Mai 2022

Osteifel / Rhein: Traumpfade nahe Andernach

In der Vulkanlandschaft der Osteifel werden viele schöne Rundwanderwege unter dem Begriff “Traumpfade” bzw. für die ganz kurzen Strecken “Traumpfädchen” gemeinsam präsentiert. Viele dieser sehr gut markierten Routen führen zu interessanten Zeugnissen des früheren Vulkanismus in dieser Region. Annette und ich erkundeten 15 Traumpfade und 4 Traumpfädchen. Hier sind drei davon, weitere folgen bald in den nächsten Kapiteln.

Pellenzer Seepfad

Dieser 16 km lange "Traumpfad" mit 594 Höhenmetern führt durch das Pellenzer Hügelland zum berühmten Laacher See, an dem man erkennen kann, dass die Zeit des Vulkanismus hier noch nicht vorbei ist, außerdem zu faszinierenden Zeugnissen nicht allzu lange zurückliegender Vulkanausbrüche.

Neben dem Wanderparkplatz am Ortsrand von Nickenich steht ein römisches Nischengrabmal mit Stelen aus Kalkstein und einem Sockel aus regionalem Tuff, daneben ein rundes Grabdenkmal, das von den Römern wohl zwischen 1. und 3. Jahrhundert errrichtet wurde. Ursprünglich bedeckte ein Erdhügel dieses Monument.

 

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© Günter Kromer— Römisches Grabdenkmal
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© Günter Kromer— Römisches Nischengrabmal

Wir wandern diese Runde nicht wie offiziell empfohlen im Uhrzeigersinn sondern umgekehrt. Zuerst führt uns der Weg durch ein Waldstück bergauf. Wir wundern uns über den äußerst ungewöhnlichen Anblick der Laubbäume, da überall nicht nur einzelne Blätter sondern ganze Ästchen abgebrochen sind. Der Boden des Weges ist davon dick bedeckt. Wir können uns die Ursache dafür nicht erklären, da es weder nach Schädlingsbefall noch wie Folgen der Trockenheit aussieht. Erst später erfahren wir, dass es Schäden von einem verheerenden Hagelunwetter vor einigen Tagen sind.

Bald führt uns der Weg über Wiesen mit weiter Aussicht, manchmal auch durch Wald.

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© Günter Kromer

Wir kommen an einem Tagebau vorbei, an dem wir deutlich die verschiedenen, durch unterschiedliche Phasen der Vulkanausbrüche entstandenen Gesteinsschichten erkennen können.

In der Osteifel stehen etwa 100 alte Vulkane und Schlackekegel. Der Laacher See Vulkan brach vor knapp 13.000 Jahren aus, geologisch betrachtet vor recht kurzer Zeit. Die meisten anderen Vulkane hier sind aber sehr viel älter. Bei seinem Ausbruch schleuderte der Laacher See Vulkan Asche bis in 30 km Höhe. Außerdem wurden innerhalb von etwa 10 Tagen ca. 6 Kubikkilometer Magma auf die Umgebung verteilt. Das war ein sehr viel stärkerer Ausbruch als wir es von den Bildern aus Island, La Palma oder vom Ätna kennen. Faszinierende Spuren davon finden wir während unserer Wanderwoche hier fast überall.

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© Günter Kromer

Dann genießen wir einen weiten Blick bis zum fernen Siebengebirge.

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© Günter Kromer

Der Wald um den Laacher See ist Naturschutzgebiet. Unterwegs kommen wir durch herrliche Buchenwälder mit großen, alten Bäumen.

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© Günter Kromer

Dann führt uns ein Pfad etwas steil hinab zum See. Unten sind sehr viel mehr Spaziergänger unterwegs als oben im Wald. Eine Weile spazieren wir bequem am Ufer entlang. An einer Stelle steigen wir hinab zum Ufer, da man hier ein in Deutschland wohl einzigartiges Naturphänomen bestaunen kann.

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© Günter Kromer— Laacher See

Der Laacher See füllt einen Teil der Caldera, die nach dem Ausbruch des Laacher See Vulkan entstand.

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© Günter Kromer

Noch heute steigen am Ufer Wasserbläschen mit CO2 auf. Diese Stellen erkennt man deutlich durch die vielen Bläschen, die an die Oberfläche sprudeln. Außerdem riecht man bei den Mofetten dezent den Geruch fauler Eier.

Der Vulkanismus ist in dieser Region noch nicht erloschen. Die Wissenschaft ist sicher, dass es hier irgendwann wieder einen großen Vulkanausbruch geben wird. Ob in 10, 1000 oder 10.000 Jahren kann aber niemand vorhersagen.

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© Günter Kromer— Mofetten im Laacher See

Bald darauf kommen wir zu einem angeschnittenen Schlackekegel, der wegen einer früheren Burg “Alte Burg” genannt wird. Auch hier mischen sich verschiedene Schichten aus rotem Basalt, grauen Lavabänke, darüber Löss, ganz oben weiße Bimsschichten. Wie fast überall in der Vulkanregion der Osteifel kann man auch bei dieser Wanderung auf Tafeln viel Interessantes über die regionale Vulkangeschichte lesen.

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© Günter Kromer

Während die meisten Spaziergänger zwischen See und dem Parkplatz beim Kloster Maria Laach spazieren, verlässt unser Weg nun das Ufer und führt leicht bergauf. Noch ein kurzer Blick zurück auf die Caldera, dann umgibt uns wieder ursprünglicher Wald.

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© Günter Kromer

Nach einem kurzen Aufstieg blicken wir von einem Aussichtspunkt unter anderem hinab zum Krufter Waldsee und weit in die Ferne.

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© Günter Kromer

Bald darauf erreichen wir die Teufelskanzel, einen wuchtigen Fels aus Vulkangestein.

Offiziell wird diese Rundwanderung in entgegengesetzter Richtung empfohlen. Dies ist durchaus sinnvoll, da man dann den steilen und bei Regen anspruchsvollen Pfad am Krufter Ofen bergauf steigt statt abwärts. Es gibt aber auch eine leichte Alternativroute.

 

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© Günter Kromer

Der Krufter Waldsee füllt den Boden eines Steinbruchs. Im Sommer kann man hier baden, aber bis Ende Mai ist das Gelände aus Naturschutzgründen gesperrt. Schade, da sind wir heute genau einen Tag zu früh hier.

Nun führt unsere ansonsten traumhaft schöne Route 1,7 km weit durch monotonen Forstwirtschaftswald. Dann begeistert uns der große Steinbruch am Eppelsberg. Auch hier können wir die aufeinandergeschichteten Spuren der Vulkanausbrüche deutlich erkennen. Basaltschlacken, Lavazungen, Ascheregen

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© Günter Kromer— Steinbruch am Eppelsberg

Bald darauf kommen wir zur Schwarzen Wand. Auch dieser Anschnitt eines Basalt-Schlackevulkans zeigt unterschiedliche während der Eruption vor 13.000 Jahren ausgeworfene Schichten. Der markierte Abstecher zur Hermann-Hütte ist nicht unbedingt notwendig, da wir zuvor schon bessere Aussichtspunkte erreicht haben. Auf den letzten Kilometern umgibt uns wieder eine abwechslungsreiche, recht idyllische Landschaft.

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© Günter Kromer— Schwarze Wand

Nach dieser Wanderung fahren wir natürlich auch noch zum großen Parkplatz am See und besichtigen das sehenswerte Kloster Maria Laach.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Höhlen-und Schluchtensteig Kell

Dieser 12 km lange "Traumpfad" mit 405 Höhenmetern hat ein paar etwas steilere Auf- und Abstiege, ist aber bei trockenem Wetter nicht besonders schwer.
Wie auch bei den anderen “Traumpfaden” zeigt uns am Parkplatz Bergwege schon von weitem eine Fahne an, dass es hier los geht und auf einer Tafel stehen Wanderroute und weitere Infos zur Strecke.

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© Günter Kromer

Über sonnige Feldwege mit weiter Aussicht wandern wir zuerst bergab. Viele Schmetterlinge, Bienen und Hummeln fliegen um uns herum.

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© Günter Kromer

Nach dem bequemen Abstieg führt unser Weg durch das idyllische Pönterbachtal.

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© Günter Kromer

Auf dieser Bank will sicherlich jeder rasten.

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© Günter Kromer

Die folgenden Wege durch Wälder im Naturschutzgebiet haben zwischendurch auch etwas anstrengendere Auf- und Abstiege, gefallen uns aber sehr gut. Zwischendurch kommen wir natürlich auch wieder an Aussichtspunkten vorbei.

© Günter Kromer - Blick nach Burgbrohl#images-tours/thumbs/dsc-0265_1654449774.jpg
© Günter Kromer— Blick nach Burgbrohl

Ein etwas steiler Abstieg führt uns nun durch wunderschönen Traubeneichenwald.

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© Günter Kromer

Im Tal wandern wir unter einem großen Bahn-Viadukt hindurch und erreichen gleich darauf die faszinierenden Trasshöhlen. Beim Ausbruch des Laacher See Vulkan schoss eine gigantische Wolke in den Himmel. Als diese Eruptivsäule zusammenbrauch, wurden die umliegenden Täler bis zu 60 m tief mit Asche und Lavapartikel aufgefüllt. Heute bezeichnet man solche Glutwolken als Pyroklastische Ströme. Dieses im Laufe der Jahrtausende zusammengebackene Material wird Trass genannt und wurde schon von den Römern abgebaut und zu Mörtel verarbeitet.

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© Günter Kromer— Trasshöhlen

Die verzweigten Höhlengänge sind mit ihrem faszinierenden Wechsel zwischen Licht und Schatten und vielen faszinierenden Durchblicken ein Paradies für Fotografen.

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© Günter Kromer— Trasshöhlen
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© Günter Kromer— Trasshöhlen

Danach wandern wir wieder bergauf und erreichen bald die Wolfsschlucht. An einigen Stellen begrenzen auch hier Trasswände das schmale Tal. Überall zwitschern Vögel, und auch die Vegetation vermittelt ein wenig Urwaldatmosphäre.

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© Günter Kromer— Wolfsschlucht
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© Günter Kromer— Wolfsschlucht

Am Ende der Schlucht hat der Wasserfall nach der Trockenheit der letzten Wochen momentan recht wenig Wasser.

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© Günter Kromer

Dann erreichen wir den Römerbrunnen. Wie schon der Name zeigt, nutzten bereits die Römer diese Quelle mit CO2-haltigem Wasser und leichtem Schwefelgeruch. Kurz darauf kommen wir zu einer zweiten Quelle, bei der ebenfalls Bläschen im Wasser aufsteigen. Zuletzt spazieren wir wieder über sonnige Wiesen mit Blick bis zum Siebengebirge leicht bergauf.

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© Günter Kromer

Kleiner Stern

Bei Andernach ist das 6,7 km lange "Traumpfädchen" Kleiner Stern mit 160 Höhenmetern.

Die Tour beginnt am Parkplatz Krahnenberg oberhalb von Andernach. Schon nach wenigen Metern erreichen wir einen Aussichtspunkt mit Blick auf Andernach und den Rhein.

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© Günter Kromer— Blick vom Krahnenberg nach Andernach

Bald darauf blicken wir vom nächsten Aussichtspunkt rheinabwärts und hinüber nach Leutesdorf.

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© Günter Kromer— Leutesdorf

Nun führt der Wege etwa zwei Kilometer am oberen Rand des Rheintals entlang. Den Fluss sehen wir aber meist nur zwischen den Bäumen hindurch. Als Ausgleich für diese nicht so spannende Strecke entdecken wir einen Hirschkäfer, der gerade über den Weg krabbelt. Für mich ist es das erste Mal seit mindestens 20 Jahren, dass ich einen lebenden Hirschkäfer sehe.

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© Günter Kromer— Hirschkäfer

Dann verlässt das Traumpfädchen den Wald. Zurück spazieren wir über sonnige Felder mit weitem Blick auf ein flaches Hügelland.

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© Günter Kromer

Natürlich kombinieren wir diesen Aufenthalt auch mit einer Besichtigung von Andernach. Am besten gefällt uns in der Altstadt der Mariendom.

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© Günter Kromer

Am Ufer steht ein alter Hafenkran aus dem 16. Jahrhundert.

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© Günter Kromer— Andernach - Kran

Bei Andernach lohnt sich auch ein Ausflug zum größten Kaltwasser-Geysir der Welt. Diesen erreicht man nur mit dem Schiff, dessen Ticket auch für das Geysir-Museum in Andernach gilt. Alle paar Stunden schießt hier das Wasser bis zu 60 m hoch aus dem Boden.

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© Günter Kromer— Andernach - Geysir