Naturschutzgebiet Wagbachniederung bei Waghäusel
Ausführliche Informationen zu meinem Fotoprojekt "Naturschutzgebiete" stehen am Ende dieses Kapitels.
Die Wagbachniederung bei Waghäusel zählt zu Deutschlands bedeutendsten Vogelbrutgebieten und Rastplätzen beim Vogelzug.
Anders als bei den meisten anderen Naturschutzgebieten entstand diese enorme Artenvielfalt nicht auf rein natürliche Weise sondern als positive Nebenwirkung einer Fabrikanlage.
Die Wagbachniederung liegt auf dem Gebiet einer Rheinschlinge, die schon vor etwa 8000 Jahren vom Rhein abgetrennt wurde und längst verlandet ist.
Ein Teil des Geländes wurde 1837 bis 1995 für Klärteiche und Schlammdeponien einer großen Zuckerfabrik genutzt. Die nährstoffreichen Abwässer zerstörten zwar die Reste der ehemaligen Niedermoorlandschaft, schufen dafür aber diesen wunderbaren Lebensraum.
Die Vögel
Die meisten Naturfotografen interessieren sich hier nur für die Vögel. Ich will aber auch die restliche Vielfalt dieses Lebensraums zu zeigen. Daher folgen nach dem Vogelkapitel noch viele weitere Fotos.
Die meisten Vogelfotos in diesem Kapitel sind bisher Ausschnittsvergrößerungen von Fotos, die ich mit maximal 300 mm Brennweite aufgenommen habe. Erst seit Sommer 2025 kann ich nun auch mit 600 mm fotografieren und werde in den nächsten Jahren viele Fotos durch bessere Aufnahmen ersetzen.
Die Wagbachniederung ist eine der wenigen Stellen in Deutschland, an denen die sehr seltenen Purpurreiher brüten. Natürlich sind die scheuen Vögel meist weit entfernt, sodass man zum Beobachten ein Fernglas und zum Fotografieren ein starkes Objektiv braucht. Mit viel Glück kann man sie aber auch manchmal fast direkt neben dem Weg sehen, so wie hier im Sommer 2025.
Nicht zuletzt wegen dieser sehr seltenen und sehr scheuen Vögel sollten hier die in jedem Naturschutzgebiet geltenden Regeln unbedingt eingehalten werden. Lärmende Wandergruppen und freilaufende Hunde können hier besonders viel Schaden anrichten. Und selbstverständlich darf auch kein Naturfotograf für "bessere" Aufnahmen die Wege verlassen!
Von Frühling bis Herbst kann man sich darauf verlassen, dass man hier nicht nur viele verschiedene Vögel sieht, sondern oft auch bis zu drei Dutzend Vogelfotografen, die mit ihren riesengroßen Objektiven an den besten Uferplätzen stehen.
Manchmal treffen an einigen Stellen so viele Vogelarten zusammen, dass es fast ein Gedränge gibt.
Manchmal kommen auch Bruchwasserläufer in die Wagbachniederung.
Im Herbst lohnt es sich an manchen Tagen, bis zum Sonnenuntergang in der Wagbachniederung zu blieben. Tagsüber findet man kleine Gruppen von Staren auf den Bäumen und vor allem auf den Feldern und Wiesen.
Pünktlich zum Sonnenuntergang fliegen sie in riesigen Schwärmen in die Wagbachniederung und lassen sich dann gut vor Feinden geschützt in den Schilfflächen zur Nachtruhe nieder.
Dieses Schauspiel dauert nur wenige Minuten. Sobald sie gelandet sind, sieht man sie zwar nicht mehr, aber das Zwitschern von vielen hundert Staren auf relativ kleiner Fläche ist ein außerordentlich beeindruckendes akustisches Erlebnis.
Noch nie sah ich so viele Silberreiher auf einem Fleck wie hier am 18. September 2024.
Drei Tage später waren dann schon deutlich weniger dort.
An der nordwestlichen Ecke des Naturschutzgebiets ist eine Stelle, an der im Winter Vögel gefüttert werden. Von einer Bank aus kann man hier bequem Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpfmeisen, Schwanzmeisen, Kleiber und manchmal auch Buntspechte beobachten.
Oft fliegen Mäusebussarde und Turmfalken über das Gelände, manchmal auch Rohrweihen.
Für mich ist nicht nur die Welt der Vögel sondern die gesamte Vielfalt der Pflanzen und Tiere wichtig. Daher freue ich mich auch sehr, wenn ich eine Schmetterlingsart entdecke, die ich bisher noch nie gesehen habe, wie z.B. diesen Blassen Nesselzünsler.
C-Falter zählen in der Rheinebene wohl inzwischen zu den häufigsten Schmetterlingsarten. Manche andere Arten vermisse ich dagegen seit ein paar Jahren.
Jahreszeiten
An einem Novembermorgen bedeckt eine dicke Nebelschicht die Wagbachniederung.
Ich liebe solche Spaziergänge, die mich scheinbar aus der normalen Welt hinaus führen,
Nun kann ich gut sehen, wieviele Spinnennetze normalerweise gut verborgen neben dem Weg hängen.
An einem kalten Wintertag sind die meisten Wasserflächen zugefroren und teilweise mit Schnee bedeckt.
Nun drängen sich Stockenten, Reiherenten, Löffelenten und Schnatterenten an den wenigen eisfreien Stellen.
Wie fast überall in der Region vermehren sich die ursprünglich nicht hier heimischen Nutrias auch in der Wagbachniederung erschreckend schnell.
Pflanzen
In fast allen anderen Naturschutzgebieten fotografiere ich mehr Pflanzen als Tiere. Von hier will ich im nächsten Jahr auch die Flora ausführlicher dokumentieren als bisher.
Weitere Fotos zu diesem Gebiet folgen in den nächsten Jahren.
Für mein Fotoprojekt "Naturschutzgebiete in Karlsruhe und im Landkreis Karlsruhe" bin ich seit Frühling 2025 mehrmals pro Monat mit der Kamera unterwegs.
Damit will ich dazu anregen, auch völlig unabhängig von der hier fotografierten Region die Natur in der eigenen Heimat bewusst und intensiv zu erkunden, anstatt immer nur in die Ferne zu reisen. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass Naturschutz nur dann politisch eine Zukunft hat, wenn möglichst viele Leute am Erhalt bedrohter Lebensräume interessiert sind.
Ich fotografiere ausschließlich von den öffentlich zugänglichen Wegen und zeige die Natur so, wie sie jeder Besucher sehen kann, der aufmerksam unterwegs ist und ein gutes Fernglas oder Spektiv dabei hat. Da man manche für den Schutzstatus wichtigen Pflanzen oder Tiere nicht vom Wanderweg aus sehen kann, verzichte ich auf diese Motive.
Ich verzichte auf allzu umfangreiche und fachspezifischen Beschreibungen der kompletten Fauna und Flora dieser Gebiete. Erstens bin ich kein Experte, zweitens will ich diesen Überblick so leichtverständlich wie möglich gestalten.
Da ich die meisten Arten nicht selbst bestimmen kann, nutze ich dafür verschiedene Bücher und Apps, seit November vor allem die Seite observation.org. Irrtümer korrigiere ich nach entsprechenden Hinweisen gerne.
Im ersten Jahr ging es mir vor allem darum, eine Übersicht über die Vielfalt der Gebiete zu bieten. In den meisten war ich 2025 mehrmals. Ein paar fehlen mir bisher noch. 2026 werde ich sogar noch öfter in der Region unterwegs sein und die einzelnen Gebiete jeweils in anderen Monaten als bisher besuchen, um dort auch saisonal andere Pflanzen und Insekten zu fotografieren. Vor allem werde ich dann nach den für das jeweilige Gebiet typischen Pflanzen und Tieren schauen.
Die 24 Kapitel zu meinem 2020 bis 2023 erstellten Rheinauen-Blog stehen hinter den Kapiteln zu den Naturschutzgebieten.
Meine 2022 bis 2024 erstellten 12 Kapitel zum Nationalpark Schwarzwald stehen unter "Sonstige Wanderungen".
Infos zur möglichen Erweiterung auf die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Karlsruhe sowie zu meinen Rheinauen-Filmen auf YouTube stehen in der Rubrik "Aktuelles"




