27.12.18 - 9.1.19

Ostseeküste von Travemünde nach Seebad Ahlbeck (E9)

D-Wanderer km 2039 - 2424

27.12.2018 Travemünde - Boltenhagen 28 km

Der Europäische Fernwanderweg E9 führt von Travemünde über Wismar und Stralsund etwa 380 km weit entlang der Ostseeküste bis zum Seebad Ahlbeck auf der Insel Usedom. Der Weg ist nur ganz selten markiert. An vielen Abschnitten kann man anstatt auf dem jenseits der Dünen verlaufenden Weg auch direkt über den Strand spazieren, was vor allem unterhalb der Steilküsten faszinierend ist. Im Winter hat man die Strände außerhalb der Weihnachtsferien teilweise fast für sich alleine, daher empfehle ich die Tour vor allem für diese Zeit. Für den Hochsommer rate ich davon ab, da es kaum Schatten gibt und die Strände und Uferpromenaden überfüllt sind.

 

Am 2. Weihnachtsfeiertag fahren Annette und ich mit der Bahn nach Travemünde. Ausnahmsweise erreichen wir unser Ziel pünktlich. Bisher lag die Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn bei meinem D-Wanderer Projekt bei weniger als 10 Prozent. Von fast allen Touren kehrte ich mit einer, teils sogar zwei Stunden Verspätung zurück, aber auch die Hinfahrt wurde oft zu einem kreativen Chaos. Da freut man sich umso mehr, wenn tatsächlich auch bei der Bahn mal etwas klappt.
So haben wir am Abend noch genug Zeit, am Hafen und am Strand zu spazieren.

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© Günter Kromer— Travemünde

Heute sind hier sehr viele Menschen unterwegs. An zwei Stellen kann man in einer Art Weihnachtsmarkt an vielen Ständen etwas essen und trinken. Die kulinarische Auswahl ist lobenswert hoch, auch das Getränkeangebot verleitet, mehr zu trinken als man eigentlich will. Ein Nordischer Punsch mit Rum reicht uns schon zu einer leichten Schlagseite, beim Sanddorn-Punsch verzichten wir auf die Wodka-Zugabe. An einem Kinderkarussell läuft laute Schlagermusik. Gerade singt jemand, dass er sich gestern betrunken hat. Nicht gerade die passende Kindermusik. Natürlich gehen wir auch auf die Mole hinaus und genießen den Blick auf das nächtliche Travemünde. Zufrieden schlendern wir zurück zum Hotel

Eine Besonderheit in Travemünde ist die Glocke am Kirchturm. Sie klingt absolut nicht nach einer Glocke. Es scheint eher so, als würde jemand beim Kochen mit dem Löffel an den Rand eines Blechtopfs stoßen.

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© Günter Kromer— Travemünde

Noch vor Sonnenaufgang setzten wir kurz nach acht Uhr mit der Fähre zur Halbinsel Priwall über. Früher führte der Wanderweg dort direkt am ehemaligen Segelschulschiff Passat vorbei, momentan wird der Weg umgeleitet, denn hier entsteht eine neue, riesengroße Feriensiedlung – fast schon ein eigener Stadtteil!

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© Günter Kromer

Der E9 führt bis Boltenhagen immer sehr nahe an der Küste entlang, aber nie direkt am Meer.

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© Günter Kromer

Meist trennen ein dichter Waldstreifen und meist auch hohe Klippen den teils asphaltierten, teils befestigten Sandweg vom Strand. Da es aber sehr viele Übergänge zwischen Weg und Strand gibt, kann man beliebig oft zwischen beiden Varianten wechseln. Die meisten Spaziergänger gehen unten am Strand entlang, was zwar wegen teilweise weichem Sand, teilweise sehr steinige Untergrund anstrengend ist und deutlich länger dauert, aber sehr viel schöner ist. Wir gehen etwa die Hälfte dieser Strecke oben, die andere unten, das passt genau, damit wir noch bei Tageslicht am Ziel ankommen.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Zu DDR-Zeiten war es verboten, hier zum Strand zu gehen. Fluchtversuche endeten hier mit Verhaftung oder sogar tödlich. Heute werden weite Strandabschnitte im Sommer von sehr vielen Badegästen bevölkert. Im Winter dagegen trifft man ab und zu auf Spaziergänger, meist ist man aber alleine unterwegs und kann die Natur in aller Ruhe genießen. Außerdem macht es bei kühlem Wetter vermutlich mehr Spaß, hier zu wandern, als in der Hitze des Sommers.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Ich brauche nicht unbedingt Postkartenwetter, keinen blauen Himmel, kein blaues Meer. Auch die graue Stimmung des Winters hat ihre Reize.
Während wir oben gehen, blicken wir meist auf eine offene, landwirtschaftlich geprägte Gegend. Viele Sanddorn-Sträucher säumen den Weg. Wir kommen an Schafen vorbei, kleine Kanäle kreuzen unsere Strecke, kleine Sumpfgebiete und uriger Wald sorgen für Abwechslung. Dann wechseln wir mal wieder Richtung Meer und spazieren unterhalb steiler Sandklippen. An vielen Stellen sieht man, dass der Hang durch die Erosion oft abrutscht. Viele große Bäume stürzten herab. Der Weg unten ist abenteuerlich, aber nicht besonders schwer.

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© Günter Kromer

Dieser Wandertag macht uns so viel Spaß, dass wir uns wundern, warum nicht viel mehr Leute im Winter an der Küste wandern.

Momentan sind allerdings sehr viele Urlauber an der Ostsee. Da ich weiss, dass zwischen Weihnachten und Neujahr die Hotels und Gasthöfe meist komplett ausgebucht sind, kümmerte ich mich um die Ostsee-Übernachtungen bereits im April, also unmittelbar nach meinem Beschluss, als D-Wanderer Deutschland zu erkunden. Nur bei so frühzeitiger Buchung hat man hier zu dieser Hauptsaison eine Chance, bezahlbare Unterkünfte zu bekommen.

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© Günter Kromer

28.12.2018 Boltenhagen - Wismar 31 km

Streckenmarkierungen oder Wegweiser gibt es zwischen Boltenhagen und Wismar fast nirgends. Anfangs geht es kurz durch das Binnenland, dann an einem langen Sandstrand entlang.

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© Günter Kromer

Bald führt der Weg auf eine Landspitze hinaus, und hier genieße ich wieder völlig Stille. Nun geht es immer auf schmalen, unbefestigten Wegen oder Pfaden direkt an der Küste entlang. Auch hier kann man manchmal wählen, ob man oberhalb der Klippen oder unten am Ufer wandern will

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Später führen die Pfade ab und zu durch Schilfgebiete. Nur selten komme ich an Plätzen vorbei, die im Sommer als Badestrände genutzt werden. Im Winter sind hier alle Restaurants oder Imbussbuden geschlossen.

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© Günter Kromer

Allmählich wird der weite Blick auf das offene Meer von der Insel Poel eingeschränkt. In der Wismarer Bucht kommt man sich eher wie an einem See als wie am Meer vor. Doch zumindest am Anfang gefällt mir der Weg noch.
Ich empfehle aber allen Wanderern, ab Hotel Seeblick in Wendorf mit dem Bus nach Wismar zu fahren, denn ab dieser Haltestelle geht es auch zu Fuß viele öde Kilometer weit entlang Straßen durch langweilige Vororte.

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© Günter Kromer

Annette hat heute den kompletten Tag zur Besichtigung dieser äußerst sehenswerten, zum Weltkulturerbe zählenden Stadt genutzt. Ein wenig spaziere auch ich noch bei Tageslicht durch die Stadt.

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© Günter Kromer— Wismar - Alter Hafen
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© Günter Kromer— Wismar - Marktplatz
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© Günter Kromer

Ab 18 Uhr nehmen wir dann an einer interessanten, zweistündigen Nachtwächterführung teil. 

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© Günter Kromer

Normalerweise esse ich lieber in Lokalen abseits der Touristenzentren, aber es gibt Ausnahmen, die sich wirklich lohnen. Am Markplatz in Wismar, direkt neben dem Wahrzeichen “Wasserkunst”, einem großen Bauwerk, mit dem einst die Wasserversorgung der Innenstadt geregelt wurde, ist in einem der ältesten Häuser Wismars das Restaurant Alter Schwede. Große Modelle von Segelschiffen hängen an der Decke, die Wände sind mit alten Schusswaffen und anderen Dingen verziert, aber nicht nur die Optik sondern auch die Küche ist hier empfehlenswert. Wismarer Fischplatte, dazu regionale Biere – der D-Wanderer ist glücklich.

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© Günter Kromer

29.12.18 Wismar - Alt Bukow 28 km

Auch für den Weg aus Wismar heraus kann man gerne ein Stück mit dem Bus abkürzen, ohne etwas zu verpassen. Erst ab der Haltestelle Fischkaute macht die Strecke wieder Spaß. Nun geht es viele Stunden weit entfernt vom Meer weiter. In der sanft hügeligen, offenen Agrarlandschaft, die durch viele Baumgruppen und -reihen sehr angenehm wirkt, kann man ganz entspannt wandern.

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© Günter Kromer

Wenn man eine trockene Sitzgelegenheit findet, muss man diese im Winter gleich für eine Rast nutzen. Man sollte nicht wählerisch sein.

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Ab und zu sehen wir heute Wegweiser, aber insgesamt braucht man auch hier auf jeden Fall eine Karte. Beim Kompass-Verlag gibt es für 10 Euro ein zweiteiliges Kartenset, das hervorragend die komplette Strecke zwischen Travemünde und Usedom zeigt. Hier sind nicht nur der E9 sondern auch viele regionale Wanderwege eingezeichnet.

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Obwohl ich vor etwa 28 Jahren bereits einmal auf einer Wanderung vom Königssee nach Stralsund zuletzt dem E9 an der Küste gefolgt bin, kann ich mich an den heutigen Streckenabschnitt nicht mehr erinnern. Damals teilte ich die 1500 km von den Alpen zum Meer auf mehrere Urlaube auf. Nie hätte ich damals an etwas so großes wie das D-Wanderer Projekt gedacht.
Doch seit vorgestern ist alles anders als bei meinen bisherigen Wanderungen. Jetzt ist kein Urlaub mehr, nicht einfach ein paar Tage Abstand zum Arbeitsalltag. Seit heute steht das D-Wander-Projekt endgültig im Mittelpunkt meines Lebens. Während ich die letzten 2000 km noch zwischen meiner Arbeit für ein regionales Kulturmagazin wanderte, werde ich nun jeden Monat mehr als drei Wochen wandern, fotografieren und schreiben.
Noch fällt mir die Umstellung auf mein neues Leben, das ich bereits seit Monaten intensiv vorbereite, nicht ganz leicht. Einesteils bin ich froh darüber, nach 24 Jahren einen neuen Lebensabschnitt beginnen zu können, der genau das ist, was ich schon immer wollte, bin auch froh, dass ich mich mit über manche meiner Kunden nicht mehr ärgern muss, nicht mehrmals pro Jahr wegen Stress Schlafstörungen und Magenprobleme zu bekommen, andererseits war der Job für mich mehr als nur ein Job. Es war auch ein wichtiger Teil meines Selbst, und ich werde manche Leute und den intensiven Kontakt zum Kulturleben vermissen.

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© Günter Kromer

30.12.18 Alt Bukow - Heiligendamm 28 km

Die ersten Kilometer führen wieder durch das Binnenland. Dann wandern wir am Salzhaff entlang, einer großen, fast komplett von Land umschlossenen Bucht, in der deutlich weniger Wellen als auf dem offenen Meer sind, was vielen Vögeln einen besonders geschützten Lebensraum bietet.
Anfangs hat die Route noch recht viel Abstand zum Salzhaff, dann führt der Weg unmittelbar an einem schönen Schilfgebiet vorbei.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Bei Rerik verbindet ein nur etwa 120 m breiter Landstreifen das Festland mit einer Halbinsel. Von einem kleinen Pavillon bietet sich ein guter Blick auf diese Stelle.
Wir haben Glück und können die im Winter meist nur zu Gottesdiensten geöffnete Kirche unmittelbar nach einem Gottesdienst besichtigen. Es lohnt sich.

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© Günter Kromer

Am Strand sind bei dem schönen Wetter heute wohl nicht viel weniger Menschen unterwegs als zur Badesaison im Sommer. Unglaublich viele Spaziergänger schlendern durch den Sand.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Anfangs können wir wieder wählen, ob wir unten durch den Sand gehen oder einen herrlichen Wanderweg direkt am oberen Rand der Steilküste nehmen. Wir entscheiden uns für den oberen, der viele schöne Blicke hinab auf Strand und Meer bietet.
Wolkenloser Himmel, tiefblaues Meer, starker Wellengang – ein Wandertag wie aus dem Bilderbuch!

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© Günter Kromer

Einige Kilometer weiter endet die Steilküste. Nun begrenzen sehr niedrige Wellen und dem Sand über den Strand. Auch hier sind sehr viele Menschen unterwegs.

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© Günter Kromer

Dann gehen wir wieder hinauf zum Wander- und Fahrradweg, der hier entlang der Küste führt. An einem Abschnitt ist dieser momentan offiziell gesperrt, aber wir gehen wie viele hundert andere Menschen dennoch weiter. Auf wenigen Metern Breite hat die Erosion eine Lücke in den Radweg gerissen. Nur noch ein schmaler Pfad führt an der Abbruchkante vorbei.

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© Günter Kromer

Wir kommen am einem großen, von Schilf umgebenen Binnensee vorbei.

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© Günter Kromer

Immer wieder bleiben wir unterwegs stehen und sehen den Möwen zu.

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© Günter Kromer

Hatten wir bereits bisher den Eindruck, der Strand sei fast schon überfüllt, so kommen wir nun bei Kühlungsborn fast ins Gedränge. Auf der mehrere Kilometer langen Strandpromenade geht es an manchen Abschnitten zu wie in der Fußgängerzone einer Großstadt am Samstagmorgen. Vor allem an den vielen Lokalen und Buden, die Glühwein oder andere alkoholische Getränke anbieten, herrscht enormer Andrang.

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© Günter Kromer

Wir sind froh, als es nach dem Ort allmählich wieder etwas ruhiger wird.
Eine der schönsten touristischen Attraktionen ist die Molli, ein alter Dampfzug, der noch immer mehrmals am Tag fahrplanmäßig von Kühlungsborn über Heiligendamm nach Bad Doberan verkehrt. Natürlich fotografieren auch wir einen dieser beiden Züge.
Schließlich erreichen wir Heiligendamm. Größer könnte der Unterschied zu Kühlungsborn kaum sein. Einfache Hotels oder Restaurants sucht man hier vergeblich. Keine Strandbars, keine Imbissbuden, nur weiße Architektur für Reiche. Immerhin finden wir im einstigen Wartesaal des Molli-Bahnhofs ein schönes und empfehlenswertes Restaurant, in dem mich vor allem der Grog begeistert.
Wir übernachten etwa einen halbstündigen Marsch entfernt in einem Dorf abseits der Küste.

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© Günter Kromer

31.12.18 Heiligendamm - Warnemünde 18 km

Heiligendamm, einst eines der wichtigsten Ziele des Ostseetourismus, wirkt heute eher wie ein Museum vergangener Zeiten. Viele der einst wunderschönen, alten Villen rotten in erbarmungswürdigem Zustand vor sich hin. Dazwischen werden einige von ihnen mit hohem Aufwand wieder renoviert. Ein paar stehen bereits wieder im einstigen Glanz da. Doch die Mischung zwischen Verfall und neuem Prunk wirkt beklemmend.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Die nächsten Kilometer folgen wir einem recht flachen Küstenabschnitt.

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© Günter Kromer

Wieder einmal erinnert uns einer der Wachtürme der ehemaligen DDR-Grenzsicherung daran, dass die Küste einige Jahrzehnte lang ein gefährlicher Ort war.

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© Günter Kromer

Dann erreichen wir erneut eine Steilküste. Auch hier ist der Radweg offiziell gesperrt, und auch hier wird dies von einem regen Strom an Spaziergängern und Radfahrern ignoriert. Die Erosion frisst hier jährlich etwa 25 cm von der Küstenlinie weg. Auch im Radweg ist bereits ein großes Loch.

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© Günter Kromer

Der Gespensterwald zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen an der Ostsee. Knorrig verwachsene und vom Wind gewundene Bäume geben ihm seinen Namen. Dieser Wald ist wirklich sehenswert, egal ob man oben zwischen den Bäumen hindurch spaziert oder ob man unterhalb der Steilküste hinauf blickt.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Um die Mittagszeit zieht leichter Nebel auf. Bald beginnt auch schwacher Sprühregen. Dies verzaubert die Stimmung an dieser fantastischen Küste noch mehr ins Märchenhafte.

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© Günter Kromer

Je mehr wir uns Warnemünde nähern, desto mehr Spaziergängern begegnen wir. In Warnemünde herrscht auf der Promenade dann wieder Massenbetrieb. Viele Imbissbuden versorgen die Gäste schon zehn Stunden vor dem Silvesterfeuerwerk mit Alkohol. Von Fischbrötchen in allen denkbaren Varianten bis zu Pizza wird genug zu Essen angeboten. Uns ist es hier mal wieder viel zu voll.

Erst beim Leuchtturm hört die Fressmeile und damit das Gedränge auf.

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© Günter Kromer

Um die Ecke bei Hafen sind zwar auch viele Leute unterwegs, doch neben den vielen Schiffen und den schönen alten Häusern ist die Atmosphäre viel entspannter.
Rostock liegt zwar mehr als 20 km weit landeinwärts, aber auch als Ostseewanderer sollte man auf einen kurzen Besuch der Altstadt von Rostock nicht verzichten. Mehrfach pro Stunde fährt eine S-Bahn vom Hafen in Warnemünde zum Rostocker Hauptbahnhof. Auch wir schauen uns am späten Nachmittag Rostock an.

 

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© Günter Kromer— Warnemünde - Alter Hafen

Für die Silvesternacht habe ich eine preiswerte, originelle und ausgesprochen schöne Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Im alten Fischereihafen liegen am Kai zwei Wohnschiffe, in deren Kajüten man schlafen kann. Die Atmosphäre in den alten Schiffen ist außergewöhnlich. Und so weit von Rostock und Warnemünde entfernt ist hier überhaupt kein Silvestertrubel. Um Mitternacht sehen wir dann vom Oberdeck das mehrere Kilometer entfernte Feuerwerk im Rostocker Hafen, bei dem sehr viel mehr Raketen in die Luft geballert werden als ich es von zuhause in Karlsruhe kenne. Noch weiter entfernt ist das unvorstellbar üppige Feuerwerk bei Warnemünde. Trotz der großen Distanz sehen wir, welch unglaubliches Feuerwerks-Inferno dort abgeht. Zigtausend Menschen feiern dort ein Raketen-Armageddon. Und morgen soll es dort gleich mit dem nächsten Großfeuerwerk weiter gehen. Zumindest laut Planung, aber die ist in diesem Jahr vergeblich.

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© Günter Kromer— Wohnschiff Severa
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© Günter Kromer

1.1.19 Warnemünde - Wustrow 29 km

Annette und ich können uns kaum eine schönere Art das neue Jahr zu beginnen vorstellen als mit einer Wanderung. Daher fahren wir über den Jahreswechsel oft weg. Heute überqueren wir bald nach Sonnenaufgang mit der Fähre bei Warnemünde die Bucht. Ab hier könnten wir heute die komplette Etappe durchgehend unten am Strand wandern, parallel gibt es natürlich auf der Rückseite der Dünen auch bequemere Wege.

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© Günter Kromer

Anfangs ist der Sand sehr weich und daher für lange Wanderstrecken zu anstrengend. Leider führt ausgerechnet hier die einzige Alternative auf dem Radweg neben einer Straße. Doch bald führen dann schöne, bequeme Wege mal auf den Dünen, mal dahinter, und auch der Sand am Strand lässt nun bequemeres Wandern zu. Zum unserem Glück bläst der sehr starke Wind, der sich bald zu einem richtigen Sturm entwickelt, konsequent von hinten und schieb uns voran. In Gegenrichtung wäre der Tag heute sehr anstrengend. 

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© Günter Kromer

Die Brandung am Meer nimmt von Stunde zu Stunde zu. Mit Begeisterung fotografiere ich wieder Seevögel, Wellen, die vom Wind auf dem Strand geformten Muster und die Klippen. Die Strecke ist wunderschön.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Im Ostseebad Graal-Müritz finden wir bei einem Imbisslokal eine windgeschützte Ecke, in der wir einen heißen Eintopf essen. Bisher nutzten wir mittags meist die große Auswahl unterschiedlichster Fischbrötchen, die in den Urlaubsorten an Buden angeboten werden, wenn es etwas Warmes sein sollte wählten wir passend zum Osten auch Soljanka.
Inzwischen verhindert der nun orkanartige, kalte Sturm, dass wir noch länger am Strand spazieren. Meist gehen wir nun auf der Rückseite der Dünen entlang und nutzen nur noch einige der vielen Durchgänge, um ab und zu zum Strand zu gehen. Fotografieren ist hier nun kaum noch möglich. Der Orkan lässt eine ruhige Hand nicht mehr zu, außerdem kommt man sich nun wie in einem Sandstrahlgebläse vor, was für ein Kameraobjektiv Gift ist.
Aber es macht uns verdammt viel Spaß, hier unterwegs zu sein. So gefällt uns der Strand viel besser als im Hochsommer, wenn sich hier die Badegäste drängen.

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© Günter Kromer

Bei letzten Tageslicht erreichen wir Wustrow, unser heutiges Tageslicht.
Inzwischen wissen wir, dass wegen dem Orkan an verschiedenen Orten das Neujahrsschwimmen abgesagt wurde, die Fährverbindungen eingestellt wurden und in Warnemünde sogar das Turmleuchten, eine Veranstaltung mit bis zu 90.000 Besuchern, abgesagt werden musste. Doch noch ahnen wir nicht, dass wir den Strand morgen nicht mehr sehen werden.

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© Günter Kromer

2.1.19 Wustrow - Zingst 28 km

Weiterhin tobt der Sturm. Wir wissen, dass eine Sturmflut angekündigt wurde, doch als wir zu den Dünen kommen, überrascht es uns doch sehr, dass nicht nur Teile des Strands überschwemmt wurden sondern gar kein Strand mehr vorhanden ist.

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© Günter Kromer

Alle Strände, auf denen wir in den letzten Tagen spazierten, aber auch die Strände, zu denen wir heute kommen würden, versanken im tobenden Meer. Eine Sturmflut dieser Stärke kommt nur alle paar Jahre vor. Welch ein Glück für uns, dass wir so etwas nun selbst erleben dürfen! Und welch ein Glück, dass wir gerade an diesem Streckenabschnitt sind. Die tieferen Teile der Altstädte von Wismar, Rostock und Warnemünde stehen heute unter Wasser, auch einige kurze Abschnitte unserer übernächsten Etappe wären jetzt nicht begehbar. Hier können wir aber den ganzen Tag bequem auf der Rückseite der Dünen spazieren und ab und zu bei den Durchgängen hinüber zu den tobenden Naturgewalten schauen. Absolut kein Strand mehr! Die Wellen nagen direkt an den Dünen, branden an der Steilküste hinauf und manchmal schießt die Gischt sogar über die Wege am oberen Rand der Steilküsten. Ein unvergessliches Schauspiel.

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© Günter Kromer

Auf der einen Seite der Dünen die Urgewalt der Sturmflut, auf der anderen sehr viele der für diese Halbinsel typischen bunten Häuschen mit Reetdach - größer könnte die unterschiedliche Stimmung je nach Streckenwahl kaum sein.

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© Günter Kromer

Doch auch heute kann ich wegen dem Sturm die Kamera nicht ruhig halten. Mein Mini-Stativ nutzt hier auch nichts.
Zwischendurch führt der E9 eine Weile durch Wald, bei Prerow wird dann das Kapitel Sturmflut fortgesetzt. Die Seebrücken der Urlaubsorte sind natürlich gesperrt, da man hier von den darüber brechenden Wogen mitgerissen werden würde.

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© Günter Kromer

Orkan bei knapp null Grad – trotz Winterkleidung frieren wir nach einigen Stunden.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Seebrücke Zingst

Gegen 15 Uhr blicken wir in Zingst ein letztes Mal auf die Brandung, dann sind es nur noch wenige hundert Meter zu unserem Hotel. Nach dem Einchecken gehen wir noch kurz zum nahegelegenen Bodden-Ufer, wo sich uns mit dem großen Schilfgebiet und den ruhigen Wasserflächen zum Sonnenuntergang ein völlig anderes Bild bietet als eine halbe Stunde zuvor einen Kilometer entfernt. Dann gehen wir ins Hotel zurück. Welch ein Zufall, dass ich ausgerechnet für heute ein Hotel mit Sauna gebucht habe, obwohl ich sonst nach billigen Unterkünften suche. Sauna können wir heute sehr gut gebrauchen. Und die Sauna im Hotel Stone, die wir heute ganz alleine genießen können, ist wirklich schön.

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© Günter Kromer— Bodden bei Zingst

3.1.19 Zingst - Barth und Stralsund - Klausdorf 26 km

Kurz vor Sonnenaufgang genießen wir bereits die schöne Stimmung am Schilfufer des Bodden, mit Blick auf Wasserströme, Inseln und natürlich auch wieder auf viele Vögel. Gerade als ich die faszinierende Atmosphäre fotografiere, fährt einer der als Ausflugsschiffe dienenden Raddampfer vorbei.

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© Günter Kromer— Vor Sonnenaufgang am Bodden

Noch ein paar Kilometer spazieren wir am Ufer des Zingster Strom entlang.

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© Günter Kromer

Dann geht es über eine Pontonbrücke, die seit einiger Zeit die wegen Baufälligkeit gesperrte alte Brücke ersetzt. Unten sitzen auf Holzpfosten sehr viele Komorane.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Die letzten Kilometer bis Barth muss man leider als immer wieder notwendige, aber nicht besonders attraktive Verbindungsstrecke bezeichnen.
Gerne hätten wir in Barth die Kirche besichtigt, doch die ist wegen Renovierung geschlossen.

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© Günter Kromer— Hafen von Barth

Normalerweise folgt man einem Wanderweg immer linear von Punkt A nach B nach C und so weiter. Doch manchmal ist dies von der Logistik her ungünstig und man muss improvisieren. Zwischen Barth und dem 36 Wanderkilometer entfernten Klausdorf fand ich keine brauchbare Übernachtungsgelegenheit. Die Bushaltestellen in der Nähe dieser Strecke werden heute auch nicht angefahren. Daher fahren wir heute um 13 Uhr mit der Bahn nach Stralsund und wandern von dort bis Klausdorf, also entgegen der bisherigen Richtung. Und morgen werden wir dann die 36 km von Klausdorf nach Barth ebenfalls in “falscher” Richtung wandern.
Schon bald nach Verlassen des Stadtzentrums führt ein netter Radweg am Ufer entlang. Wir blicken zurück zu den großen Brücken, die Rügen mit dem Festland verbinden. Nicht weit entfernt sehen wir die Küste von Rügen. Zwischendurch verlässt der Radweg kurz die Küste, bald geht es aber wieder schön am Ufer entlang.

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© Günter Kromer— Postkartenwetter vor Klausdorf

An einigen Stellen hat die Sturmflut den Seetang bis auf die andere Seite des Radwegs getrieben. Diese Streckenabschnitte wären also vorgestern für uns Wanderer unpassierbar gewesen. Ein Glück, dass wir die Sturmflut an einem Streckenabschnitt erlebten, der dadurch nicht blockiert wurde!
Klausdorf ist ein Urlaubsort für Leute, die Ruhe wollen. Viel Schilf statt Badestrand, keine Imbissbuden und Läden.

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© Günter Kromer— Abend in Klausdorf

4.1.19 Klausdorf - Barth 40 km

Heute führt unsere Route auf Radwegen mal am Schilfufer entlang, mal ein Stück durch das Landesinnere. Obwohl sie durchgehend asphaltiert ist, gefällt sie uns. Allerdings bläst uns der Wind nun als Preis für unseren Richtungswechsel meist stramm entgegen.

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© Günter Kromer

Wie schon seit Beginn unserer Ostseewanderung ziehen immer wieder Vogelschwärme über uns hinweg. Auf den Feldern sehen wir Gänse, im Wasser Enten, Möwen, Schwäne und mehr.

Ein über 100 Jahre altes Windschöpfrad ist ein weiterer Blickfang des Tages.

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© Günter Kromer

Wir sind froh, als wir an einem Picknickplatz eine windgeschützte Hütte finden, in der wir etwas zu Mittag essen können.

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© Günter Kromer

Ein über hundert Jahre altes Windkraftschöpfwerk mit 14 m hohem Turm wurde vor einigen Jahren renoviert.

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© Günter Kromer

Nach einem ungemütlichen Vormittag wird es gegen Ende überraschend sonnig.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Am Abend fahren wir dann wieder nach Stralsund, wo wir nun übernachten. Ich kenne die Stadt bereits, habe aber für morgen viel Zeit eingeplant, um sie gemeinsam mit Annette zu erkunden. Vor dem Abendessen spazieren wir eine Weile durch die Fußgängerzone dieser zum Weltkulturerbe zählenden Stadt. Leider wird vor dem sehenswerten Rathaus der Blick auf die unteren Arkaden von einem kleinen Weihnachtsmarkt verdeckt.

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© Günter Kromer— Stralsund - Rathaus

5.1.19 Bahnhof Jeeser - Greifswald 14 km

Stralsund ist für mich eine der schönsten Städte Deutschlands. Wismar und Rostock sind schön und interessant, aber Stralsund MUSS man auf jeden Fall gesehen haben!

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© Günter Kromer— Stralsund
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© Günter Kromer— Stralsund

Für die grandiosen Kirchen, viele schöne andere Bauwerke, am Hafen das Segelschiff Gorch Fock, dazu viele andere Sehenswürdigkeiten, sollte man mindestens einen ganzen Tag einplanen. Dazu kommen das großartige alte Meeresmuseum und das erst zehn Jahre alte, mindestens ebenso faszinierende Ozeaneum. Für jedes der beiden Museen, die sich inhaltlich ergänzen, sollte man jeweils mindestens zwei bis drei Stunden einplanen. Riesengroße Aquarien, lebensgroße Modelle von Walen, Mantas und anderen Tieren, man kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Für Annette ist es heute der letzte Tag an der Ostsee. Sie muss wieder nach Hause fahren. Bis 13 Uhr schauen wir uns gemeinsam Stadt und Ozeaneum an, dann ist die Zeit zum Abschied gekommen.

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© Günter Kromer— Gorch Fock

Da ich die Strecke Stralsund – Greifswald mangels passender Übernachtungsmöglichkeit nicht sinnvoll aufteilen kann, in den Ferien am Wochenende aber die einzige mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbare Stelle unterwegs der Bahnhof Jeeser kurz vor Greifswald ist, wandere ich bis zum Abend nur drei landschaftlich stinklangweilige Stunden von diesem im Wald gelegenen “Bahnhof”, der eher wie eine kleine S-Bahn Haltestelle aussieht, durch Wald bis Greifswald.

Erst später sehe ich, dass für diesen Abschnitt ebenso wie für Teile der Route von Greifswald nach Wolgast auf outdooractice eine andere Streckenführung angegeben wird als sie auf der Kompass-Karte eingezeichnet ist. Ich wandere die Karten-Version. 

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© Günter Kromer

6.1.19 Bahnhof Jeeser - Stralsund 35 km

8:23 Uhr fahre ich wieder zurück zu diesem Bahnhof und wandere von hier mal wieder in entgegengesetzter Richtung bis Stralsund.
Etwa 90 Minuten marschiere ich in Richtung Bodden.

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© Günter Kromer— Nur noch mein Schatten begleitet mich

Dann folgen ein paar wunderschöne Stunden am Schilfufer des Bodden.

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Stahlbrode wäre eigentlich ein idealer Ort, die Strecke Stralsund-Greifswald zu teilen.

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© Günter Kromer
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Nun geht es wieder landeinwärts. In Brandshagen gefällt mir die Kirche.

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© Günter Kromer— Brandshagen

Danach marschiere ich etwa eine Stunde lang über eine nahezu autofreie, gepflasterte Alle, bis es wieder zur Küste geht.
Die letzten Kilometer führen dann erst am Wasser entlang, mit Blick auf die Brücken nach Rügen und zur Werft. Dann komme ich u.a. an der riesengroßen Störtebecker-Brauerei vorbei.
Wie auf jeder Wanderung “teste” ich unterwegs gerne einige Biere aus der Region. An der Ostsee konnte mich kein einziges begeistern.

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© Günter Kromer

7.1.19 Greifswald - Wolgast 34 km

Heute ist es den ganzen Tag über neblig. Als ich kurz vor Sonnenaufgang durch die Altstadt von Barth spaziere, verbirgt sich der Turm des Dom im Grau.

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© Günter Kromer
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Da ich heute eine lange Strecke vor mir habe, will ich eigentlich schnell voran kommen. Doch insgesamt halte ich mich dann doch fast 90 Minuten in Greifswald auf, vor allem am Museumshafen

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© Günter Kromer

Nebel hat durchaus seine reizvollen Seiten. Die zwei Kilometer am Ryck-Ufer verzaubern mich.

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© Günter Kromer

In der Ferne sehe ich eine Windmühle.

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© Günter Kromer

Bei Wieck komme ich an einer sehenswerten Klappbrücke vorbei.

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© Günter Kromer

Nun verliere ich einige Zeit mit der Suche nach der Klosterruine Eldena, die in der ansonsten sehr guten Kompass-Karte falsch eingezeichnet ist.

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© Günter Kromer

Bis gegen 11:15 gefällt mir die Strecke sehr gut. Dann folgen viele Stunden auf meist langweiligen Waldwegen, oft kilometerweit geradeaus. Vor Diedrichshagen muss ich ein paar hundert Meter weit auf dem schmalen, unebenen Grasstreifen neben der stark befahrenen B109 marschieren. Bei Wrangelsburg muss ich wegen einer riesigen Schneise, auf der vermutlich eine Autobahn gebaut wird, ausweichen. Abgesehen von der schönen Wassermühle bei Hanshagen bietet dieser Streckenabschnitt nichts.

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© Günter Kromer— Wassermühle

8.1.19 Wolgast - Koserow 28 km

Wieder starte ich kurz vor Sonnenaufgang. Wolgast bietet außer drei Fotomotiven nicht allzu viel Sehenswertes.

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© Günter Kromer— Wolgast
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© Günter Kromer— Wolgast - Hafen

Die Strecke gefällt mir heute den ganzen Tag über außerordentlich gut. Von der Brücke zur Insel Usedom blickt man weit über die Peene.

Am Morgen führt der Weg mal an der Peene entlang, mal etwas weiter landeinwärts. Ein kleiner Fischerhafen, Entwässerungskanäle in einer weiten Graslandschaft, hier macht das Wandern Spaß.

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© Günter Kromer— Hafen von Zecherin

Heute regnet es fast pausenlos, daher stecke ich die Kamera in den Rucksack und hole sie nur manchmal kurz heraus. Beim Fotografieren verzichte ich auf die gewohnten Aufnahmen mit mehreren verschiedenen Belichtungen und Farbeinstellungen. Hauptsache, die Kamera kommt schnell wieder ins Trockene.

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© Günter Kromer

Ab dem Hafen von Karlshagen folge ich 2,3 km weit einer Straße auf die andere Seite der Insel. Nach einigen Tagen am Bodden und im Landesinnere bin ich nun wieder am Ostseestrand. Und den habe ich heute mittag fast für mich alleine.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Nach der letzten Sturmflut kann man auf dem festen Sand meist bequemer wandern als auf Waldwegen. Nur alle paar hundert Meter begegne ich anderen Spaziergängern. Noch ist es fast windstill, auch das Meer liegt sanft und still neben mir.

Der weite Sandstrand, die wenigen Menschen, die Stille – wie das Klischee aus einem Werbespot. Ich genieße es.
Genau zwei !!! Minuten Sonnenschein markieren den krassen Übergang von windstillem Strandspaziergang zum schnellen Anmarsch des nächsten Sturmtiefs.

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© Günter Kromer— Zwei Minuten Sonnenschein

Bald bläst wieder starker Wind von hinten, die Wellen nehmen zu und erobern sich so schnell den Strand zurück, dass man dabei zuschauen kann, wie die Fußspuren der Morgenspaziergänger überflutet werden.

Die Seebrücke vom Zinnowitz ist jetzt wahrhaft kein gemütlicher Ort.

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© Günter Kromer— Seebrücke Zinnowitz

Am späten Nachmittag erreiche ich mein Etappenziel Koserow.

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© Günter Kromer— Zinnowitz

9.1.19 Koserow - Ahlbeck 18 km

Schon vor dem Hotel, ein paar hundert Meter hinter den Dünen, höre ich den Lärm der Brandung. Vor einigen Tagen empfand ich es als glücklichen Zufall, dass ich auf meiner Ostsee-Wanderung eine Sturmflut erleben darf, und nun rauscht sogar bereits die zweite Sturmflut heran.

Als ich beschlossen hatte, im Winter an der Ostsee zu wandern, hoffte ich auch auf schöne Fotos von Strandkörben im Schnee. Strandkörbe, eines der beliebtesten Fotomotive dieser Gegend, stehen wegen dem Wetter seit Tagen keine mehr am Strand. Schnee sorgt zwar schon tagelang für Chaos in Bayern und Österreich, an der Ostsee sah ich die ganze Zeit über keine einzige Flocke. Doch Sturmflut ist interessanter als gewöhnlicher Schneefall.

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© Günter Kromer

Die Wellen sind hier sogar höher als letzte Woche. Am Morgen ist bei Koserow nur noch ein etwa ein bis zwei Meter breiter Streifen Sand übrig, bald nagt das Meer aber schon wieder an Dünen und Steilküste.
Erneut schiebt mich sehr starker Rückenwind voran. Überraschend regnet es aber bis 12 Uhr kaum. So macht das Sturmwandern wieder richtig Spaß, zumal die ersten Kilometer oberhalb der Steilküste viel Aussicht auf die rauschende Naturgewalt bieten.
Einer der Abgänge zum Meer wurde gesperrt, da die letzte Flut die Treppe zerstört hat. Von einer anderen Treppe aus fotografiere ich die Steilküste, muss mich dabei aber wegen dem Sturm mit einer Hand gut am Geländer festhalten.

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© Günter Kromer

Seebad Ückeritz bietet mit seinen bunten Häuschen einen ganz anderen Anblick als die Seebäder.

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© Günter Kromer— Seebad Ückeritz

Ich hatte erwartet, dass die Strecke wie bisher kerzengeradeaus und nahezu eben verläuft, doch am Morgen kann ich überraschend viele Höhenmeter auf- und absteigen. Die von Wald überzogenen Dünen bilden hier eine richtige Hügellandschaft, durch die sich der Wanderweg schlängelt. Kurz folgt die Route eine Weile einer Nebenstraße zwischen Dünen und vielen geschlossenen Campingplätzen. Hier ist im Sommer sicherlich sehr viel los, heute bin ich wieder nahezu alleine unterwegs. Dann marschiere ich hinauf zu einem 54 m hohen Cliff. Von hier oben ist der Blick auf die Flut auch toll.

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© Günter Kromer

Auf den letzten Kilometern geht es von Seebad Bansin über Seebad Heringsdorf bis Seebad Ahlbeck fast lückenlos an meist sehr schönen, alten Villen vorbei. Rechts sehe ich die kleinen Schlösschen und schmale Parkanlagen, links hinter der flachen Düne die Brandung. Ein perfektes Finale meiner Ostseetour.

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© Günter Kromer— Seebad Bansin

Am liebsten würde ich auf diese Weise noch ein paar Tage weiter wandern, doch kurz hinter Ahlbeck liegt die Grenze zu Polen, so dass die weitere Strecke zwar für mich irgendwann in Frage kommt, aber nicht für den D-Wanderer.
Mit Fotos von den Seebrücken in Heringsdorf und Ahlbeck verabschiede ich mich von der Ostsee. Um 13:23 steige ich in den Zug, um zu meinem nächsten Fernwanderweg zu fahren, um 16 Uhr erreiche ich Prenzlau, wo ich morgen früh mit der Uckermärker Landrunde beginne.

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© Günter Kromer— Seebrücke Heringsdorf
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© Günter Kromer— Seebrücke Ahlbeck