"Hoch hinauf" 15 - Bad Kissinger Hütte, Tölzer Hütte, Straubinger Haus, Spitzsteinhaus, Traunsteiner Hütte Winklmoosalm u.a.
In diesem Kapitel stelle ich vier Hütten vor, die knapp jenseits der Grenze zu Österreich stehen. Außerdem ist noch die Traunsteiner Hütte auf der Winklmoosalm dabei, die man mit einer Tour zum Straubinger Haus kombinieren kann. Da ich beim Auf- und Abstieg aber jeweils fast ausschließlich in Deutschland wandere, passen sie gut auf die Deutschland-Wanderer Seite.
Bad Kissinger Hütte
Pfronten-Steinach über Reichenbachklamm zur Bad Kissinger Hütte 6,7 km, 1000 hm Aufstieg, 48 hm Abstieg
Bad Kissinger Hütte - Hochalphütte - Pfronten-Steinach 7,6 km, 189 hm Aufstieg, 1143 hm Abstieg
Ich fahre mit der Bahn bis Pfronten-Steinach. Dann wandere ich an der Talstation der Breitenbergbahn vorbei und weiter zur Reichenbachklamm. Diese Klamm ist nicht so spekakulär wie manche andere im Allgäu, kostet dafür aber keinen Eintritt.
Oberhalb der Klamm führt der Weg eine Weile über Almwiesen. Vor mir sehe ich oben am Grat schon mein Ziel, die Bad Kissinger Hütte.
Am späten Nachmittag erreiche ich die Bad Kissinger Hütte (1792 m, 50 Schlafplätze). Diese Hütte des Deutschen Alpenvereins steht wenige Meter hinter der Grenze nach Österreich. Von hier aus blickt man über das Tannheimer Tal bis weit zum Alpenhauptkamm.
Bald zieht eine Regenfront auf, wegen der ich hier keine schönen Fotos von Sonnenuntergang und Sonnenaufgang machen kann.
Am nächsten Morgen ist der Himmel zwar schon teilweise blau, aber die meisten Gipfel in der Umgebung stecken noch in den Wolken. Daher wandere ich zwar in Richtung Aggenstein, verzichte aber auf das letzte steile Stück bis zum Gipfel.
Da ich heute noch eine weite Bahnfahrt und danach einen Hüttenaufstieg plane, fahre ich ausnahmsweise mit der Gondelbahn hinab zum Bahnhof.
Tölzer Hütte
Fall - Tölzer Hütte 12,2 km, 1129 hm Aufstieg, 59 hm Abstieg
(+ je 1,4 km zum Aussichtspunkt an der Brücke und zurück)
Tölzer Hütte - Oswaldhütte 6,1 km, 54 hm Aufstieg, 1042 hm Abstieg
Auch die Tölzer Hütte liegt ein kurzes Stück hinter der Grenze. Eine der Aufstiegsrouten führt fast komplett durch Deutschland. Die Route startet bei Fall am Sylvenstein-Stausee. Da ich heute das schöne Wetter auch für ein Foto mit dem berühmten Blick auf die Brücke über den See aufnehmen will, spaziere ich vor Beginn meiner Hüttenwanderung noch ein kurzes Stück zurück.
Ab der Bushaltestelle Fall führt die Aufstiegsroute lange Zeit über breite Wege. Erst weit oben geht es auf schmalen Pfaden weiter.
Im lichten Wald sehe ich viele Schmetterlinge. Als ich mich für eine Rast hinsetze, landen gleich einige auf meinen Händen und lecken das Salz vom Schweiß.
Das faszinierendste an diesem Tag sind aber die vielen großen und kleinen Frösche, die auf dem Wanderweg bergauf steigen. Auch für sie ist ein vegetationsloser Pfad leichter als ein dicht bewachsener Boden. Aber es ist schier unglaublich, wie selbst die kleinsten Frösche fast senkrechte Felsstufen bewältigen können.
Nach dem etwas anstrengenden Streckenabschnitt kann ich recht bequem weiter spazieren.
Die Lichtstimmung am Abend ist mal wieder großartig.
Heute gibt es auf der Terrasse aber auch musikalische Unterhaltung, da uns eine Musikschule mit einem Konzert beglückt. Wir bekommen sogar Blätter, auf denen manche Liedtexte zum Mitsingen drauf stehen.
Nach dem Frühstück lasse ich zuerst mein Gepäck vor der Hütte stehen und wandere zum Gipfel des Schafreuter hinauf.
Von oben blicke ich auf der einen Seite zum Karwendelgebirge und zum Alpenhauptkamm, auf der anderen Seite sehe ich unter anderem einen Teil des Sylvensteinpeicher.
Schließlich gehe ich wieder zur Hütte zurück und wandere mit meinem Gepäck auf einer anderen Route als beim Hinweg bergab. Dieses Mal gehe ich hinab ins Riestal zu einer Haltestelle des Touristenbus, der zwischen Lenggries und der Eng verkehrt.
Traunsteiner Hütte Winklmoosalm
Reit im Winkl Bushaltestelle Entfelden- Traunsteiner Hütte Winklmoosalm 10 km, 522 Höhenmeter Aufsteig
Diese sehr leicht erreichbare Hütte sollte man nicht mit der Neuen Traunsteiner Hütte verwechseln.
Ich steige in Reit im Winkl an der Haltestelle Entfelden-Blaserwirt aus dem Bus. Von dort folge ich einer Straße nach Süden und erreiche nach knapp einem Kilometer eine Brücke über die Schwarzlofer. Dann spaziere ich auf dem breiten Weg mal mehr, mal weniger am Ufer entlang etwa eine Stunde bis zum Parkplatz Seegatterl.
Anschließend geht es noch kurz geradeaus weiter, bis der Sommerweg zur Winkelmoosalm beginnt. Ein schmaler, aber unkomplizierter Weg führt durch den Wald bergauf. Man kann aber auch der Zufahrtstraße folgen, in die auch der Sommerweg weiter oben mündet. Schließlich erreiche ich die Winkelmoosalm, zu der man auch mit dem Auto oder mit einem Touristenbus fahren kann. Hier oben stehen weit verteilt mehrere Häuser mit Unterkünften. Im Winter ist die Alm bei Skilangläufern sehr beliebt, im Sommer für Familien mit kleinen Kindern ein beliebtes Ziel.
Diese Traunsteiner Hütte steht im oberen Bereich der Alm.
Von hier blickt man unter anderem hinüber zu den Lofer Steinbergen und zur Steinplatte, auf die man von der Winkelmoosalm auch wandern kann.
Am Morgen lasse ich mein Gepäck zuerst in der Hütte und wandere etwa 3 km und 450 Höhenmeter bis hinauf zur Bergstation der Dürnbachhorn-Nostalgie-Sesselbahn.
Bei der Bergstation ist die Aussicht natürlich noch viel umfassender als unten bei der Alm. Leider verhüllt sich der Gipfel des Watzmann noch hinter einer Wolkenschicht.
Ich verzichte auf den Aufstieg zum Gipfel, da ich heute noch viel vor habe. Natürlich lasse ich mir für den Rückweg die Fahrt mit der Nostalgie-Sesselbahn nicht entgehen. Hier sitzt man noch auf ganz alten, rustikalen Holzsitzen mit einfacher Klappsicherung, wie es früher überall normal war, bevor das Wettrüsten mit immer aufwändigeren Panoramagondeln losging.
Straubinger Haus
Traunsteiner Hütte auf der Winkelmoosalm - Straubinger Haus 11,5 km, 550 hm Aufstieg, 160 hm Abstieg
Straubinger Haus - Reit im Winkl 10,8 km, 890 Höhenmeter Abstieg
Auch das Straubinger Haus steht in Österreich, aber auch auf dieser Tour führt meine Aufstiegsroute fast ausschließlich durch Deutschland.
Auf den ersten 8,7 km von der Traunsteiner Hütte bis zur Oberen Hemmersuppenalm muss ich nur 200 Höhenmeter Aufstieg und 150 Höhenmeter Abstieg bewältigen, meist auf angenehmen Waldwegen.
Dann geht es knapp 3 km stramm bergauf, aber ohne technische Probleme. Die letzten 700 m bis zum Straubinger Haus wandere ich in Österreich.
Da man die Hütte (1551 m, 22 Plätze im Lager, 28 Plätze in Zimmern) von Süden her relativ leicht erreicht, ist sie ein beliebtes Ziel für Tageswanderer, Familien und Mountainbiker. Von der Terrasse blickt man hinüber zum Wilden Kaiser.
Von der Hütte aus erreicht man auf einer relativ leichten Route in 1,4 km mit 240 Höhenmetern den 1765 m hohen Gipfel des Fellhorn. Von dort oben aus sieht man auch Großvenediger und Großglockner.
Bald darauf erreiche ich Reit im Winkel, von wo aus ich mit dem Bus zurück nach Prien fahre.
Spitzsteinhaus
Sachrang - Spitzsteinhaus 3,6 km, 560 Höhenmeter Aufstieg
Spitzsteinhaus - Bahnhof Aschau 13,4 km, 424 Höhenmeter Aufstieg, 1066 Höhenmeter Abstieg
Auch zu dieser Hütte knapp hinter der österreichischen Grenze kann man auch auf verschiedenen Routen in Deutschland auf- und absteigen.
An einem regnerischen Tag fahre ich mit dem Bus von Aschau nach Sachrang. Zuerst warte ich dort in der Kirche ab, bis ein Gewitter aufhört.
Dann wandere ich bei Nieselregen 1,6 km km weit auf einem asphaltierten Weg hinauf nach Mitterleiten.
Ein Vorteil des Regenwetters ist es, man bei dieser Witterung manchmal Salamander sehen kann. Heute sehe ich innerhalb von einer Stunde elf Feuersalamander, das sind mehr als in den letzten zehn Jahren zusammengerechnet. Zwei kann ich sogar bei der Paarung fotografieren.
Zwischendurch lässt der Regen nach, aber sobald ich die Hütte erreiche schüttet es bis zur Nacht ohne Pause.
Wegen dem relativ kurzen, bei gutem Wetter leichten Aufstieg ist das Spitzsteinhaus mit 28 Betten und 25 Plätzen im Lager auch für Famlien ein beliebtes Ziel.
Lange vor Sonnenaufgang verlasse ich das auf 1252 m Höhe stehende Spitzsteinhaus und wandere mit Stirnlampe die relativ leichte Route zum Gipfel des 1598 m hohen Spitzstein, den ich nach knapp einer Stunde erreiche.
Ich warte, bis die ersten Sonnenstrahlen die fernen Gipfel beleuchten. Rechts hinten sehe ich den Wendelstein.
Ich frühstücke in der Hütte und wandere dann weiter. Nun folge ich einem Weg, der zuerst östlich unterhalb des Spitzstein verläuft.
Nach Überschreitung eines kleinen Bergipfel komme ich an der verlassenen Feichtenalm vorbei.
Nun führt mich meine Route zur Klausenhütte, die 2007 wegen baulicher Mängel geschlossen wurde. Inzwischen verfällt sie immer mehr und bietet von außen ein typisches Lost-Places-Ambiente.
Dann steige ich über Baumgartenalm und Ellandalm hinab nach Hohenaschau. So viele röhrende Hirsche wie heute habe ich noch nie im Leben gehört. Rechts, links, über und unter mir - überall röhren die Hirsche um die Wette. Großartig!


