"Hoch hinauf" 6: Reichenhaller Haus, Schneibsteinhaus, Stöhrhaus
Reichenhaller Haus
Das Reichenhaller Haus liegt nur knapp unterhalb vom Gipfel des Hochstaufen und bietet daher bei passendem Wetter ideale Bedingungen für großartige Sonnenauf- und Untergänge. Da das kleine Haus nur 6 Plätze im Zimmer und 14 im Lager hat, ist hier oben eine angenehm familiäre Atmosphäre.
Ab Bahnhof Piding sind es bis zur Hütte 9 km mit 1310 Höhenmetern Aufstieg.
Zuerst wandere ich vom Bahnhof zum Schloss Staufeneck.
Dann führt ein breiter Weg durch den Wald bergauf. Unterwegs komme ich an einem kleinen Alpengarten vorbei. Nach 5 Kilometern erreiche ich die auf 1025 m gelegene Steiner Alm.
Nun wird der Weg deutlich steiler und anspruchsvoller, aber auch schöner. Da zum Reichenhaller Haus kein Materiallift führt, ist an einer Stelle am Waldrand ein großer, überdachter Stapel mit Holzscheiten. Auf einem Schild steht: "Liabe Leit - seits gscheit, nimmt ajeda oa Scheid, dann machts de Wirtsleit vom Staufen a große Freid. Berg heil."
Das kenne ich bereits von anderen Hütten, und natürlich packe auch ich nun ein Stück Brennholz in meinen Rucksack.
Nach dem Abendessen sitze ich eine Weile vor der Hütte auf der Terrasse. Dann kommt der Wirt heraus und sagt den Gästen, dass es jetzt Zeit ist, zum Sonnenuntergang auf den Gipfel zu gehen. Man kann sogar seine Getränke von der Hütte mit hinauf nehmen.
Heute gibt es wegen der dichten Wolkendecke zwar keinen spektakulären Sonnenuntergang, aber kurz bevor sie hinter dem Chiemsee am Horizont verschwindet, zeigt sich die Sonne doch noch.
Der Abstieg von der Hütte bis zum Bahnhof Bad Reichenhall ist 8,4 km lang und hat 1282 Höhenmeter. Leider marschiere ich heute die meiste Zeit durch Nebel und sehe wenig von der schönen Umgebung.
Diese Route ist deutlich leichter als die nördliche Aufstiegsroute. Wer es anspruchsvoller mag, kann auch über Klettersteige zur Hütte kraxeln.
Schneibsteinhaus
Ich hatte für heute geplant, mit dem Bus vom Bahnhof Berchtesgaden bis zur Haltestelle Hinterbrand zu fahren und von dort aufzusteigen. Das wären 4,7 km mit 600 hm Aufstieg und 58 hm Abstieg gewesen. Doch heute hängen die Wolken sehr tief und es regnet extrem stark. Als ich 1,3 km nach der Bushaltestelle an der Mittelstation der Jennerbahn vorbeikomme, wäre angesichts der für die nächsten Stunden angekündigten Gewitter ein langer Aufstieg Unsinn. Daher fahre ich mit der Gondelbahn zur Bergstation und verzichte dort natürlich auch darauf, auf den Gipfel zu steigen.
Nun wandere ich nur eine halbe Stunde auf leichten Wegen bis zum 1670 m hohen Schneibsteinhaus.
Am späten Nachmittag endet der Regen, die Wolken lockern auf und ich kann hinüber zum Jenner blicken.
Vom Schneibsteinhaus dauert der Aufstieg zum wenige Meter jenseits der Grenze zu Österreich stehenden Carl-von-Stahl-Haus des ÖAV nur eine Viertelstunde. "Schlechtwettertage" haben auch gute Seiten. Der Blick über die Grenze wirkt gerade durch die Wolken jetzt besonders interessant.
Am nächsten Morgen entscheide ich mich aufgrund der Wetterlage mit erneut angekündigten Gewittern, wieder auf kürzestem Weg hinab zur Bushaltestelle Hinterbrand zu marschieren.
Stöhrhaus
Diese Alpenvereinshütte steht schon seit vielen Jahren auf meiner „Wunschliste“, da man von hier bei gutem Wetter eine großartige Aussicht zum Watzmann genießen kann.
Von Berchtesgaden fahre ich mit dem Bus bis zur Haltestelle Hintergern. Bis zur Hütte sind es ab hier 7,9 km mit 1114 hm Aufstieg. Zuerst spaziere ich an einigen Häusern des Weilers vorbei.
Auf den erhofften Blick zum Watzmann muss ich heute und morgen wegen der Wolken leider verzichten.
Der Weg führt zuerst noch durch den Wald, dann unter einer Felswand vorbei und schließlich in Serpentinen hinauf zum Gatterl genannten Pass auf ca. 1600 m. Auch der restliche Aufstieg zum Stöhrhaus ist technisch problemlos.
Die DAV Hütte liegt auf 1894 m und hat 28 Plätze in Zimmern sowie 30 im Lager.
Eigentlich wollte ich von der Hütte noch zum nahen Gipfel des 1972 m hohen Berchtesgadener Hochthron aufsteigen, doch wegen der Wolken verzichte ich darauf.
Doch die grandiosen Lichtstimmungen am Abend entschädigen mich für den fehlenden Watzmannblick. Genau wegen solcher Momente übernachte ich so gerne oben auf den Bergen.
Am nächsten Morgen steckt der Watzmann noch immer in den Wolken, aber zumindest kann ich jetzt zum Wimbachgries hinüberblicken.
Beim 6 km langen Abstieg mit 1218 hm bergab wandere ich zuerst wieder zum Gatterl und wende ich dann nach rechts. Der Jägersteig führt mich über Almwiesen. Danach marschiere ich auf dem Almsteig durch Wald.



