Naturschutzgebiet Weingartener Moor - Bruchwald Grötzingen
Ausführliche Informationen zu meinem Fotoprojekt "Naturschutzgebiete" stehen am Ende dieses Kapitels.
Das 256 Hektar große Naturschutzgebiet umfasst ein großes Waldgebiet mit hohen Grundwasserständen. Dieser Bruch- und Sumpfwald ist in dieser Art einmalig in Südwestdeutschland.
Im Bereich der Kinzig-Murg-Rinne stehen je nach Witterung und Saison große Flächen unter Wasser. Der allgemein gut bekannte Teil des Naturschutzgebiets liegt östlich der Bahnlinie, aber auch auf der westlichen Seite wächst ein sehenswerter Erlen-Bruchwald, der von einigen Gräben durchzogen wird.
Im Frühling und Frühsommer stehen große Flächen dieses Naturschutzgebietes oft unter Wasser.
Der wichtigste Teil dieses Gebiets, das Niedermoor mit der offenen Fläche, wurde schon 1940 unter Naturschutz gestellt. Die Bruchwälder und der renaturierte nördliche Teil des Grötzinger Baggersees kamen 1984 dazu.
Bis zum Ende des 1. Weltkriegs wurde in dem Sumpfgebiet Torf abgebaut. Die große offene Wasserfläche im Niedermoor ist ein Relikt des Torfstichs.
Im Winter friert manchmal die Wasserfläche komplett zu. Dann sitzen natürlich keine Wasservögel am Ufer. Dafür muss ich nun mit unvernünftigen Leuten streiten, die hier Schlittschuhlaufen und mich als Spaßbremse beschimpfen, als ich sie darauf hinweise, dass erstens im Naturschutzgebiet das Verlassen der Wege ohnehin verboten ist und dass die Tiere im Winter besonders gefährdet sind, wenn man sie aufschreckt. "Welche Vögel? Ich sehe hier keine!"
Im extrem trockenen Sommer 2026 trocknete der See wie bereits einige Jahre zuvor völlig aus. Dieses Mal bedeckte nach einigen Wochen schon eine etwa einen halben Meter hohe Schicht aus blühenden xx den ehemaligen Seegrund.
Ein Bohlensteg führt zu einem kleinen Bereich am östlichen Seeufer und zu einer Beobachtungshütte.
Bei hohem Wasserstand ist der Wald hier weiträumig überschwemmt und man spaziert auf dem Steg die ganze Zeit über dem Wasser.
Ein Graureiher und ein Silberreiher stehen gemeinsam am Ufer. Dazwischen schwimmt ein Bläßhuhn.
An einem Morgen beobachte ich kurz nach Sonnenaufgang vom Steg aus lange Zeit, wie ein Blässhuhn sein Gefieder pflegt.
Im Winter mischen sich manchmal ein paar Tafelenten unter die anderen Entenarten.
Mandarinenten stammen ursprünglich aus Asien, aber in den letzten Jahren breitet sich auch diese Art immer mehr in unserer Region aus. Einmal sehe ich ein weibliches Exemplar auch im Weingartener Moor.
Mit einem guten Fernglas kann man von der Beobachtungshütte gerade noch erkennen, dass weiter südlich auf einigen Bäumen Kormorane brüten und auf anderen Graureiher ihre Nester haben. Für gute Fotos ist die Entfernung aber zu groß, daher kann ich hier nur eine schwache Ausschnittsvergrößerung eines mit 600 m Brennweite aufgenommenen Bildes zeigen.
An einem Morgen im August fliegen außergewöhnlich viele Rauchschwalben über dem Wasser.
Kraniche hatte ich bisher nur an der Ostsee gesehen, doch am m 23.11.25 machen sechs Kraniche am zugefrorenen Weingartener Moor eine Rast. Eine halbe Stunde lang kann ich sie beobachten, wie sie ihr Gefieder pflegen. Dazu brauche ich natürlich die Kamera mit dem großen Objektiv. Ohne große Brennweite oder Fernglas kann man gerade noch erkennen, dass sich irgend etwas am anderen Ufer bewegt.
Im Juli 2026 sehe ich an einem Tag mit extrem niedrigem Wasserstand erstmals hier auch drei Bruchwasserläufer.
Einmal höre ich am Waldrand auch eine Dorngrasmücke, aber erst nach langem Warten kann ich sie auch ganz kurz sehen.
Als der See im Hitzesommer 2026 völlig austrocknete, suchen an einem Morgen viele junge Bachstelzen im frischen Grün des ehemaligen Seegrundes nach Nahrung.
Am Abend sehe ich dann zum ersten Mal in meinem Leben hier keinen einzigen Vogel. Nur ein einsames Nutria spaziert über den Seegrund.
Schon nach kurzer Zeit ist der ehemalige Seegrund mit recht hohem Strahligem Zweizahn zugewachsen.
Schon nach wenigen Wochen ist der gesamte Boden mit bis zu einem halben Meter hohen Strahligem Zweizahn zugewachsen. Statt Wasser breitet sich nun ein Blütenmeer vor mir aus.
Wenige Tage danach sehe ich am Morgen zum ersten Mal von der Beobachtungshütte aus Rehe am gegenüberliegenden Ufer.
Für viele in diesem Naturschutzgebiet lebenden Amphibien ist der Weg zu ihrem Laichgebiet und zurück gefährlich. Die sehr verkehrsreiche B3 trennt das Moor von den nahen Wäldern am Rande der Rheinebene. Eine sehr lange Krötenschutzmauer und einige Durchlässe unter der Bundesstraße sind hilfreiche Ansätze, aber auch ehrenamtliche Helfer sammeln hier während der Wanderzeiten täglich am späten Abend Tiere ein und bringen sie auf die andere Seite. 2027 helfe ich erstmals ebenfalls mehrmals mit. Am besten Abend sammeln wir etwa 80 Berg-, Teich- und Kammmolche sowie ein Dutzend Frösche.
Erst zuhause erkenne ich auf dem Foto, dass bei diesem Teichmolch eine Assel auf dem Kopf sitzt.
Der Bereich auf der anderen Seite der Bahnlinie, die man nur weit außerhalb des NSG überqueren kann, ist zwar nicht ganz so spektakulär, aber ebenfalls interessant.
Nahe der B3 bildet der Waldrand die Grenze des Naturschutzgebietes. Auf dem Weg zwischen Wald und Wiesen- bzw. Landwirtschaftsflächen findet man viele verschiedene Insekten.
Einmal kann ich hier beobachten, wie eine Heuschrecke aus ihrer Larvenhülle schlüpft.
Für mein Fotoprojekt "Naturschutzgebiete in Karlsruhe und im Landkreis Karlsruhe" bin ich seit Frühling 2025 mehrmals pro Monat mit der Kamera unterwegs.
Mit diesem Projekt will ich dazu anregen, auch völlig unabhängig von der hier fotografierten Region die Natur in der eigenen Heimat bewusst und intensiv zu erkunden, anstatt immer nur in die Ferne zu reisen. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass Naturschutz nur dann politisch eine Zukunft hat, wenn möglichst viele Leute am Erhalt bedrohter Lebensräume interessiert sind.
Ich fotografiere ausschließlich von den öffentlich zugänglichen Wegen und zeige die Natur so, wie sie jeder Besucher sehen kann, der aufmerksam unterwegs ist und ein gutes Fernglas oder Spectiv dabei hat. Natürlich sollte niemand erwarten, alle hier gezeigten Pflanzen und Tiere gleich bei einem einzigen Spaziergang zu entdecken. Da man manche für den Schutzstatus wichtigen Pflanzen oder Tiere nicht vom Wanderweg aus sehen kann, verzichte ich auf diese Motive.
Da ich ein Laie bin und die meisten Arten nicht selbst bestimmen kann, nutze ich dafür seit November 2025 vor allem die Seite observation.org, manchmal zusätzlichl auch inaturalist.org. Irrtümer korrigiere ich nach entsprechenden Hinweisen gerne.
Ich will diesen Überblick so leichtverständlich wie möglich gestalten und verzichte daher auf umfangreiche und allzu fachspezifische Beschreibungen der kompletten Fauna und Flora dieser Gebiete.
Die 24 Kapitel zu meinem 2020 bis 2023 erstellten Rheinauen-Blog stehen hinter den Kapiteln zu den Naturschutzgebieten.
Meine 2022 bis 2024 erstellten 12 Kapitel zum Nationalpark Schwarzwald stehen unter "Sonstige Wanderungen".
Infos zu meinen Rheinauen-Filmen auf YouTube stehen in der Rubrik "Aktuelles".


