe es, am frühen Morgen oder am späten Abend zu wandern, genieße die besonderen Lichtstimmungen und die Stille auf den Wanderwegen. Daher klingelt mein Wecker heute schon sehr früh. Um 6:40 Uhr starte ich dann am Bahnhof Bad Bergzabern. Bald bin ich oben auf den Weinbergen und freue mich über den farbenfrohen Himmel kurz vor Sonnenaufgang. Ja, das frühe Aufstehen hat sich mal wieder gelohnt!

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© Günter Kromer

Wie die meisten Etappen bei diesem Fernwanderweg marschiere ich mal über Weinberge, mal durch Wald. Der Pfälzerwald ist die größte zusammenhängende Waldfläche Deutschlands. Breite Forstwirtschaftswege, schmale, manchmal steinige oder verwurzelte Pfade, nur selten Asphalt oder Betonplattenwege - die Mischung ist recht angenehm.
Viele Dörfer an der Deutschen Weinstraße werden wegen ihrer hübschen Weinstuben und anderen Restaurants im Sommer und im frühen Herbst am Wochenende von sehr vielen Touristen besucht. Gleiszellen, eines dieser Schmuckstücke, wirkt am frühen Morgen wie eine Geisterstadt, ganz anders als es die meisten Leute kennen.

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© Günter Kromer— Gleiszellen
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© Günter Kromer— Gleiszellen

Wieder geht es über sonnige Weinberge. Üppige Trauben zieren den Weg. Weit führt der Blick über die Rheinebene zu den Bergen des Odenwalds und zum Schwarzwald auf der anderen Seite.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Dann steige ich hinauf zur Burgruine Landeck. In diesem sehr beliebten Ausflugsziel drängen sich an schönen Sommer- oder Herbstwochenenden ebenfalls die Touristen. Oft braucht man etwas Geduld, wenn man hier oben etwas zu Essen bestellt. Heute komme ich aber zu einer Zeit an, als die anderen Wanderer wohl noch schlafen oder frühstücken und kann die Ruine in perfekter Stille genießen.

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© Günter Kromer— Burg Landeck
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© Günter Kromer— Burg Landeck

Der Weg führt nun wieder fast zur Rheinebene hinab. Dann führt ein Steig hinauf zur Ruine Madenburg, die ebenfalls mittags von Touristen erstürmt wird. Hier sind jetzt immerhin schon zwei Wanderer oben. Wie schon in der Landeck kann man auch hier mittags und abends gute Pfälzer Küche, Flammkuchen und vieles andere zu zivilen Preisen essen.

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© Günter Kromer— Madenburg
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© Günter Kromer— Madenburg
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© Günter Kromer— Aussicht von der Madenburg
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Auf dem folgenden Abstieg kommen mir dann große Wandergruppen entgegen.
Beim Slevogthof, einem ehemaligen Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, in dem vor etwa hundert Jahren der impressionistische Maler Max Slevogt lebte und malte. Einige seiner Werke werden am Wanderweg auf großen Tafeln gezeigt.

Von der Ruine Neukastell stehen nur wenige Mauerreste, aber der Aufstieg über eine zuletzt sehr steile Stahltreppe lohnt sich wegen der Aussicht doch.

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© Günter Kromer— Aussicht von Ruine Neukastell

Wieder geht es durch den Wald bergauf und bergab. Der Pfälzerwald gilt als das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands und zählt zum Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen.
An einigen wie gigantische Mauern senkrecht aufragenden Sandsteinfelsen vorbei nähere ich mich der Burg Trifels.

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© Günter Kromer

In dieser ehemaligen Reichsburg wurde angeblich Richard Löwenherz drei Wochen lang gefangen gehalten.

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© Günter Kromer— Burg Trifels

Bekanntlich will ich als D-Wanderer nicht nur die unterschiedliche Landschaft Deutschlands sondern auch die kulinarischen Besonderheiten genießen. In der Pfalz steht hier an erster Stelle natürlich Pfälzer Saumagen. Im großen Restaurant am Parkplatz unterhalb der Burg bestelle ich die Löwenherzplatte mit Saumagen, Leberknödel, Bratwurst und Weinsauerkraut. Dazu natürlich passend zur Region und Saison einen halben Liter Neuer Wein. Dieses Getränk ist wie eine Wundertüte. Wenn man ein Glas bestellt oder eine Flasche kauft, weiss man vorher nie, ob man etwas bekommt, das fast noch wie normaler Traubensaft schmeckt oder eine schon stark vergorene und entsprechend alkoholhaltige Version. Heute steht vor mir ein halber Liter mehr Wein als Neu.

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© Günter Kromer

Mit vollem Magen und etwas beschwingt marschiere ich hinab nach Annweiler.
Entlang der Queich stehen einige Fachwerkhäuser, dazu drehen sich im Ort drei Mühlräder.

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© Günter Kromer— Annweiler

Eigentlich hatte ich heute nur eine Wanderung bis Annweiler geplant, aber bei dem perfekten Wetter verlängere ich die Tour noch um einige Kilometer.
Beim Aufstieg sammle ich wie viele andere Spaziergänger Esskastanien. Nun wird es diese Woche wieder leckere Maronen zum Abendessen geben.
Vom Krappenfelsen genieße ich den schönen Blick hinüber zum Trifels.

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© Günter Kromer— Krappenfelsen

Mit einigem bergauf, bergab erreiche ich am späten Nachmittag Eußerthal, wo ich nahe der Klosterkirche in den Bus steige und nach Hause fahre.

 

Fortsetzung folgt am Mittwoch

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© Günter Kromer— Kloster Eußerthal

3.10.18 - Eußerthal - St. Martin 35 km

Heute begleitet mich mal wieder Annette. Der Morgen beginnt mit Herbst statt Spätsommer. Anfangs wandern wir mal unter dunklen Wolken, mal durch romantische Nebelwälder. Ich liebe diese besondere Stimmung, mit denen Nebel eine Landschaft verwandelt. Bald erreichen wir Dernbach und steigen von dort zur Landauer Hütte hinauf. Wer den kompletten Weinsteig wandert, der kommt zwei Mal zu dieser Hütte, denn von hier führt eine Schlaufe um einen Berg herum zum Orensfelsen, einem der schönsten Aussichtspunkte der gesamten Strecke.

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© Günter Kromer

Heute morgen blickt man vom Felsen natürlich nicht hinüber zum Trifels sondern nur ins Grau, aber die Kombination aus Nebel, Fels und knorrigen Bäumen begeistert uns ebenso.

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© Günter Kromer— Orensfels im Nebel
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© Günter Kromer

Nach Ende dieser Runde erreichen wir wieder die Landauer Hütte, an der zu so früher Stunde noch immer perfekte Stille herrscht. Schon bald werden die Heerscharen der Wanderer hier aufmarschieren.

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© Günter Kromer— Landauer Hütte

Als wir kurz darauf Neu Scharfeneck erreichen, die schönste Ruine am Weinsteig, löst sich der Nebel auf und die ersten blauen Flecke bedecken den Himmel. Noch ist oben auf der Burg außer uns kein Mensch. Lange bleiben wir oben am Bergfried stehen und genießen die Stille und die Aussicht. Als wir aufbrechen, kommen gerade die ersten zwei anderen Spaziergänger.

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© Günter Kromer— Ruine Neu Scharfeneck

Beim nächsten Abstieg begegnen wir innerhalb von kurzer Zeit schon sicherlich 50 Wanderern. Das angekündigte Schönwetter lockt die Menschen in die Pfalz.
Eigentlich wollte ich erst in der St. Anna-Hütte Mittagessen, doch wegen starkem Hunger bestellen wir bereits in der Trifelsblick-Hütte eine Suppe mit Wurst. Auf dem Weinsteig muss zumindest am Wochenende niemand hungern. Am laufenden Band kommt man an Einkehrmöglichkeiten vorbei. In den Hütten mit Selbstbedienung bekommt man ohne Wartezeit für wenig Geld gutes Essen.
Die Völkerwanderung nimmt immer mehr zu. Heute ist hier besonders viel los. In der fast voll besetzten St. Anna Hütte essen wir dann noch etwas, denn ich weiss, dass es hier besonders gute Leberknödel und hervorragendes Sauerkraut gibt. Wanderer sollten auch unbedingt noch ein paar Meter weiter zur schönen Sankt-Anna-Kapelle gehen.

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© Günter Kromer— Sankt Anna Kapelle
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© Günter Kromer— Vor Sankt Anna Kapelle
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© Günter Kromer— Blick nach Weyher

Am Mittag spazieren wir unter anderem auf einem Pfad, der mit sehr vielen ungewöhnlichen „Kunstwerken“ geschmückt ist. Vor Jahren baute hier jemand kleine Schlösser, Burgen, Schiffe und einfache Wurzelgebilde und besetzte diese mit unglaublich vielen Spielzeugfiguren. Von Schlümpfen über Drachen bis zu Playmobil findet man hier wirklich fast alles. Kitsch, aber absolut genial!

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© Günter Kromer

Wir kommen an einem kleinen See vorbei, an einem künstlich angelegten Wasserfall und an einem idyllischen Bach.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Am späten Nachmittag erreichen wir das Etappenziel Sankt Martin. Dieser fotogene Ort wird heute von Touristen buchstäblich überrannt. Ein Glück, dass wir einen freien Platz im Bus nach Hause bekommen!

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© Günter Kromer— St. Martin
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© Günter Kromer— Sankt Martin

5.10.18 - Sankt Martin - Neustadt an der Weinstraße 20 km

Am Vormittag muss ich arbeiten. Daher wandere ich heute nur eine für meine Verhältnisse kurze Etappe. Diesen Streckenabschnitt bin ich schon sehr oft gewandert oder als Trailrunner gelaufen. Ich liebe den Kalmit-Aufstieg und die Kiefernwälder beim Hohe Loog Haus. Erst kurz vor 15 Uhr spaziere ich durch den heute deutlich ruhigeren Ort und beginne mit dem Aufstieg über herrliche Wege im duftenden Kiefernwald.

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© Günter Kromer

Je öfter ich in Deutschland wandere, desto stärker erkenne ich, wie vielfältig die ganz pauschal als "Wald" bezeichnete Natur aussehen kann. Eigentlich müsste man 100 verschiedene Worte für "Wald" haben. Die Auenwälder bei meiner Wanderung auf dem 66-Seen-Weg, die knorrigen Bäume am Maximiliansweg dicht unterhalb der Waldgrenze, forstwirtschaftliche Monokulturen, wilde Urwälder - Wald ist nicht gleich Wald. Und oft wechselt der Charakter des umgebenden Waldes mehrfach innerhalb weniger Kilometer. Auf dem Weinsteig spaziere ich oft durch lichte Laubwälder, mal durch Mischwald, am besten gefallen mir hier aber die grandiosen Abschnitte mit den sonnigen Kiefernwäldern.

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© Günter Kromer

Unterwegs komme ich an einem Felsenmeer mit vielen stark bemoosten Felsen vorbei.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Schließlich erreiche ich die Kalmit, den mit 672 m höchsten Gipfel des Pfälzerwalds. Die Terrasse vor dem Restaurant liegt bereits im Schatten, die Rheinebene unter mir wird dagegen noch von der Sonne beleuchtet.
Vor vier Jahren lief ich bei einem 100 Meilen Wettkampf in knapp 34 Stunden nonstop etwa 155 km weit auf dem Weinsteig sowie noch 10 km durch die Rheinebene. Dieses Mal habe ich sehr viel mehr Zeit, die Natur zu genießen und viel zu fotografieren. Doch auch der Lauf durch die Nacht hatte damals viele unvergessliche Reize. Die Kalmit erreichte ich etwa gegen Mitternacht, blicke von oben auf das Lichtermeer der Städte in der Rheinebene und traf beim Abstieg auf eine Wildschweinherde.

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© Günter Kromer— Kalmit

Den Abstieg vom Gipfel hinab zum Wanderparkplatz laufe ich auch heute. Es macht mir unglaublich viel Spaß, auf solchen Trails hinab zu saußen. Doch im Gegensatz zum Wettkampf habe ich heute Zeit, eine Weile auf einer Bank beim Parkplatz die Aussicht zu genießen.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Und weiter geht es durch die unglaublich schönen Kiefernwälder.
Beim Hohe Loog Haus wollte ich eigentlich angesichts der späten Uhrzeit heute nicht rasten, doch da eine Bank auf der ansonsten schon schattigen Terrasse noch in der warmen Abendsonne steht, trinke ich hier doch ein Bier. Das Licht ist gerade so wunderschön, das muss man in Ruhe genießen. Der Kalmitgipfel erscheint schon wieder sehr weit entfernt.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Der Weinsteig führt nur zum Parkplatz unterhalb des Hambacher Schloss. Doch die etwa 300 m hinauf bis zum Schloss sollte man auf jeden Fall einplanen. Hier war 1832 beim Hambacher Fest (nicht zu verwechseln mit dem Hambacher Forst!) eine der Sternstunden der deutschen Demokratiebewegung.

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© Günter Kromer

Kurz bevor das Eingangstor des Geländes geschlossen wird, genieße ich die Aussicht. Dann geht es wieder durch Wald mit ettlichen Höhenmetern weiter, bis ich endlich kurz nach Sonnenuntergang Neustadt an der Weinstraße erreiche.

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© Günter Kromer

6.10.18 Neustadt - Bad Dürkheim 35 km

Morgens um 8 Uhr trinke ich am Marktplatz in der netten Altstadt einen Kaffee.

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© Günter Kromer— Neustadt

Die Ruine Wolfsburg ist nicht besonders spektakulär, aber die Aussicht ist ganz nett.

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© Günter Kromer

Wieder geht es an einigen Felsen vorbei, dann wieder durch Wald,vorbei am Bergstein,  einem Aussichtspunkt mit Blick auf Neustadt, später entlang an einem hübschen Bach.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Beim Bergstein
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© Günter Kromer

Um diese Jahreszeit sind besonders viele Wanderer im Pfälzerwald unterwegs. Viele wollen nicht einfach nur spazieren gehen. Sie tragen Taschen oder Körbe, stapfen nicht nur über die Wege sondern kreuz und quer durch den Wald und sammeln Esskastanien. Hier gibt es so viele Maronen, dass trotz der Masse an Sammlern wohl jeder genügend findet.

Oft wird behauptet, Esskastanien gehören untrennbar zur Natur des Pfälzerwald. Doch das war nicht immer so, denn diese Bäume wurden erst von den Römern aus dem südlichen Alpenraum hier eingeführt. Sie sind daher ebenso wenig ursprüngliche Natur wie die Weinberge. Auch die Weinreben wurden erst von den Römern, vielleicht auch von den Kelten, nach Deutschland gebracht.

Zur Zeit lese ich ein ganz besonders faszinierendes Buch über Natur. "Das Gesicht Deutschlands" (Theiss-Verlag) beschreibt hervorragend, wie die deutschen Landschaften im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind, oft erst durch Einwirkung der Menschen.

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© Günter Kromer

Ein Mal passe ich nicht auf und marschiere prompt in die falsche Richtung. Erst nach langem Aufstieg bemerke ich den Irrtum. Aus langer Erfahrung weiss ich, dass es am vernünftigsten wäre, umzukehren und dann dem richtigen Weg zu folgen. Heute ignoriere ich die Vernunft und wähle an einer Kreuzung den nächsten Weg, der in die halbwegs passende Richtung führt. Ein Fehler! Doch irgendwie erreiche ich dann mit einigen Umwegen doch wieder den Weinsteig.

In Deidesheim emfehle ich, noch zusätzlich zur Weinsteig-Route ein Stück durch den Ort zu spazieren. Es lohnt sich. Wie in vielen Weinanbaugebieten wirken manche Weingüter wie kleine Paläste. In vielen von ihnen kann man auch gut einkehren, hier zum Beispiel im Weingut Kern.

 

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© Günter Kromer— Deidesheim
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© Günter Kromer— Deidesheim
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© Günter Kromer— Deidesheim - Weingut Kern

Nachdem es vor und nach Deidesheim mal wieder viel über Weinberge ging, umgibt mich bald wieder schöner Wald.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Die schönsten Weinberge am Pfälzer Weinsteig sieht man beim pittoresken Flaggenturm oberhalb von Bad Dürkheim.

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© Günter Kromer— Flaggenturm
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© Günter Kromer

Mehr als eine halbe Stunde lang fotografiere ich hier oben, dann geht es hinab nach Bad Dürkheim.

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7.10.18 - Bad Dürkheim - Bockenheim 35 km

Morgens um halb neun breche ich auf. Bald erreiche ich einen großen römischen Steinbruch. Von 200 bis 220 nach Christus wurde hier der besonders helle Sandstein abgebaut und bis Mainz transportiert. An den Felsen findet man noch heute zahlreiche Inschriften und Skulpturen aus dieser Zeit.

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© Günter Kromer— Römischer Steinbruch

Vom nächsten Aussichtspunkt blicke ich hinüber zur Klosterruine Limburg.

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© Günter Kromer— Klosterruine Limburg

Bald erreiche ich einen besonders großen Bismarkturm. Den Aufstieg auf den 36 m hohen Turm erspare ich mir heute aber, da inzwischen starker Dunst die Aussicht einschränkt.

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© Günter Kromer— Bismarkturm
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© Günter Kromer

Burg Battenberg, etwa 200 m vom eigentlichen Wanderweg entfernt, könnte ebenso in der Toskana stehen. Der mit Zypressen bewachsene Innenhof, die sonnige Terrasse mit weitem Blick über die Weinberge - hier muss man einfach eine Weile sitzen und in Urlaubsgefühlen schwelgen. Ich trinke ein Glas Neuer Wein und esse dazu Quiche.

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© Günter Kromer— Burg Battenberg
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© Günter Kromer— Burg Battenberg

Wieder geht es hinab zu Weinbergen, dann hinauf nach Neuleiningen.

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© Günter Kromer

Waren die letzten Tage vor allem durch die Wälder geprägt, so führen die letzten Stunden meist über Felder, vorbei an Hecken mit vielen Beeren oder zwischen Obstbäumen hindurch, aber weiterhin mit vielen zu bewältigenden Höhenmetern. Zwischendurch verdrängt eine dunkle Wolkenfront den Sonnenschein. Der Dunst legt einen Grauschleier über die Landschaft. Doch bald ist der Himmel wieder fast lückenlos blau.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Die letzten paar Kilometer führen dann wieder meist über herrliche Weinberge. Ein perfekter Abschluss einer schönen Wanderung.

Ein Foto vom Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim, dem offiziellen Ausgangspunkt des Pfälzer Weinsteig, erspare ich Euch aber. Diese architektonische Scheußlichkeit passt nicht zu den restlichen, märchenhaft schönen 172 Kilometern.

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