21.7. - 2.8.2018

Maximiliansweg

D-Wanderer km 416 bis 732

21.7.18 Hittisau - Staufner Haus 12 km

Ihr wollt noch mehr Wanderberichte lesen? Dann unterstützt den Deutschland-Wanderer!
Bisher stelle ich bereits fast 9000 km auf interessanten Fernwanderwegen vor. Bis Juni 2020 werden die 10.000 km überschritten. Auch danach will ich gerne weitere schöne Wanderungen auf dieser Seite vorstellen. Doch ohne Unterstützung durch euch Leser lässt sich dieses Projekt dann nicht mehr finanzieren. Ich freue mich über jeden "Sponsorenbeitrag", egal in welcher Höhe.  Infos stehen hier:  https://d-wanderer.de/aktuelles.php

 

Der Maximiliansweg führt von Lindau bis Berchtesgaden am nördlichen Rand der Alpen über viele Gipfel. An manchen Streckenabschnitten braucht man unbedingt sehr gute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Oft sind es aber Wege, die jeder konditionsstarke Wanderer gehen kann. Darüber, wie lange man für die einzelnen Abschnitte braucht, gibt es zwischen gedruckten Wanderführern und Online-Führern sehr stark abweichende Angaben, worüber ich später noch schreibe. Der Maximiliansweg ist nicht durchgehend als Fernwanderweg markiert.

 

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/img-4045_1544294576.jpg
© Günter Kromer

Annette und ich starten nicht in Lindau sondern erst in Hittisau. Die Etappe von Lindau bis Bregenz werde ich im Frühjahr wandern, wenn ich den deutschen Teil des Bodensee-Wanderweg marschiere. Von Bregenz bis Hittisau führt der Weg durch Österreich, worauf ich dieses Mal verzichte, da ich hier nur deutsche Fernwanderwege vorstellen will.

© Günter Kromer - Lecknersee#images-tours/thumbs/mg-4072_1533569055.jpg
© Günter Kromer— Lecknersee

Ich bin es seit Jahrzehnten gewohnt, bei Fernwanderungen meist 1,5 bis 2,5 "offizielle" Tagesetappen zu wandern. Annette und ich haben nach unseren vielen Marathon- und Ultratrail-Wettkämpfen momentan sehr gute Kondition, so dass wir unsere Touren für die nächsten Tage sehr sportlich einteilen. Doch wie sich später heraus stellt, planten wir am Maximiliansweg einige auch für uns zu lange Abschnitte ein. Normale Wanderer brauchen auf jeden Fall deutlich länger als wir.

 

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4084_1544294524.jpg
© Günter Kromer

Der Wetterbericht hatte für heute scheußliches Wetter angekündigt, doch als Annette und ich gegen 14 Uhr in Hittisau starten, scheint ab und zu sogar ein wenig die Sonne.
Anfangs führt die Route noch recht viel über Asphalt, nur zwischendurch geht es auf einem Pfad durch einen urwüchsigen Wald im Bereich eines einstigen Bergsturzes. Am Lecknersee legen wir eine kurze Rast ein, am Gasthaus Höfle gehen wir aber etwas später ohne Stopp vorbei.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4078.jpg
© Günter Kromer

Nun geht es meist auf steilen Wegen bergauf. Wenn ich beim Aufstieg zurück blicke, sehe ich, dass es in Hittisau bereits regnet und die graue Front sich uns schnell nähert. Gerade noch rechtzeitig holen wir die Regenjacken aus dem Gepäck und ziehen die Regenschutzplane über den Rucksack. Schon gießt es los. Wer es noch nie zuvor erlebt hat, staunt sicherlich, wie schnell die Temperatur in den Alpen innerhalb weniger Minuten fallen kann. Unten am See schwitzen wir noch, jetzt könnte man bereits Handschuhe brauchen. Zum Glück müssen wir nur noch zehn Minuten lang bergauf steigen und dann kurz hinab zur Hütte gehen.
In der Alpenvereinshütte Staufner Haus sitzen wir dann in der warmen Stube und genießen nach dem Abendessen leckeren Apfelstrudel mit Vanillesoße, was für mich schon seit Jahrzehnten fast untrennbar zur Einkehr in einer Alpenhütte gehört.
Der Blick aus dem Fenster steht den ganzen Abend unter dem Motto “One Shade of Grey”.

© Günter Kromer - Nebel vor Staufner Haus#images-tours/thumbs/mg-4093.jpg
© Günter Kromer— Nebel vor Staufner Haus

22.7.18 Staufner Haus - Sonthofen 24 km

Am Morgen hat sich der Blick nach draußen gegenüber gestern nicht verändert, doch als wir um 8 Uhr aufbrechen, reisst der Nebel ab und zu stellenweise etwas auf. Bei klarem Wetter sieht man von der Nagelfluhkette aus viele Dutzend Berggipfel, heute dagegen fasziniert uns das spannende Spiel der Nebelschwaden. Es muss nicht immer Postkartenwetter sein! Auch solche Tage sind sehr reizvoll.

© Günter Kromer - Staufner Haus#images-tours/thumbs/mg-4107.jpg
© Günter Kromer— Staufner Haus
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4118-1.jpg
© Günter Kromer

Der Weg führt mit viel Auf und Ab über die Gipfel der Nagelfluhkette. Das Gestein, das dieser Region ihren Namen gab, ist etwas ganz besonderes. Vor langer, langer Zeit lagerten Flüsse in einem großen Becken rund geschliffene Steine aus unterschiedlichen Regionen und entsprechend unterschiedlicher Arten ab. Später löste sich aus dem Wasser Kalk und verband die Steine zu der Masse, aus der heute hier die Felsen gebildet sind. Ein interessanter Anblick!

© Günter Kromer - Nagelfluh#images-tours/thumbs/mg-4131_1533569475.jpg
© Günter Kromer— Nagelfluh
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4149_1533569540.jpg
© Günter Kromer
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4153_1533569582.jpg
© Günter Kromer
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4185.jpg
© Günter Kromer

Für diesen Weg braucht man stellenweise Trittsicherheit, denn manchmal geht es sehr steil hinauf oder hinab. Der oft neben uns in die Tiefe ragende fast senkrechte Abgrund wird aber gut durch Zäune gesichert.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4186.jpg
© Günter Kromer

Fünfeinhalb Stunden lang kommen wir ohne Regen durch diese ungewöhnliche Region und sind immer wieder begeistert von den neuen Ausblicken, die sich im Nebel öffnen.
Dann regnet es ab und zu, doch nun sind wir bereits auf dem Abstieg ins Tal.
In Gunzesried essen wir in einer Sennerei ein leckeres Käsegericht und trinken dazu Buttermilch. Gut gestärkt marschieren wir weiter nach Sonthofen, das wir am späten Nachmittag erreichen. In einer Tankstelle holen wir uns Proviant für Abendessen und Frühstück, da wir heute oberhalb von Sonthofen in Tiefenbach in einer sehr ruhigen und empfehlenswerten Unterkunft ohne Frühstück übernachten.

© Günter Kromer - Sonthofen#images-tours/thumbs/mg-4219.jpg
© Günter Kromer— Sonthofen

23.7. Sonthofen - Füssen 38 km

Früher galt für mich bei Fernwanderungen die fast kompromisslose Selbstverpflichtung, die vorgegebene Route zu hundert Prozent einzuhalten. Inzwischen passe ich die Streckenwahl bei Bedarf den Umständen an. Heute gießt es am Morgen aus allen Kübeln. Die Berge stecken lückenlos im Nebel. So macht es keinen Sinn, den laut Beschreibung steilen und bei Regen rutschigen Aufstieg zum Tiefenbacher Eck zu marschieren. Dort würden wir heute wirklich nichts außer Grau sehen. Daher entscheiden wir uns, eine Variante über Bad Hindelang und Oberjoch zu wählen. Diese Route ist zwar komplett asphaltiert, aber dennoch recht reizvoll, vor allem die autofreie alte Jochstraße zum Oberjoch, an der viele schöne Bäume stehen.

Gegen 11 Uhr treffen wir dann nahe Unterjoch wieder auf den Maximiliansweg. Inzwischen geben die Wolken zumindest die niedrigeren Berge in der Umgebung frei, auch die Sonne scheint nun vereinzelt.
Die Route von Unterjoch zum Restaurant Rehbach gefällt uns gut, der Abstieg vorbei an einigen außerordentlich idyllischen Fleckchen am Ufer der Vils noch besser. Da abgesehen von einem kurzen Regenintermezzo jetzt oft die Sonne scheint, macht das Wandern so richtig Spaß.

© Günter Kromer - Zwischen Unterjoch und Hotel Rehbach#images-tours/thumbs/mg-4241.jpg
© Günter Kromer— Zwischen Unterjoch und Hotel Rehbach
© Günter Kromer - Vils#images-tours/thumbs/mg-4253.jpg
© Günter Kromer— Vils
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4303.jpg
© Günter Kromer

Die letzte Stunde hinab nach Pfronten ist dann nicht ganz so spannend.
In Pfronten steigt Annette wie geplant gegen 15:30 in den Bus nach Füssen. Ich gebe ihr die schwereren Bestandteile meines Gepäcks mit und kann daher die letzten Kilometer mit einem deutlich leichteren Rucksack zurücklegen. Eine Weile bequem an der Fils entlang, dann zeigt ein Wegweiser in Richtung Falkenstein.  Dies wundert mich zwar, denn laut Karte im Wanderführer soll die Abzweigung erst ein paar hundert Meter später sein.
Wie geplant nutze ich nun die Leichtgepäcketappe für eine Portion Trailrunning-Training. In hohem Tempo marschiere ich den steilen Trail bergauf. Das macht so richtig Spaß! Weniger spassig ist es dann aber, als ich an einem kleinen Berggipfel ankomme und den Falkenstein gegenüber sehe. Da hat mich diese Route etwa 100 bis 150 Höhenmeter zusätzlich gekostet, denn ich muss nun wieder zu einer Senke absteigen. Der eigentlich geplante Aufstieg hätte mich wie in der Karte eingezeichnet auf viel kürzerer Route zur Burgruine geführt.

© Günter Kromer - Blick von Ruine Falkenstein nach Osten#images-tours/thumbs/mg-4330.jpg
© Günter Kromer— Blick von Ruine Falkenstein nach Osten

Oben auf der höchstgelegenen Burgruine Deutschlands ist es recht wolkig und vor allem sehr dunstig, was den Genuss der normalerweise schönen Aussicht stark einschränkt
Laut Höhenprofil im Wanderbuch geht es vom Falkenstein bis Füssen nur noch bergab. Statt dessen führt der Weg mit viel Auf und Ab mal am Grat entlang, mal rechts oder links des Bergrückens, was viel mehr Zeit als erwartet kostet. Inzwischen scheint die Sonne und die Aussicht wird klarer.

© Günter Kromer - Zirmgrat#images-tours/thumbs/mg-4371.jpg
© Günter Kromer— Zirmgrat

Zwischendurch bietet sich ein schöner Blick hinab zum Weißensee. In der Ferne sind auch Hopfensee und Forgensee zu erkennen. Obwohl ich 2,5 Stunden lang in hohem Tempo marschiere und zwischendurch schnell laufe, erreiche ich den Alatsee viel später als geplant.

© Günter Kromer - Weißensee#images-tours/thumbs/mg-4385_1544294848.jpg
© Günter Kromer— Weißensee

Am schönen Alatsee lädt mich das inzwischen wunderbare Sommerwetter zum Baden ein, aber ein Blick auf die Uhr zeigt, dass mir jetzt die Zeit für eine Rast fehlt.

© Günter Kromer - Alatsee#images-tours/thumbs/mg-4393_1544294881.jpg
© Günter Kromer— Alatsee

Die letzten Kilometer bis Füssen sind meist asphaltiert, aber recht angenehm. Eigentlich wollte ich heute noch bis Hohenschwangau marschieren und dann mit dem Bus nach Füssen zurück fahren, doch Füssen erreiche ich erst gegen 20 Uhr und muss auf die letzten Kilometer verzichten.

© Günter Kromer - Obersee#images-tours/thumbs/mg-4426.jpg
© Günter Kromer— Obersee

24.7.18 - Hohenschwangau - Brunnenkopfhaus 21 km

Am frühen Morgen fahren wir mit dem Bus nach Hohenschwangau. Noch bevor die Völkerwanderung internationaler Touristen zum Schloss Neuschwanstein strömt, genießen wir in aller Ruhe den Blick auf Schloss Hohenschwangau und auf Neuschwanstein.

© Günter Kromer - Schloss Hohenschwangau#images-tours/thumbs/mg-4428_1544294905.jpg
© Günter Kromer— Schloss Hohenschwangau
© Günter Kromer - Aussicht nahe Neuschwanstein#images-tours/thumbs/mg-4463_1533571325.jpg
© Günter Kromer— Aussicht nahe Neuschwanstein
© Günter Kromer - Schloss Neuschwanstein von der Marienbrücke#images-tours/thumbs/mg-4439_1544294927.jpg
© Günter Kromer— Schloss Neuschwanstein von der Marienbrücke

Auch am Gipfel des Tegelberg ist noch nicht viel los. Heute beschert uns Petrus endlich perfektes Wanderwetter.

© Günter Kromer - Blick vom Tegelberghaus zum Forgensee#images-tours/thumbs/mg-4465.jpg
© Günter Kromer— Blick vom Tegelberghaus zum Forgensee

Unter wolkenlosem Himmel marschieren wir durch eine hübsche Alpenlandschaft, anfangs auf leichtem Weg. Dann kommen wir zu einem Wegweiser, der uns die Wahl zwischen zwei Varianten bietet. Laut Wegweiser führt der Maximiliansweg über die Hochplatte, was eine ausgesprochen hochalpine Gratwanderung nur für extrem erfahrene Wanderer ist. Buch und Online-Medien beschreiben den Weg aber über die als E4-Variante ausgeschilderte und viel leichtere Strecke durch das Lobental.

© Günter Kromer - Abstieg ins Lobental#images-tours/thumbs/mg-4478_1544294972.jpg
© Günter Kromer— Abstieg ins Lobental

Ein etwas steilerer, aber problemloser Abstieg führt uns hinab ins Lobental. Danach geht es einige Zeit auf breiten Forstwirtschaftswegen bergab und dann wieder hinauf. Wir kommen sehr gut voran.

© Günter Kromer - Abstieg ins Lobental#images-tours/thumbs/mg-4487.jpg
© Günter Kromer— Abstieg ins Lobental

Bei der Kenzenhütte ist es höchste Zeit für ein gutes Mittagessen.

© Günter Kromer - Kenzenhütte#images-tours/thumbs/mg-4504.jpg
© Günter Kromer— Kenzenhütte

Wir sind optimistisch, dass wir heute recht früh unser Ziel erreichen. 4:30 Stunden soll es laut dem Rother Wanderführer (Auflage 2013) zur Brunnenkopfhütte dauern. “...für normale Wanderer gut zu bewältigen" steht hierzu im Buch. Diese Verharmlosung muss ich nun als gefährlichen Unsinn bezeichnen.  
Am Anfang gefällt uns die Strecke hervorragend. Durch ein Blumenmeer steigen wir zu einem Pass auf, danach steil zu einer weitläufigen Wiesenlandschaft. Hier macht das Wandern viel Spaß und das Panorama ist toll.

© Günter Kromer - Noch ist der Grat kinderleicht#images-tours/thumbs/mg-4518.jpg
© Günter Kromer— Noch ist der Grat kinderleicht

Doch dann führt der schmale Pfad meist direkt am Grat entlang über viele Stellen, an denen man Schwindelfreiheit, Bergerfahrung und sehr gute Trittsicherheit braucht. Mir bereitet dies keine Probleme, aber Annette war seit zehn Jahren nicht mehr mit schwerem Rucksack wandern und auf anspruchsvollen Bergstrecken unterwegs.

© Günter Kromer - Klammspitzengrat#images-tours/thumbs/mg-4528.jpg
© Günter Kromer— Klammspitzengrat

Immer mehr kniffelige Kletterpassagen kosten viel Nerven. Diese auf der Wanderkarte als gepunktete Linie eingezeichnete alpine Route ist unserer Meinung nach absolut nichts für “normale Wanderer”. Landschaftlich ist dieser Weg ein Traum, aber das Klettern für Annette ein Albtraum. Lasst Euch von den Fotos nicht täuschen. An den richtig schweren Stellen musste ich aufpassen, dass Annette gut hinauf bzw. hinab kommt, da hatte ich keinen Nerv zum Fotografieren.

© Günter Kromer - Klammspitzengrat#images-tours/thumbs/mg-4536.jpg
© Günter Kromer— Klammspitzengrat
© Günter Kromer - Klammspitzengrat#images-tours/thumbs/mg-4544_1533571812.jpg
© Günter Kromer— Klammspitzengrat

Wir sind heute nicht die einzigen Maximiliansweg-Wanderer, die sich über die zu harmlose Einschätzung im Buch ärgern. Unterwegs treffen wir zwei, die sogar noch langsamer voran kommen. Wir brauchen statt der angegebenen 4:30 für diesen Übergang 5:50, die anderen noch deutlich mehr.

Allen nicht in alpinen Touren erfahrenen Wanderern empfehle ich ausdrücklich, ab dem Pass oberhalb der Kenzenhütte die E4 Variante über Schloss Linderhof zu wählen.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4569.jpg
© Günter Kromer
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4575.jpg
© Günter Kromer

Wir sind sehr froh, als wir endlich die Brunnenkopfhütte erreichen. Nach Spinatknödel und zwei Bier zum Abendessen lässt das schöne Abendlicht vor dem auf 1602 m stehenden Alpenvereinshaus meine Seele jubeln. Ich liebe es, vor einer Hütte zu sitzen und zu beobachten, wie sich das Licht und die Farbe der Berge immer mehr ändern.

© Günter Kromer - Brunnenkopfhütte#images-tours/thumbs/mg-4605_1544295216.jpg
© Günter Kromer— Brunnenkopfhütte

25.7. Brunnenkopfhütte - Eschenlohe 30 km

Früh brechen wir auf. Mit geringen Höhenunterschieden spazieren wir mal durch schönen Wald, mal über Wiesen mit weiter Aussicht. So macht Wandern wieder richtig Spaß!

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4633.jpg
© Günter Kromer
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4638.jpg
© Günter Kromer

Am August-Schuster-Haus, auch Pürschlinghaus genannt, trinken wir etwas, dann beginnt ein noch leichterer Abstieg über einen breiten Fahrweg.

© Günter Kromer - August-Schuster-Haus#images-tours/thumbs/mg-4648_1544295247.jpg
© Günter Kromer— August-Schuster-Haus
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4654.jpg
© Günter Kromer

In einem schattigen Tal flattern sehr viele Schmetterlinge. Als wir uns kurz auf eine Bank setzen, um etwas zu essen und zu trinken, landen viele Schmetterlinge auf unseren Rucksäcken, Händen und Armen. Sie freuen sich über unser ausgeschwitztes Salz. Uns gefällt es, die kleinen Kostbarkeiten aus unmittelbarer Nähe beim Salzlecken beobachten zu können.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4669.jpg
© Günter Kromer

Kurz vor Unterammergau führt der Weg durch die Schleifmühlklamm mit mehreren schönen Wasserfällen. Hier unten ist das Klima einigermaßen erträglich, aber bald darauf trifft uns in Unterammergau die brutale Hitze wie ein Schlag.

© Günter Kromer - Schleifmühlklamm#images-tours/thumbs/mg-4681_1544295277.jpg
© Günter Kromer— Schleifmühlklamm

Das Wandern gefällt uns zwar immer noch, doch mehr als 30 Grad sind zu auch für uns zu viel.
Annette will nun mit dem Zug von Unterammergau nach Murnau fahren, um dort das Museum der Maler zu besichtigen Obwohl wir schon um 13:50 am Bahnhof Unterammergau ankommen, erreicht sie das Museum aber wegen Ausfällen bei Bahn und Bus zu spät. 
Ich steige bei brütender Hitze in Richtung Hörnle auf. Erschwerend kommt auf den ersten Kilometern hinzu, dass die Strecke meist auf Asphalt und komplett ohne Schatten bergauf führt. Normalerweise würde dieser Aufstieg vorbei an alten Bäumen und vielen Heuhütten wohl dennoch Spaß machen, aber nicht bei dieser Sauna.

© Günter Kromer - Oberhalb von Unterammergau#images-tours/thumbs/mg-4699_1544295306.jpg
© Günter Kromer— Oberhalb von Unterammergau

Endlich erreiche ich den Waldrand. Doch nun marschiere ich zwar im Schatten, schwitze aber nicht weniger, denn jetzt muss ich sehr steil auf einem außerordentlich stark verwurzelten Weg hinauf steigen. Ein verdrehter Wegweiser führt mich in die falsche Richtung, aber immerhin führt mich dieser zehnminütige Umweg zu einem Brunnen, an dem ich meine leeren Flaschen auffüllen kann.So viel wie heute habe ich wohl seit dem Marathon in der Sahara nicht mehr an einem Tag getrunken. 

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4712.jpg
© Günter Kromer

Dann folge ich wieder dem Wurzelpfad, bis die Einsamkeit des Waldes innerhalb von wenigen Schritten durch eine lebhafte Menschenmenge ersetzt wird. Bei der Hörnlehütte, wenige Meter oberhalb einer Bergbahnstation, sind heute sehr viele Leute. Eine Weile setze ich mich neben das Gipfelkreuz und schaue hinab ins Flachland mit seinen vielen Seen.

© Günter Kromer - Staffelsee#images-tours/thumbs/mg-4714_1544295334.jpg
© Günter Kromer— Staffelsee

Bald nach dem Gipfel bin ich wieder ganz alleine unterwegs. Ein einfacher Pfad führt in vielen Serpentinen durch monotonen Wald hinab nach Grafenaschau. Unten macht es dann wegen der brutalen Hitze keinen Spaß, zwei Stunden lang auf einer nahezu völlig flachen und schattenlosen Asphaltstraße zu marschieren! Den vielen Radlern, die hier auf einem Abschnitt des Königssee-Bodensee-Radwegs unterwegs sind, gefällt das sicherlich, aber für Bergwanderer ist das übel
Zum Abendessen sitzen Annette und ich ein Stück oberhalb von Eschenlohe auf der Terrasse eines Hotels mit schöner Aussicht und sehen in der Ferne viele Blitze über den Himmel zucken.

© Günter Kromer - Abstieg vom Hörnle#images-tours/thumbs/mg-4725_1544295358.jpg
© Günter Kromer— Abstieg vom Hörnle

26.7.18 Eschenlohe - Tutzinger Hütte 35 km

Inzwischen haben wir längst kapiert, dass die im Wanderführer für die einzelnen Abschnitte angegebenen Gehzeiten eher für schnelle Nordic Walker statt für normale Wanderer kalkuliert sind. Bei der Buchung unserer Unterkünfte ging ich aufgrund unserer Kondition davon aus, dass wir schneller als im Buch angegeben voran kommen. Doch jetzt weiss ich, dass wir es heute zu zweit auf keinen Fall schaffen werden, unser geplantes Etappenziel Tutzinger Hütte zu erreichen. Laut Buch dauert unsere geplante Tour knapp 13 Stunden, laut wanderkompass.de dagegen über 18 Stunden. Wahrlich ein gewaltiger Unterschied, wenn man sein Ziel noch bei Tageslicht erreichen will! Daher fährt Annette auch heute wieder ein Stück mit dem Bus außen herum. Ich starte bereits um 5:50 Uhr, verzichte auf Frühstück und marschiere in hohem Tempo bergauf.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4729.jpg
© Günter Kromer

Die Route ist anfangs langweilig. Erst als ich einen Berggrat mit Aussicht auf Alpengipfel und auf das Flachland erreiche, gefällt es mir hier sehr gut.
In Eschenlohe zeigte ein Wegweiser, dass der Aufstieg zur Heimgartenhütte 5,5 Stunden dauert, laut Buch sind es 4,5 Stunden, durch meinen Sprint in Wettkampftempo komme ich in etwas mehr als drei Stunden an der schön gelegenen Hütte an. Hier trinke und esse ich zuerst mal etwas.

© Günter Kromer - Vor der Heimgartenhütte#images-tours/thumbs/mg-4756_1533572389.jpg
© Günter Kromer— Vor der Heimgartenhütte

Der Blick hinab zu vielen Seen und hinüber zu vielen Alpengipfeln begeistert jeden Wanderer.

© Günter Kromer - Blick auf viele Seen#images-tours/thumbs/mg-4777_1533572468.jpg
© Günter Kromer— Blick auf viele Seen

Dann geht es hinab zu einem der schönsten Streckenabschnitte des Maximiliansweg. Der Grat zwischen Heimgarten und Herzogenstand zählt zu den faszinierendsten Wanderzielen im deutschen Alpenraum. Und obwohl man auch hier Trittsicherheit und Schwindelfreiheit braucht, ein paar Mal auch die Hände für leichte Kletterei einsetzt, halte ich diesen im Gegensatz zu dem was wir vorgestern erlebt haben für einfach und ungefährlich.

© Günter Kromer - Kochelsee und rechts der Grat#images-tours/thumbs/mg-4770_1544295450.jpg
© Günter Kromer— Kochelsee und rechts der Grat
© Günter Kromer - Blick vom Grat zum Kochelsee#images-tours/thumbs/mg-4799-2.jpg
© Günter Kromer— Blick vom Grat zum Kochelsee

Der Weg ist meist breit genug, sehr gut ausgebaut, hervorragend gesichert, und führt mit viel Auf und Ab an einem schmalen Grat entlang. Oft geht es auf beiden Seiten steil abwärts, aber bei trockenem Wetter besteht keine Rutschgefahr. Das beste an dieser Strecke ist aber nicht ihre exponierte Lage, sondern der unglaublich schöne Blick nach rechts hinab zum Walchensee und nach links hinab zum Kochelsee.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4798.jpg
© Günter Kromer

Den Herzogenstand erreichen auch untrainierte Wanderer leicht mit einer Gondelbahn und danach auf einem einfachen, nicht allzu weiten Wanderweg. Traumpanorama auch für Spaziergänger – was will man mehr!

© Günter Kromer - Walchensee#images-tours/thumbs/mg-4805_1544295509.jpg
© Günter Kromer— Walchensee

Im Herzogenstandhaus trinke ich noch einmal etwas. 1,5 Stunden komme ich 720 Höhenmeter weiter unten am Parkplatz Kesselberg an, wo Annette auf mich wartet. Nun marschieren wir gemeinsam auf schönem Weg zur Jocheralm und auf reizvoller und abwechslungsreicher Strecke weiter. Unterwegs fotografiere ich immer wieder Pflanzen und Bäume. Bei der Staffelalm ist eine längere Rast fällig. Es wäre auch zu schade, an diesem hübschen Fleck ohne Pause vorbei zu marschieren!

© Günter Kromer - Staffelalm#images-tours/thumbs/mg-4822_1533572819.jpg
© Günter Kromer— Staffelalm

Während wir etwas vespern, laufen zwei Hühner zwischen unseren Beinen herum und warten auf Brotkrümel. Einmal, als Annette ihre Hand etwas tief hält, pickt eines der Hühner sogar in das Brot, das sie hält. Nach den Hühnern kommt der Hahn selbst, stolziert würdevoll vor uns eine Parade ab, kräht und freut sich wie ein Star darüber, dass wir Paparazis ihn pausenlos fotografieren.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4838.jpg
© Günter Kromer

Schon die letzten Stunden haben uns sehr gut gefallen, doch nun wird der Wald noch märchenhafter. Auch ein langer, anstrengender Aufstieg kann unsere Begeisterung für die Vegetation nicht bremsen.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4866.jpg
© Günter Kromer

Doch allmählich wundere ich mich mit jedem weiteren Höhenmeter stärker darüber, dass es noch immer bergauf geht. Eigentlich müssten wir nun schon viel weiter oben als die Hütte sein.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4885_1533572939.jpg
© Günter Kromer

Die Erklärung finden wir, als rechts der Aufstieg zum Gipfel der Benediktenwand abzweigt, unser Weg zur Tutzinger Hütte nun aber wieder lange Zeit steil bergab führt. Endlich sehen wir die beeindruckende Felswand rechts vor uns, die Hütte links unter uns.
Abendessen und Frühstück vor solch einer Kulisse – was will man mehr?

© Günter Kromer - Abend vor der Tutzinger Hütte#images-tours/thumbs/mg-4925_1533572983.jpg
© Günter Kromer— Abend vor der Tutzinger Hütte

27.7.18 Tutzinger Hütte - Tegernsee 28 km

© Günter Kromer - Morgen vor der Tutzinger Hütte#images-tours/thumbs/mg-4949.jpg
© Günter Kromer— Morgen vor der Tutzinger Hütte

Gut gelaunt marschieren wir am frühen Morgen wieder bergauf, wieder bergab, wieder bergauf, wieder bergab....

© Günter Kromer - Aufstieg von der Tutzinger Hütte#images-tours/thumbs/mg-4961.jpg
© Günter Kromer— Aufstieg von der Tutzinger Hütte
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4965.jpg
© Günter Kromer
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4981_1533573334.jpg
© Günter Kromer
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4985_1533573369.jpg
© Günter Kromer
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-4990_1544295618.jpg
© Günter Kromer

Je näher wir dem Brauneck kommen, desto mehr Touristen tummeln sich auf den einfachen Wegen nahe der Bergbahnstation. Starker Dunst schränkt die Fernsicht ein, doch auch die gestaffelten Grau-Schemen der Bergketten gefallen mir immer sehr gut.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-5025_1544295638.jpg
© Günter Kromer

Bereits während der letzten Tage plagte uns die Hitze, doch unten in Lengries ist es nun sogar noch schlimmer. Annette kürzt mit Bus bis zum Tegernsee ab.

Die normale Wanderroute durch den Wald hinauf zum Fockenstein ist momentan gesperrt. Die Umleitung führt mich durch das Hirschbachtal, das mir nun zwei Stunden lang einen bei dieser Hitze viel zu sonnigen Aufstieg auf einem Schotterweg neben einem langweiligen Bach und damit die für mich größte Durchhalteprüfung dieser Tour beschert.
Ab dem Hirschtalsattel gefällt mir die Strecke dann besser. Als ich nun von einer anderen Seite als geplant den Gipfel erreiche, bin ich froh, dass ich nicht einfach vom Sattel aus geradeaus zum Tegernsee abgekürzt habe. Obwohl der Dunst den Fernblick sogar noch stärker einschränkt als heute morgen, bleibe ich 20 Minuten lang hier oben und genieße das Panorama. Unter mir sehr ich einen Teil des Tegernsee, vor mir auch den Wendelstein.

© Günter Kromer - Blick vom Fockenstein zum Tegernsee#images-tours/thumbs/mg-5118_1544295665.jpg
© Günter Kromer— Blick vom Fockenstein zum Tegernsee

Den Aufstieg zum Fockenstein bin ich überwiegend in meinem für lange Ultratrail-Wettkämpfe gewohnten Tempo aufgestiegen, beim Abstieg nach Bad Wiessee laufe ich mehr als zwei Drittel der Strecke anstatt zu wandern. Noch steckt sehr viel von meinem Läufer-Leben in mir. Während der nächsten Monate werde ich mich dann allmählich wieder in einen fast normalen Wanderer verwandeln.

Trotz meinem sehr hohen Tempo erreiche ich unser Hotel am Tegernsee erst gegen 18.30 Uhr. Wären wir diese Strecke komplett gemeinsam gewandert, hätten wir es nicht bei Tageslicht geschafft.

© Günter Kromer - Tegernsee bei Bad Wiessee#images-tours/thumbs/mg-5152_1544295685.jpg
© Günter Kromer— Tegernsee bei Bad Wiessee

Da ich auf meinen Reisen durch Deutschland nicht nur beim Essen die Spezialitäten dieser Gegend genießen will, trinke ich wenn möglich auch abends Bier aus regionalen Brauereien. Am Maximiliansweg hebt sich für meinen Geschmack ein Bier deutlich aus der Masse der anderen hervor. Wenn ich ein Restaurant oder eine Kneipe hätte, dann könnte dort u.a. Tegernseer Hell auf der Karte stehen.

© Günter Kromer - Abend am Tegernsee#images-tours/thumbs/mg-5184_1544295708.jpg
© Günter Kromer— Abend am Tegernsee

28.7.18 - Tegernsee - Schliersee + Wendelstein 12 km

Eigentlich wollte ich heute von Tegernsee bis über den Wendelstein kwandern, doch nun müssen wir einen Streckenabschnitt aus unserer Planung streichen. Bei idealem Wanderwetter und mit längeren Laufabschnitten könnten wir die geplante Distanz schaffen, aber nicht bei dieser mörderischen Hitze.

© Günter Kromer - Tegernsee - Blick hinüber nach Bad Wiessee#images-tours/thumbs/mg-5191_1544295741.jpg
© Günter Kromer— Tegernsee - Blick hinüber nach Bad Wiessee

Am Morgen wandern wir auf einfacher und angenehmer Strecke von Tegernsee über Wirtshaus Neureuth und Gindelalm zum Schliersee. Dort fühlt man sich heute selbst am Ufer wie in der Sauna.

© Günter Kromer - Aussicht bei Wirtshaus Neureuth#images-tours/thumbs/mg-5197.jpg
© Günter Kromer— Aussicht bei Wirtshaus Neureuth
© Günter Kromer - Nahe Gindelalm#images-tours/thumbs/mg-5234_1544295768.jpg
© Günter Kromer— Nahe Gindelalm
© Günter Kromer - Schliersee#images-tours/thumbs/mg-5238_1544295799.jpg
© Günter Kromer— Schliersee

Schon am frühen Mittag quellen rings um uns herum dunkle Gewitterwolken auf. Wir entscheiden, der Vernunft zu folgen und die heutige Etappe sogar noch stärker zu kürzen als beim Frühstück geplant. Wegen der hohen Gewittergefahr wäre es leichtsinnig, zu Fuß zum Wendelstein aufzusteigen. Daher fahren wir nun mit dem Zug von in wenigen Minuten von Schliersee zur Talstation der Wendelstein-Gondelbahn. Inzwischen ist der Himmel noch dunkler. Sturmböen reissen Blätter von den trockenen Bäumen. In Richtung Schliersee regnet es bereits. Als wir mit der Gondel oben am Wendelstein ankommen, ist es dort sehr stürmisch und recht kalt. Welch ein Kontrast zur Hitze vor einer Stunde!

© Günter Kromer - Wendelstein#images-tours/thumbs/mg-5275_1544295821.jpg
© Günter Kromer— Wendelstein
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-5323.jpg
© Günter Kromer

Doch zu unserer großen Überraschung regnet es nicht. Nach einer Stunde bessert sich das Wetter allmählich. Nur die Fernsicht verschwimmt ebenso im Dunst wie während der letzten Tage.

© Günter Kromer - Wendelstein#images-tours/thumbs/mg-5328.jpg
© Günter Kromer— Wendelstein

Wir haben heute auf einige Wanderkilometer verzichtet, konnten uns dafür aber in der Halbzeit unserer Reise mal etwas von den bisherigen Anstrengungen erholen und fast drei Stunden lang oben auf dem Gipfel bleiben. Mit der letzten Zahnradbahn fahren wir dann hinab nach Brannenburg.

© Günter Kromer - Wendelstein Zahnradbahn#images-tours/thumbs/mg-5257.jpg
© Günter Kromer— Wendelstein Zahnradbahn

29.7.18 Brannenburg - Sonnenalm 33 km

Annette fährt mit Zug und Bus nach Hohenaschau und wandert heute nur den Aufstieg zur Sonnenalm. Mich führt der Maximiliansweg zuerst eine Stunde entlang einer Hauptstraße auf die andere Seite des Inntal. Zum Glück ist am frühen Sonntagmorgen noch kaum Verkehr. Werktags ist es hier sicherlich ein abgasreicher Etappenbeginn.

© Günter Kromer - Inn#images-tours/thumbs/mg-5329_1533574092.jpg
© Günter Kromer— Inn

In Nussdorf gefallen mir die bunt geschmückten Häuser. Dann spaziere ich auf einem von sehr vielen Radfahrern genutzten Sträßchen auf einer idyllischen Route nach Mühlthal.

© Günter Kromer - Radweg nach Mühlthal#images-tours/thumbs/mg-5335.jpg
© Günter Kromer— Radweg nach Mühlthal
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-5340_1533574198.jpg
© Günter Kromer

Dann marschiere ich hinauf zu einem sehr großen und gut belegten Wanderparkplatz.
Der Maximiliansweg ist kein lückenlos markierter Fernwanderweg. Man sieht zwar an jedem Tag einige Schilder mit dieser Bezeichnung, häufiger die Aufschrift E4 (Europäischer Fernwanderweg 4), aber oft stehen an den Wegweisern nur die Namen von Almen und von Gipfeln, über die unsere Route nicht führt. Daher braucht man unbedingt ein Wanderbuch oder die ausführliche Streckenbeschreibung aus dem Internet, alternativ den GPS-Track. Einmal steige ich nun versehentlich über eine andere Route auf als geplant. Diese ist aber ausgesprochen reizvoll und bringt mich auch an einer kleinen, unbewirtschafteten Alm vorbei, zu der wohl nicht allzu häufig Wanderer kommen. Hier rede ich eine Weile mit dem Bauer, einer urigen Gestalt, die in jedem Heimatfilm eine Rolle bekommen könnte.

Dann erreiche ich den Hochriesgipfel von der Ost- statt von der Westseite. Egal, auch auf dieser Strecke hat mir der Aufstieg gefallen.

© Günter Kromer - Vor dem Hochrieshaus#images-tours/thumbs/mg-5391.jpg
© Günter Kromer— Vor dem Hochrieshaus

Das Hochrieshaus, eine Alpenvereinshütte, bietet auch kulinarische Köstlichkeiten, die man allgemein nicht mit Alpenhütten verbindet. Nach einem außergewöhnlich guten Mittagessen wandere ich weiter.

© Günter Kromer - Blick vom Hochries in Richtung Wilder Kaiser#images-tours/thumbs/mg-5394.jpg
© Günter Kromer— Blick vom Hochries in Richtung Wilder Kaiser

Wieder lege ich einige Teile des Abstiegs als Läufer zurück. Unten in Hohenaschau weiss ich, dass ich mich dennoch beeilen muss, wenn ich rechtzeitig zum für 19 Uhr angekündigten Abendessen auf der Sonnenalm sein will.
Der Wegweiser zeigt 3,5 Stunden für den Aufstieg an, ich brauche 70 Minuten weniger. Manchmal reizen mich solche sportlichen Herausforderungen. Heute macht mir das wirklich Spaß.
Dennoch bin ich froh, dass ich in diesem Jahr wieder vor allem wandere. Obwohl ich inzwischen auch das Trailrunning liebe, genieße ich es nun auch wieder, beim Wandern in aller Ruhe Blumen, Bäume und all die kleinen Kostbarkeiten der Natur in aller Ruhe betrachten zu können, ohne immer gleich weiter eilen zu müssen.

© Günter Kromer - Kampenwand#images-tours/thumbs/mg-5429_1533574590.jpg
© Günter Kromer— Kampenwand

Am Fuß der Kampenwand vorbei erreiche ich gerade noch rechtzeitig zum Abendessen die Sonnenalm. Diese ist längst nicht mehr das, was man sich allgemein unter einer Almhütte vorstellt. Man kann sie eher als kleines, modernes und komfortables Berghotel bezeichnen. Außerordentlich stilvoll, sehr gutes Essen, tolle Lage, aber entsprechend auch unsere teuerste Nacht am Maximiliansweg. Doch es lohnt sich.

© Günter Kromer - Abend an der Sonnenalm#images-tours/thumbs/mg-5460.jpg
© Günter Kromer— Abend an der Sonnenalm

Die Hütte liegt nahe der Bergstation der Kampenwandbahn direkt oben am Grat. Von der Terrasse blickt man auf einer Seite in Richtung Zentralalpen, auf der anderen Seite ins Flachland. Ein idealer Platz für den Sonnenuntergang!

© Günter Kromer - Sonnenuntergang bei der Sonnenalm#images-tours/thumbs/mg-5524_1544295892.jpg
© Günter Kromer— Sonnenuntergang bei der Sonnenalm

30.7.18 Sonnenalm - Hochgernhaus 20 km

Nach einem leckeren Frühstück marschieren wir zur Kampenwand, verzichten dort aber auf den etwas anspruchsvollen Abstecher hinauf zum Gipfel.

© Günter Kromer - Frühstück bei der Sonnenalm#images-tours/thumbs/mg-5563.jpg
© Günter Kromer— Frühstück bei der Sonnenalm
© Günter Kromer - Chiemsee#images-tours/thumbs/mg-5600.jpg
© Günter Kromer— Chiemsee

Auch der normale Wanderweg bietet auf der Südseite mit ein paar kleinen Kletterstellen wieder etwas mehr Spannung als Annette mangels Erfahrung mag. Doch sie kommt auch das seilgesicherte Stück wieder gut hinab.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-5609_1533575373.jpg
© Günter Kromer
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-5615.jpg
© Günter Kromer

Dann steigen wir zu einigen Almen ab, anschließend etwas langweiliger durch Wald hinab nach Marquartstein.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-5620_1533575492.jpg
© Günter Kromer
© Günter Kromer - Piesenhauser Hochalm#images-tours/thumbs/mg-5631_1533575643.jpg
© Günter Kromer— Piesenhauser Hochalm

Als wir bisher glaubten, dass die Hitze nicht mehr größer werden könnte, irrten wir uns. Vor dem Edeka in Ortsmitte setzen wir uns eine halbe Stunde in den Schatten, essen etwas und trinken, trinken, trinken. Für den Aufstieg zum Hochgernhaus packen wir aufgrund des Saunawetter mehr Flaschen als gewohnt in die Rucksäcke. Unterwegs setzen wir uns mehrmals kurz in den Schatten und trinken erneut sehr viel. Nur so kommen wir heute voran.
Das Hochgernhaus ist fast genau das Gegenteil der Sonnenalm. Ich meine dies keinesfalls als Wertung. Ich liebe Vielfalt, und mir gefallen beide Übernachtungsplätze außerordentlich gut. Nun übernachten wir in einer kleinen, urigen und sehr familiären Hütte mit herrlicher Aussicht, sehr gutem Frühstück, und das alles etwa zum halben Preis von gestern.
Eigentlich müsste ich hier mit bester Laune das Leben genießen, doch ich bin stinksauer, da meine erst vor zwei Monaten gekaufte Canon EOS M50 schon streikt. Da ich das D-Wanderer Projekt vor allem durch Vorträge und Buchveröffentlichung finanzieren will, muss ich mich auf die Kamera verlassen können. Zum Glück hat Annette ihre Panasonic Lumix FT5, dabei, mit der auch ich seit Jahren für meine Laufreportagen fotografierte. Daher kann ich nun wenigstens mit Annettes Kamera fotografieren.
Von der Terrasse aus kann man gut Murmeltiere am Hang oberhalb der Hütte beobachten.

© Günter Kromer#images-tours/thumbs/p1410234.jpg
© Günter Kromer

Die schöne Aussicht am Abend und am Morgen trägt weiter dazu bei, meinen Ärger über die viel zu früh streikende Kamera zu besänftigen.

© Günter Kromer - Blick vom Hochgernhaus zu den Loferer Steinbergen#images-tours/thumbs/p1410314_1544296306.jpg
© Günter Kromer— Blick vom Hochgernhaus zu den Loferer Steinbergen
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/p1410335_1533584349.jpg
© Günter Kromer

31.7.18 - Hochgernhaus - Inzell 28 km

Kann ein Tag besser starten als mit einem vielseitigen und leckeren Frühstück in schöner Umgebung?

© Günter Kromer - Frühstück beim Hochgernhaus#images-tours/thumbs/p1410359-1.jpg
© Günter Kromer— Frühstück beim Hochgernhaus
© Günter Kromer - Kurz vor Hochgerngipfel#images-tours/thumbs/p1410370.jpg
© Günter Kromer— Kurz vor Hochgerngipfel

Um acht Uhr wandern wir hinauf zum Gipfel des Hochgern. Heute ist die Fernsicht deutlich klarer als an den letzten Tagen. Sogar Großglockner und Großvenediger kann man klar erkennen.

© Günter Kromer - Aussicht vom Hochgern#images-tours/thumbs/p1410379.jpg
© Günter Kromer— Aussicht vom Hochgern
© Günter Kromer - Blick auf Chiemsee#images-tours/thumbs/p1410384.jpg
© Günter Kromer— Blick auf Chiemsee

Nun führt uns der Abstieg zuerst etwas steil, aber unproblematisch durch ein herrliches Blumenmeer, später durch Wald, hinab zu mehreren Almen.

© Günter Kromer - Abstieg vom Hochgern#images-tours/thumbs/p1410397.jpg
© Günter Kromer— Abstieg vom Hochgern

Bald sehen wir unser nächstes Ziel, den Hochfelln, steil vor uns aufragen.

© Günter Kromer - Hochfelln#images-tours/thumbs/p1410409.jpg
© Günter Kromer— Hochfelln

Der Aufstieg zum Hochfelln führt im oberen Bereich über einen steilen, wurzeligen Trail mit einigen leichten Kletterstellen.

© Günter Kromer - Aussicht vom Hochfelln#images-tours/thumbs/mg-5654_1533575770.jpg
© Günter Kromer— Aussicht vom Hochfelln

Nachdem meine Kamera seit gestern Abend streikte, funktioniert sie plötzlich wieder einwandfrei. 

Heute fliehen bei dem sonnigen Wetter besonders viele Wanderer vor der Hitze im Tal und kommen mit der Bergbahn hier herauf. Für manche Vögel ist dies ein Festtag. Bis auf wenige Zentimeter kommen sie auf dem Tisch an uns heran und warten darauf, dass auch für sie etwas von unserem Mittagessen abfällt. Sobald ein Teller unbeobachtet steht, wird das Menü für sie eröffnet.

© Günter Kromer - Aussicht vom Hochfelln#images-tours/thumbs/mg-5656_1533575799.jpg
© Günter Kromer— Aussicht vom Hochfelln
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-5666_1533575935.jpg
© Günter Kromer

So lange wie möglich bleiben wir hier oben, doch schließlich müssen auch wir hinab ins überhitzte Tal. Annette fährt mit dem Bus von Ruhpolding nach Inzell. Ich wandere natürlich auch dieses Strecke, zuerst auf einem sonnigen Radweg. In einem schattigen Tal kann ich mich von der Hitze erholen. Dann geht es hinauf auf sonnige, jetzt am Abend aber nicht mehr zu warme Weideflächen. Am Froschsee setze ich mich eine Weile in den Schatten. Nach einigen Kilometern durch angenehme Kulturlandschaft erreiche auch ich Inzell.

© Günter Kromer - Froschsee#images-tours/thumbs/p1410479_1533584876.jpg
© Günter Kromer— Froschsee

1.8.18 Inzell - Bischofswiesen 31 km

Ich lege im Urlaub keinerlei Wert auf Komfort. Egal ob spartanische Hütte, billiges Hostel, mir ist alles recht. Wenn aber der Frühstücksraum in einem Hotel mittlerer Preisklasse in einem fensterlosen Keller mit gesundheitsgefährdendem Sauerstoffmangel ist, dann werde auch ich sauer. Endlich an der frischen Luft geht es zuerst noch eine Weile über Weideland, vorbei am schönen Weiler Einsiedl, dann durch Wald bergauf.

© Günter Kromer - Einsiedl#images-tours/thumbs/mg-5675.jpg
© Günter Kromer— Einsiedl

Wie schon oft während der letzten Tage sehen wir auf den Wegen vor uns immer mal wieder große und kleine Frösche. Es wundert uns, wieso sie so weit den Berg hinauf wandern, wo es nirgends einen Teich gibt. Ich finde es merkwürdig, dass ich auf dem alpinen Maximiliansweg sehr ich viel mehr Frösche sehe als am 66-Seen-Weg.

© Günter Kromer - Aufstieg zur Kohleralm#images-tours/thumbs/mg-5702_1533576270.jpg
© Günter Kromer— Aufstieg zur Kohleralm
© Günter Kromer#images-tours/thumbs/mg-5692.jpg
© Günter Kromer

Leider ist es heute besonders dunstig. Von der Kohleralm könnte man erstmals einen schönen Blick zum Watzmann genießen, doch dieser verschwindet heute fast im Grau.

© Günter Kromer - Kohleralm#images-tours/thumbs/mg-5723.jpg
© Günter Kromer— Kohleralm

Laut Höhenprofil im Buch geht es nun nur kurz bergab, dann wieder etwas bergauf zur Zwieselalm. Wir ahnen nicht, was uns erwartet. Anfangs ist die Strecke einfach, doch dann führt der sehr verwurzelte Weg sehr lange Zeit immer wenige Meter bergauf, dann wieder ein paar Meter bergab. Dazwischen bremsen uns Felsen mit leichten Kletterpassagen. Trittsicherheit und manchmal auch Schwindelfreiheit sind oberstes Gebot. Ungeübte Wanderer sollten hier mehr Zeit als angegeben einplanen.
An der Zwieselalm rasten wir. Bei einer Almhütte Buttermilch trinken ist für mich schon fast ein Ritual auf alpinen Wanderungen.

© Günter Kromer - Blick von Zwieselalm nach Bad Reichenhall#images-tours/thumbs/mg-5752.jpg
© Günter Kromer— Blick von Zwieselalm nach Bad Reichenhall
© Günter Kromer - Russischer Bär#images-tours/thumbs/mg-5776.jpg
© Günter Kromer— Russischer Bär

Dann wandern wir auf leichter Strecke hinab nach Bad Reichenhall. Diese Stadt hat das schönste Gradierwerk Deutschlands. Auch die Saline mit ihren gigantischen Wasserrädern sollte man unbedingt besichtigen.

© Günter Kromer - Bad Reichenhall - Gradierwerk#images-tours/thumbs/mg-5835.jpg
© Günter Kromer— Bad Reichenhall - Gradierwerk
© Günter Kromer - Bad Reichenhall - Saline#images-tours/thumbs/mg-5794_1533576734.jpg
© Günter Kromer— Bad Reichenhall - Saline

Während Annette in der Saline abkühlt, marschiere ich noch ein paar Kilometer in Richtung Berchtesgaden.
Die nächsten Stunden bieten aber außer ein paar Infotafeln zum Thema Salzhandel und -transport und einem netten Picknickplatz wenig Interessantes. Ab Hallthurm sehe ich ab und zu den Watzmann vor mir.

© Günter Kromer - Picknickplatz zwischen Bayerisch Gmain und Hallthurm#images-tours/thumbs/mg-5810.jpg
© Günter Kromer— Picknickplatz zwischen Bayerisch Gmain und Hallthurm

2.8.18 - Bischoffswiesen - Berchtesgaden 4 km

Unsere letzten 1,5 Stunden auf dem Maximiliansweg sind nicht spektakulär. Bequeme Wege, anfangs wieder Blick zum Watzmann, dann erreichen wir unser Ziel. Am Ortsrand von Berchtesgaden fotografiere und filme ich noch einmal, dann streikt meine Kamera erneut und lässt sich für den Rest des Urlaubs auch nicht mehr einschalten. Am Bahnhof steigen wir in den Bus und fahren zum Königssee, wo wir noch vier schöne Wandertage verbringen.

© Günter Kromer - Watzmann#images-tours/thumbs/mg-5848.jpg
© Günter Kromer— Watzmann
© Günter Kromer - Berchtesgaden#images-tours/thumbs/mg-5865.jpg
© Günter Kromer— Berchtesgaden