27.12.2018 - 9.1.2019

Ostseeküste von Travemünde nach Seebad Ahlbeck (E9) 385 km

Deutschland-Wanderer Kilometer 1823 bis 2208

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Nach den 10.000 Kilometern auf Fernwanderwegen stelle ich nun neben weiteren Fernwanderungen auch Tages- und Wochenendwanderungen vor. Doch ohne Unterstützung durch Euch lässt sich dies in Zukunft nicht mehr finanzieren. Ich freue mich über jeden "Sponsorenbeitrag", egal in welcher Höhe. Infos stehen hier:  https://d-wanderer.de/aktuelles.php

 

Der Europäische Fernwanderweg E9 führt von Travemünde über Wismar und Stralsund etwa 380 km weit entlang der Ostseeküste bis zum Seebad Ahlbeck. Der Weg ist nur ganz selten markiert. An vielen Abschnitten kann man anstatt auf dem meist jenseits der Dünen führenden Weg auch direkt über den Strand spazieren, was vor allem unterhalb der Steilküsten faszinierend ist. Im Winter hat man die Strände außerhalb der Weihnachtsferien teilweise fast für sich alleine, daher empfehle ich die Tour vor allem für diese Zeit. Für den Hochsommer rate ich davon ab, da es kaum Schatten gibt und die Strände und Uferpromenaden überfüllt sind.

 

Am 2. Weihnachtsfeiertag fahren Annette und ich nach Travemünde. Ausnahmsweise erreichen wir unser Ziel pünktlich, ohne das in den letzten Monaten gewohnte Bahn-Chaos. Dadurch bleibt uns heute am Abend noch genug Zeit, am Hafen und am Strand zu spazieren.

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© Günter Kromer— Travemünde

Heute sind hier sehr viele Menschen unterwegs. Die kulinarische Auswahl und das Getränkeangebot bei zwei großen Weihnachtsmärkten sind lobenswert hoch. Da wir schon nach einem Nordischen Punsch mit Rum etwas Schlagseite haben, verzichten wir dann beim Sanddorn-Punsch auf die Wodka-Zugabe. Natürlich gehen wir auch auf die Mole hinaus und genießen den Blick auf das nächtliche Travemünde. Zufrieden schlendern wir zurück zum Hotel

Eine Besonderheit in Travemünde ist die Glocke am Kirchturm. Sie klingt absolut nicht nach einer Glocke. Es scheint eher so, als würde jemand beim Kochen mit dem Löffel an den Rand eines Blechtopfs stoßen.

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© Günter Kromer— Travemünde

27.12.2018 Travemünde - Boltenhagen 28 km

Bereits vor Sonnenaufgang fahren wir mit der Fähre zur Halbinsel Priwall über, wo wir bald darauf am ehemaligen Segelschulschiff Passat vorbei spazieren.

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© Günter Kromer— Passat

Der E9 führt bis Boltenhagen immer sehr nahe an der Küste entlang, aber nie direkt am Meer.

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© Günter Kromer

Meist trennen ein dichter Waldstreifen und oft auch hohe Klippen den teils asphaltierten, teils sandigen Wanderweg vom Strand. Da es aber sehr viele Übergänge zwischen Weg und Strand gibt, kann man beliebig oft zwischen beiden Varianten wechseln. Unten kommt man mal auf sehr weichem Sand, mal auf sehr steinigem Untergrund, viel langsamer voran als oben, aber hier ist es viel schöner und interessanter.

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© Günter Kromer

Zu Zeit der DDR war es verboten, hier zum Strand zu gehen. Fluchtversuche endeten mit Verhaftung oder sogar tödlich. Heute werden weite Strandabschnitte im Sommer von sehr vielen Badegästen bevölkert. Im Winter dagegen trifft man nur ab und zu auf Spaziergänger, meist ist man aber alleine unterwegs und kann die Natur in aller Ruhe genießen. Außerdem macht das Wandern hier bei kühlem Wetter vermutlich mehr Spaß als in der Hitze des Sommers.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Ich brauche nicht unbedingt blauen Himmel und kein blaues Meer. Auch die graue Stimmung des Winters hat ihre Reize.
Wenn wir oben wandern, blicken wir meist auf eine offene, landwirtschaftlich geprägte Gegend. Viele Sanddorn-Sträucher säumen den Weg. Wir kommen an Schafen vorbei, kleine Kanäle kreuzen unsere Strecke, kleine Sumpfgebiete und uriger Wald sorgen für Abwechslung. Dann spazieren wir wieder unterhalb steiler Sandklippen über den Strand. An vielen Stellen sieht man, dass der Hang durch die Erosion oft abrutscht. Viele große Bäume stürzten herab. Der Weg unten ist abenteuerlich, aber nicht besonders schwer.

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© Günter Kromer

Dieser Tag gefällt uns so gut, dass wir uns wundern, warum nicht viel mehr Leute im Winter an der Küste wandern.

Nur während der Weihnachtsferien sind hier die meisten Hotels und Pensionen viele Monate voraus ausgebucht. Zum Glück haben ich unsere Unterkünfte für diese Woche schon in der ersten Planungsphase meines D-Wanderer Projekts gebucht und damals noch ein paar nicht allzu teuere Hotels gefunden.

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© Günter Kromer

28.12.2018 Boltenhagen - Wismar 31 km

Zwischen Boltenhagen und Wismar gibt es fast keine Streckenmarkierungen oder Wegweiser. Anfangs geht es kurz durch das Binnenland, dann an einem langen Sandstrand entlang. 

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Auf einer Landspitze genießen wir wieder völlige Stille. Nun geht es immer auf schmalen, unbefestigten Wegen oder Pfaden direkt an der Küste entlang. Auch hier kann man manchmal wählen, ob man oberhalb der Klippen oder unten am Ufer wandern will.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Später führen die Pfade ab und zu durch Schilfgebiete. Nur selten komme ich an Plätzen vorbei, die im Sommer als Badestrände genutzt werden. Im Winter sind hier alle Restaurants und Imbissbuden geschlossen.

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© Günter Kromer

Allmählich wird der weite Blick auf das offene Meer von der Insel Poel eingeschränkt. In der Wismarer Bucht kommt man sich eher wie an einem See als wie am Meer vor.

Die letzten Kilometer von Wendorf nach Wismar wandere ich über Straßen durch langweilige Vororte. Ich empfehle allen Wanderern, ab Hotel Seeblick mit dem Bus nach Wismar zu fahren.

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© Günter Kromer

Annette hat heute den kompletten Tag zur Besichtigung dieser äußerst sehenswerten, zum Weltkulturerbe zählenden Stadt genutzt. Ein wenig spaziere auch ich noch bei Tageslicht durch die Stadt.

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© Günter Kromer— Wismar - Alter Hafen
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© Günter Kromer— Wismar - Marktplatz
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© Günter Kromer

Ab 18 Uhr nehmen wir dann an einer interessanten, zweistündigen Nachtwächterführung teil. 

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© Günter Kromer

Normalerweise esse ich lieber in Restaurants abseits der Touristenzentren, aber es gibt Ausnahmen, die sich wirklich lohnen. Am Markplatz in Wismar, direkt neben dem Wahrzeichen Wasserkunst, einem großen Bauwerk, mit dem einst die Wasserversorgung der Innenstadt geregelt wurde, ist in einem der ältesten Häuser Wismars das Restaurant Alter Schwede. An der Decke hängen große Modelle von Segelschiffen, die Wände sind mit alten Schusswaffen und anderen Dingen dekoriert, aber nicht nur die Optik sondern auch die Küche ist hier empfehlenswert. Mit Wismarer Fischplatte und einer Auswahl regionaler Biere geht es uns hier sehr gut.

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© Günter Kromer

29.12.18 Wismar - Alt Bukow 28 km

Auch für den Weg aus Wismar heraus kann man gerne ein Stück mit dem Bus abkürzen, ohne etwas zu verpassen. Erst ab der Haltestelle Fischkaute macht die Strecke wieder Spaß. Nun marschieren wir bis Alt Bukow viele Stunden weit entfernt vom Meer. In der sanft hügeligen, offenen Agrarlandschaft, die durch viele Baumgruppen und -reihen sehr angenehm wirkt, kann man ganz entspannt wandern.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Wenn man eine trockene Sitzgelegenheit findet, muss man diese im Winter gleich für eine Rast nutzen. Man sollte nicht wählerisch sein.

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© Günter Kromer

Für die Wanderung an der Ostseeküste empfehle ich zur Orientierung das zweiteilige Kartenset vom Kompass-Verlag, das hervorragend die komplette Strecke zwischen Travemünde und Usedom zeigt.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

30.12.18 Alt Bukow - Heiligendamm 28 km

Die ersten Kilometer führen wieder durch das Binnenland. Dann wandern wir am Salzhaff entlang, einer großen, fast komplett von Land umschlossenen Bucht, die vielen Vögeln einen besonders geschützten Lebensraum bietet, da hier deutlich weniger Wellen als auf dem offenen Meer sind.

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© Günter Kromer

Bei Rerik verbindet ein nur etwa 120 m breiter Landstreifen das Festland mit einer Halbinsel. Von einem kleinen Pavillon bietet sich ein guter Blick auf diese Stelle.
Wir haben Glück und können die im Winter meist nur zu Gottesdiensten geöffnete Kirche unmittelbar nach einem Gottesdienst besichtigen. Es lohnt sich.

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© Günter Kromer

Am Strand sind bei dem schönen Wetter heute wohl nicht viel weniger Menschen unterwegs als zur Badesaison im Sommer. Unglaublich viele Spaziergänger schlendern durch den Sand.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Anfangs können wir wieder wählen, ob wir unten durch den Sand gehen oder einem herrlichen Wanderweg direkt am oberen Rand der Steilküste folgen. Wir entscheiden uns für den oberen, der viele schöne Blicke hinab auf Strand und Meer bietet.
Wolkenloser Himmel, tiefblaues Meer, starker Wellengang – ein Wandertag wie aus dem Bilderbuch!

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© Günter Kromer

Einige Kilometer weiter endet die Steilküste. Nun begrenzen sehr niedrige Dünen den Strand. Wir spazieren direkt neben den Wellen durch den weichen Sand.  Auch hier sind sehr viele Menschen unterwegs.

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© Günter Kromer

Dann gehen wir wieder hinauf zum Wander- und Fahrradweg, wo wir wie viele Dutzend andere Menschen ignorieren, dass dieser zwischendrin momentan offiziell gesperrt ist. An einer Stelle hat die Erosion eine Lücke in den Radweg gerissen. Nur noch ein schmaler Pfad führt an der Abbruchkante vorbei.

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© Günter Kromer

Wir kommen am einem großen, von Schilf umgebenen Binnensee vorbei.

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© Günter Kromer

Immer wieder bleiben wir unterwegs stehen und sehen den Möwen zu.

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© Günter Kromer

Schon bisher empfanden wir hier den Strand als überfüllt. Nun kommen wir bei Kühlungsborn fast ins Gedränge. Auf der mehrere Kilometer langen Strandpromenade geht es an manchen Abschnitten zu wie in der Fußgängerzone einer Großstadt am Samstagmorgen. Vor allem an den vielen Lokalen und Buden, die Glühwein oder andere alkoholische Getränke anbieten, herrscht enormer Andrang.

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© Günter Kromer

Wir sind froh, als es nach dem Ort allmählich wieder etwas ruhiger wird.
Einmal fährt die Molli an uns vorbei. Der alte Dampfzug zählt zu den beliebtesten touristischen Attraktionen der Ostseeküste und fährt jeden Tag mehrmals Kühlungsborn über Heiligendamm nach Bad Doberan und zurück.
Schließlich erreichen wir Heiligendamm. Größer könnte der Unterschied zu Kühlungsborn kaum sein. Einfache Hotels oder Restaurants sucht man hier vergeblich. Keine Strandbars, keine Imbissbuden, nur weiße Architektur für Reiche. Immerhin finden wir im einstigen Wartesaal des Molli-Bahnhofs ein schönes und empfehlenswertes Restaurant, in dem mir vor allem der hervorragende Grog schmeckt.
Wir übernachten etwa einen halbstündigen Marsch entfernt in einem Dorf abseits der Küste.

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© Günter Kromer

31.12.18 Heiligendamm - Warnemünde 18 km

In Heiligendamm rotten viele der einst wunderschönen, alten Villen in erbarmungswürdigem Zustand vor sich hin. Das ehemalige Herz der Stadt wirkt heute eher wie ein Museum der Vergänglichkeit. Dazwischen werden ein paar alte Gebäude mit hohem Aufwand wieder renoviert, einige stehen sogar wieder im einstigen Glanz da. Doch die Mischung zwischen Verfall und neuem Prunk wirkt beklemmend.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Nun folgen wir einem recht flachen Küstenabschnitt.

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© Günter Kromer

Wieder einmal erinnert uns einer der Wachtürme der ehemaligen DDR-Grenzsicherung daran, dass die Küste einige Jahrzehnte lang ein gefährlicher Ort war.

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© Günter Kromer

Dann erreichen wir erneut eine Steilküste. Auch hier ignoriert ein reger Strom an Spaziergängern und Radfahrern die Sperrung des Radwegs. Hier frisst die Erosion jährlich etwa 25 cm von der Küstenlinie weg und hat auch in den Radweg ein großes Loch gegraben.

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© Günter Kromer

Der Gespensterwald zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen an der Ostsee. Knorrig verwachsene und vom Wind gewundene Bäume geben ihm seinen Namen. Dieser Wald ist wirklich sehenswert, egal ob man oben zwischen den Bäumen hindurch spaziert oder ob man unterhalb der Steilküste hinauf blickt.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Um die Mittagszeit zieht leichter Nebel auf. Bald beginnt auch schwacher Sprühregen. Dies verzaubert die Stimmung an dieser fantastischen Küste noch mehr ins Märchenhafte.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Je mehr wir uns Warnemünde nähern, desto mehr Spaziergängern begegnen wir. In Warnemünde herrscht auf der Promenade dann wieder Massenbetrieb. Viele Imbissbuden versorgen die Gäste schon zehn Stunden vor dem Silvesterfeuerwerk mit Alkohol. Von Fischbrötchen in allen denkbaren Varianten bis zu Pizza wird genug zu Essen angeboten. Uns ist es hier mal wieder viel zu voll.

Erst beim Leuchtturm hört die Fressmeile und damit das Gedränge auf.

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© Günter Kromer

Um die Ecke sind beim Hafen zwar auch viele Leute unterwegs, doch neben den vielen Schiffen und den schönen alten Häusern ist die Atmosphäre viel entspannter.
Rostock liegt zwar mehr als 20 km weit landeinwärts, aber auch als Küstenwanderer sollte man auf einen kurzen Besuch der Altstadt von Rostock nicht verzichten. Mehrfach pro Stunde fährt eine S-Bahn vom Hafen in Warnemünde zum Rostocker Hauptbahnhof. Auch wir schauen uns am späten Nachmittag die Stadt an.

 

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© Günter Kromer— Warnemünde - Alter Hafen

Für die Silvesternacht habe ich eine preiswerte, originelle und ausgesprochen schöne Übernachtungsmöglichkeit gebucht. Im alten Fischereihafen liegen am Kai zwei Wohnschiffe, in deren Kajüten man schlafen kann. Die Atmosphäre in den alten Schiffen ist außergewöhnlich. Weit genug von Rostock und Warnemünde entfernt bleiben wir hier vom nervtötenden Silvestertrubel verschont. Um Mitternacht stehen wir am Oberdeck des Wohnschiff Severa und betrachten das mehrere Kilometer entfernte Feuerwerk im Rostocker Hafen, bei dem viel mehr Raketen in die Luft geballert werden als ich es von zuhause kenne. Noch weiter entfernt ist das unvorstellbar üppige Feuerwerk bei Warnemünde. Trotz der großen Distanz sehen wir, welch unglaubliches Feuerwerks-Inferno dort abgeht. Zigtausend Menschen feiern dort ein Raketen-Armageddon. Und morgen soll es dort gleich mit dem nächsten Großfeuerwerk weiter gehen. Noch ahnt niemand, dass dieses ausfallen wird.

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© Günter Kromer— Wohnschiff Severa
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© Günter Kromer

1.1.19 Warnemünde - Wustrow 29 km

Annette und ich können uns kaum eine schönere Art das neue Jahr zu beginnen vorstellen als mit einer Wanderung. Daher fahren wir über den Jahreswechsel oft weg. Heute überqueren wir bald nach Sonnenaufgang mit der Fähre bei Warnemünde die Bucht. Ab hier könnten wir heute die komplette Etappe durchgehend unten am Strand wandern, parallel gibt es natürlich auf der Rückseite der Dünen auch bequemere Wege.

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© Günter Kromer

Am Anfang ist der Sand hier zu weich um lange darauf zu wandern. Doch bald führen schöne, bequeme Wege mal über die Dünen, mal dahinter entlang, und auch der Sand am Strand lässt nun bequemeres Wandern Strecke zu. Zum unserem Glück bläst der sehr starke Wind, der sich bald zu einem richtigen Sturm entwickelt, konsequent von hinten und schiebt uns voran. In Gegenrichtung wäre dieser Tag sehr anstrengend.

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© Günter Kromer

Nur sehr wenige Menschen sind auf dem breiten Sandstreifen zwischen Klippen und der immer stärker ans Ufer tosenden Brandung unterwegs. Der Wind formt interessante Muster in den Sand. Mit Begeisterung fotografiere ich die vielen gegen den Sturm ankämpfenden Seevögel.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Im Ostseebad Graal-Müritz finden wir bei einem Imbisslokal eine windgeschützte Ecke, in der wir einen heißen Eintopf essen. Soljanka war hier zur DDR-Zeit ein typisches und beliebtes Gericht.
Fotografieren ist jetzt kaum noch möglich, denn der Orkan lässt keine ruhige Kamerahaltung mehr zu. Außerdem kommt man sich nun wie in einem Sandstrahlgebläse vor, was für ein Kameraobjektiv Gift ist. Aber es macht uns verdammt viel Spaß, hier unterwegs zu sein. So gefällt uns der Strand viel besser als wenn sich hier die Badegäste drängen.

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© Günter Kromer

Beim letzten Tageslicht erreichen wir Wustrow, unser heutiges Tageslicht.
Inzwischen wissen wir, dass wegen dem Orkan an verschiedenen Orten das Neujahrsschwimmen abgesagt wurde, die Fährverbindungen eingestellt wurden und in Warnemünde sogar das Turmleuchten, eine Veranstaltung mit bis zu 90.000 Besuchern, abgesagt werden musste.

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© Günter Kromer

2.1.19 Wustrow - Zingst 28 km

Weiterhin tobt der Sturm. Der Wetterbericht hatte zwar eine Sturmflut angekündigt, doch als wir zu den Dünen kommen, überrascht es uns doch sehr, dass nicht nur Teile des Strands überschwemmt wurden, sondern gar kein Strand mehr vorhanden ist.

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© Günter Kromer

Alle Strände, auf denen wir in den letzten Tagen spazierten, aber auch die Strände, zu denen wir heute kommen würden, versanken im tobenden Meer. Eine Sturmflut dieser Stärke kommt nur alle paar Jahre vor. Wir freuen uns darüber, dass wir so etwas nun selbst erleben dürfen! Und wir wandern zum Glück heute an einem Streckenabschnitt, wo wir trotz der Sturmflut voran kommen. auch einige kurze Abschnitte unserer für die nächsten Tage geplanten Etappen sind heute nicht begehbar. Hier können wir dagegen den ganzen Tag bequem auf der Rückseite der Dünen spazieren und ab und zu bei den Durchgängen hinüber zu den heran brausenden Naturgewalten schauen. Der Strand ist komplett verschwunden. Die Wellen nagen direkt an den Dünen, branden an der Steilküste hinauf und manchmal schießt die Gischt sogar über die Wege am oberen Küstenrand. Ein unvergessliches Schauspiel!

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© Günter Kromer

Auf der See-Seite der Dünen tobt die Urgewalt der Sturmflut, auf der Land-Seite spazieren wir dagegen in fast friedlicher Urlaubsidylle an sehr vielen für diese Halbinsel typischen bunten Häuschen mit Reetdach vorbei. Größer könnte die unterschiedliche Stimmung kaum sein.

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© Günter Kromer

Doch auch heute kann ich wegen dem Sturm die Kamera nicht ruhig halten. Mein Mini-Stativ nutzt hier auch nichts.
Zwischendurch führt uns der E9 eine Weile durch Wald. Ab Prerow erleben wir dann die Fortsetzung des Sturmflut-Abenteuers. Die Seebrücken der Urlaubsorte wurden gesperrt, da man hier von den darüber brechenden Wogen mitgerissen werden würde.

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© Günter Kromer

Trotz unserer guten Winterkleidung frieren wir nach einigen Stunden im Orkan bei knapp null Grad.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Seebrücke Zingst

Gegen 15 Uhr blicken wir in Zingst ein letztes Mal auf die Brandung, dann sind es nur noch wenige hundert Meter zu unserem Hotel. Nach dem Einchecken spazieren wir noch kurz zum nahegelegenen Bodden-Ufer, wo sich uns bei Sonnenuntergang mit dem großen Schilfgebiet und den ruhigen Wasserflächen ein völlig anderes Bild bietet als eine halbe Stunde zuvor einen Kilometer entfernt. Dann gehen wir ins Hotel zurück. Die schöne Sauna, in der wir heute ganz alleine sitzen, ist nach dem kalten Wandertag ideal.

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© Günter Kromer— Bodden bei Zingst

3.1.19 Zingst - Barth und Stralsund - Klausdorf 26 km

Kurz vor Sonnenaufgang genießen wir bereits die schöne Stimmung am Schilfufer des Bodden, mit Blick auf schmale Wasserströme, Inseln und natürlich auch wieder auf viele Vögel. Gerade als ich die faszinierende Atmosphäre fotografiere, fährt einer der als Ausflugsschiffe dienenden Raddampfer vorbei.

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© Günter Kromer— Vor Sonnenaufgang am Bodden

Noch ein paar Kilometer spazieren wir am Ufer des Zingster Strom entlang.

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© Günter Kromer

Dann geht es über eine Pontonbrücke, die seit einiger Zeit die wegen Baufälligkeit gesperrte alte Brücke ersetzt. Unten sitzen auf Holzpfosten sehr viele Komorane.

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© Günter Kromer

Die letzten Kilometer bis Barth sind dann nicht besonders attraktiv.

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© Günter Kromer— Hafen von Barth

Normalerweise folgt man einem Fernwanderweg immer von einem Ort zum nächsten. Doch da ich bei der Planung für die Strecke zwischen Barth und Stralsund keine für unsere Marschrichtung geeignete Unterkunft buchen konnte, fahren wir nun um 13 Uhr mit der Bahn nach Stralsund und wandern dann entgegen unserer bisherigen Richtung.
Schon bald nach Verlassen des des Zentrums von Stralsund führt ein netter Radweg am Ufer entlang. Wir blicken zurück zu den großen Brücken, die Rügen mit dem Festland verbinden. Nicht weit entfernt sehen wir die Küste von Rügen. Zwischendurch verlässt der Radweg kurz die Küste, bald geht es aber wieder schön am Ufer entlang.

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© Günter Kromer— Postkartenwetter vor Klausdorf

An einigen Stellen hat die Sturmflut den Seetang bis auf die andere Seite des Radwegs getrieben. Diese Streckenabschnitte wären vorgestern für uns Wanderer unpassierbar gewesen. Ein Glück, dass wir die Sturmflut an einem Streckenabschnitt erlebten, der dadurch nicht blockiert wurde!
Klausdorf ist ein Urlaubsort für Leute, die Ruhe wollen, ohne Imbissbuden und Läden, mit viel Schilf statt Badestrand.

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© Günter Kromer— Abend in Klausdorf

4.1.19 Klausdorf - Barth 40 km

Heute führt unsere Route auf Radwegen mal am Schilfufer entlang, mal ein Stück durch das Landesinnere. Obwohl sie durchgehend asphaltiert ist, gefällt sie uns. Allerdings bläst uns der Wind nun als Preis für unseren Richtungswechsel meist stramm entgegen.

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© Günter Kromer

Wie schon seit Beginn unserer Ostseewanderung ziehen immer wieder Vogelschwärme über uns hinweg. Auf den Feldern sehen wir Gänse, im Wasser Enten, Möwen, Schwäne und mehr.

 

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© Günter Kromer

Wir sind froh, als wir an einem Picknickplatz eine windgeschützte Hütte finden, in der wir etwas zu Mittag essen können.

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© Günter Kromer

Ein über hundert Jahre altes Windkraftschöpfwerk mit 14 m hohem Turm wurde vor einigen Jahren renoviert.

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© Günter Kromer

Nach einem ungemütlichen Vormittag wird es gegen Ende überraschend sonnig.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Von Barth fahren wir dann wieder nach Stralsund, wo wir nun übernachten. Vor dem Abendessen spazieren wir eine Weile durch die Fußgängerzone dieser zum Weltkulturerbe zählenden Stadt. Leider wird vor dem sehenswerten Rathaus der Blick auf die unteren Arkaden von einem kleinen Weihnachtsmarkt verdeckt.

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© Günter Kromer— Stralsund - Rathaus

5.1.19 Bahnhof Jeeser - Greifswald 14 km

Stralsund zähle ich zu den schönsten Städte Deutschlands.

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© Günter Kromer— Stralsund
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© Günter Kromer— Stralsund

Für die grandiosen Kirchen, viele herrliche andere Bauwerke, das Segelschiff Gorch Fock am Hafen sowie viele andere Sehenswürdigkeiten sollte man sich genügend Zeit nehmen. Schon alleine für das großartige alte Meeresmuseum und das erst zehn Jahre alte Ozeaneum muss man jeweils mindestens zwei bis drei Stunden einplanen. Da sich diese zwei außerordentlich faszinierenden Museen inhaltlich ergänzen, empfehle ich den Besuch von beiden. Riesengroße Aquarien, lebensgroße Modelle von Walen, Mantas und anderen Tieren - hier kommt man aus dem Staunen nicht heraus.
Bis 13 Uhr schauen wir uns gemeinsam Stadt und Museen an, dann muss Annette nach Hause fahren, da sie ab morgen wieder arbeitet.

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© Günter Kromer— Gorch Fock

Auch den Streckenabschnitt von Stralsund nach Greifswald muss ich aus logistischen Gründen in falscher Reihenfolge und falscher Richtung wandern. Heute fahre ich von Stralsund zum Bahnhof Jeeser und wandere bis zum Abend nur drei landschaftlich langweilige Stunden nach Greifswald.

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© Günter Kromer

6.1.19 Bahnhof Jeeser - Stralsund 35 km

Am Morgen fahre ich dann erneut zum Bahnhof Jeeser und wandere dieses Mal von hier zurück nach Stralsund.
Zuerst führt mich der Weg in etwa 90 Minuten lang in Richtung Küste.

Dann folgen ein paar wunderschöne Stunden am Schilfufer des Bodden.

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© Günter Kromer

Stahlbrode wäre ein idealer Ort, um zwischen Stralsund-Greifswald zu übernachten.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Nun geht es wieder landeinwärts. In Brandshagen gefällt mir die Kirche.

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© Günter Kromer— Brandshagen

Danach marschiere ich etwa eine Stunde lang über eine nahezu autofreie, gepflasterte Alle, bis es wieder zur Küste geht.
Die letzten Kilometer führen zuerst am Wasser entlang, mit Blick auf die Brücken nach Rügen und zur Werft. Dann geht es in die Stadt hinein.

7.1.19 Greifswald - Wolgast 34 km

Heute ist es den ganzen Tag über neblig. Als ich kurz vor Sonnenaufgang durch die Altstadt von Greifswald spaziere, verbirgt sich der Turm des Dom im Grau.

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© Günter Kromer— Greifswald
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© Günter Kromer

Am Morgen halte ich mich trotz sehr vieler vor mir liegenden Kilometer länger in Greifswald auf als geplant, vor allem an dem interessanten Museumshafen mit vielen verschiedenen Schiffen.

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© Günter Kromer— Greifswald - Museumshafen

Danach versetzen mich die zwei Kilometer am Ryck-Ufer in eine träumerische Stimmung, denn Nebel verwandelt den kleinen Fluss in eine dem Alltag scheinbar entrückte Welt.

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© Günter Kromer

In der Ferne sehe ich eine Windmühle.

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© Günter Kromer

Bei Wieck komme ich an einer sehenswerten Klappbrücke vorbei.

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© Günter Kromer

Die in einer kleinen Parkanlage aufragenden Mauerreste der Klosterruine Eldena boten schon für die Maler der Romantik ein beliebtes Motiv.

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© Günter Kromer

Bis gegen 11:15 gefällt mir die Strecke sehr gut. Dann folgen viele Stunden auf meist langweiligen Waldwegen, oft kilometerweit geradeaus. Vor Diedrichshagen muss ich ein paar hundert Meter weit auf dem schmalen, unebenen Grasstreifen neben der stark befahrenen B109 marschieren. Bei Wrangelsburg muss ich wegen einer riesigen Schneise, auf der vermutlich eine Autobahn gebaut wird, ausweichen. Abgesehen von der schönen Wassermühle bei Hanshagen bietet dieser Streckenabschnitt nichts.

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© Günter Kromer— Wassermühle

8.1.19 Wolgast - Koserow 28 km

Wieder starte ich kurz vor Sonnenaufgang. Wolgast bietet außer drei Fotomotiven nicht allzu viel Sehenswertes.

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© Günter Kromer— Wolgast
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© Günter Kromer— Wolgast - Hafen

Bald wandere ich über die Brücke zur Insel Usedom. Heute gefällt mir die Strecke den ganzen Tag über außerordentlich gut. Zuerst marschiere ich mal an der Peene entlang, mal etwas weiter landeinwärts, durch eine weite Graslandschaft mit Entwässerungskanälen und einem kleinen Fischerhafen.

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© Günter Kromer— Hafen von Zecherin
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© Günter Kromer

Ab dem Hafen von Karlshagen folge ich 2,3 km weit einer Straße auf die andere Seite der Insel. Nach einigen Tagen am Bodden und im Landesinneren bin ich nun wieder am Ostseestrand.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Hier ist der Sand seit der letzten Flut fester als in trockenem Zustand, so dass ich hier nun recht bequem wandern kann. Nur alle paar hundert Meter begegne ich anderen Spaziergängern. Noch ist es fast windstill, auch das Meer liegt sanft neben mir.
Der weite Sandstrand, die wenigen Menschen, die Stille – es kommt mir vor wie das Klischee aus einem Werbespot. Ich genieße es.

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© Günter Kromer

Innerhalb von nur wenigen Minuten endet die friedliche Stimmung und der nächste Sturm zieht auf. Der Wetterumschwung kommt mit enormer Geschwindigkeit. Bald bläst wieder starker Wind von hinten, die Wellen nehmen zu und erobern sich so schnell den Strand zurück, dass man dabei zuschauen kann, wie die Fußspuren der Spaziergänger überflutet werden.

Die Seebrücke vom Zinnowitz ist jetzt wahrhaft kein gemütlicher Ort.

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© Günter Kromer— Seebrücke Zinnowitz

Nur eine schmale Parkanlage trennt die schönen alten Hotels und Villen im Seebad Zinnowitz von der Düne und dem Strand. Hier gefällt es mir trotz Regen.

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© Günter Kromer— Zinnowitz

Am späten Nachmittag erreiche ich Koserow. Da nach den Weihnachtsferien die meisten Urlauber nach Hause fuhren und nun fast alle Restaurants geschlossen sind, wirkt der Ort jetzt wie eine Geisterstadt.

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© Günter Kromer— Zinnowitz

9.1.19 Koserow - Ahlbeck 18 km

Schon ein paar hundert Meter hinter den Dünen höre ich den Lärm der Brandung. Vor einigen Tagen empfand ich es als glücklichen Zufall, dass ich auf meiner Ostsee-Wanderung eine Sturmflut erleben darf, und nun rauscht sogar bereits die zweite Sturmflut heran.

Als ich beschlossen hatte, im Winter an der Ostsee zu wandern, hoffte ich auf schöne Fotos von schneebedeckten Strandkörben. Schnee sorgt zwar schon seit Tagen in Bayern und Österreich für Chaos, aber an der Ostsee sehe ich keine einzige Flocke. Doch die Sturmfluten finde ich interessanter als gewöhnliche Wintertage.

 

 

Die Wellen wogen heute sogar höher als letzte Woche. Am Morgen ist bei Koserow nur noch ein etwa zwei Meter breiter Streifen vom Strand übrig, bald darauf nagt das Meer erneut unmittelbar an den Dünen und der Steilküste.
Auch heute schiebt mich sehr starker Rückenwind voran. So macht das Sturmwandern wieder richtig Spaß, zumal die ersten Kilometer oberhalb der Steilküste viel Aussicht auf die rauschende Naturgewalt bieten.
Einer der Abgänge zum Meer wurde gesperrt, da die letzte Flut die Treppe zerstört hat. Von einer anderen Treppe aus fotografiere ich die Steilküste, muss mich dabei aber wegen dem Sturm mit einer Hand gut am Geländer festhalten.

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© Günter Kromer

Seebad Ückeritz bietet mit seinen bunten Häuschen einen ganz anderen Anblick als die üblichen Seebäder.

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© Günter Kromer— Seebad Ückeritz

Nach der geraden und fast ebenen Strecke gestern überrascht mich heute die Hügellandschaft mit vielen hohen, von Wald überzogenen Dünen, über die sich der Wanderweg nun schlängelt. Die vielen Campingplatze hinter den Dünen sind im Winter alle geschlossen. Hier ist im Sommer sicherlich sehr viel los, doch heute bin ich wieder nahezu alleine unterwegs. Dann marschiere ich hinauf zu einem 54 m hohen Kliff, von dem aus ich einen besonders faszinierenden Blick auf die tobenden Fluten habe.

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© Günter Kromer

Auf den letzten Kilometern geht es von Seebad Bansin über Seebad Heringsdorf bis Seebad Ahlbeck fast lückenlos an meist sehr schönen, alten Villen vorbei. Rechts sehe ich die kleinen Schlösschen und schmale Parkanlagen, links hinter der flachen Düne die Brandung.

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© Günter Kromer— Seebad Bansin

Nach Fotos von den Seebrücken in Heringsdorf und Ahlbeck verabschiede ich mich von der Ostsee.

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© Günter Kromer— Seebrücke Heringsdorf

Um 13:23 steige ich in den Zug und um 16 Uhr erreiche ich Prenzlau, wo ich morgen früh mit der Uckermärker Landrunde beginne.

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© Günter Kromer— Seebrücke Ahlbeck