23.12.2017 - 1.1.2018 und 24.-26.11.2018

Schwarzwald Westweg im Winter

Prolog km -216 bis km 000 und D-Wanderer km 1749 bis 1823

23.12.17 Pforzheim - Dobel 26 km

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Bisher stelle ich bereits fast 9000 km auf interessanten Fernwanderwegen vor. Bis Juni 2020 werden die 10.000 km überschritten. Auch danach will ich gerne weitere schöne Wanderungen auf dieser Seite vorstellen. Doch ohne Unterstützung durch euch Leser lässt sich dieses Projekt dann nicht mehr finanzieren. Ich freue mich über jeden "Sponsorenbeitrag", egal in welcher Höhe.  Infos stehen hier:  https://d-wanderer.de/aktuelles.php

 

Der Schwarzwald Westweg ist der älteste Fernwanderweg Deutschlands. Bereits im Jahre 1900 wurde der Westweg von Pforzheim nach Basel angelegt. Ab Titisee teilt sich die Route in eine Ost- und eine West-Variante. In beiden Fällen ist der Weg knapp 290 km lang und hat etwa 7900 Höhenmeter. Der Westweg trägt das Gütesiegel "Qualitätsweg Wanderbares Deutschland" und ist Gründungsmitglied des Vereins "Top Trails of Germany".

Auf dem Westweg begann 1986 meine Fernwanderleidenschaft. Daher wählte ich diese Strecke im Dezember 2017, also mehr als ein halbes Jahr vor "offiziellem" Start des D-Wanderer, als ideale Route für die Rückkehr in mein Fernwanderleben.

Am Kupferhammer bei Pforzheim schreiten Annette und ich beim Eingangsportal des Westwegs über eine am Boden angebrachte Skizze, die den Verlauf der Strecke zeigt.

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© Günter Kromer— Das Startportal in Pforzheim

Auf der ersten  Etappe müssen wir leider noch auf das erhoffte winterliche Ambiente verzichten. Bei feucht-kaltem Wetter marschieren wir durch Wälder und Orte nahe Pforzheim, einige Zeit am Ufer der heute sehr wasserreichen Enz und schließlich hinauf zum Etappenziel Dobel, einer kleinen Stadt am nördlichen Rand des Schwarzwalds. Selbst dort oben liegen heute nur noch vereinzelt kleine Schneereste.  

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© Günter Kromer

25.12.17 Dobel - Forbach 26 km

An Heiligabend feiern wir zuhause bei der Familie, so dass wir erst am 25. zur zweiten Etappe starten. In Dobel umgibt uns morgens noch dichter Nebel, doch bald liegt das Grau unter uns und wolkenloser Himmel lässt uns glücklich voran marschieren. Aus dem flachen Nebelmeer in der Rheinebene ragen nur die höchsten Berge des Schwarzwalds.

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© Günter Kromer— Nebelmeer über der Rheinebene

Nach einer Stunde knirscht dann endlich auch Schnee unter unseren Schuhen. Zwar müssen wir an einigen Stellen aufpassen, um auf dem stellenweise leicht vereisten Harschschnee nicht zu rutschen, aber insgesamt kommen wir heute recht problemlos voran.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Höhepunkt des Tages ist das Hochmoor beim Hohlohsee, wo uns nach recht einsamen Wanderstunden sehr viele Spaziergänger begegnen.

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© Günter Kromer— Hohlohsee

Ein Bohlenweg führt durch dieses urwüchsige Naturschutzgebiet. Leider zeigen Spuren im Schnee an, dass einige rücksichtslose Spaziergänger den Weg verlassen haben und in das empfindliche Ökosystem am Ufer vorgedrungen sind. Auch beim Kaiser-Wilhelm-Turm, einem beliebten Aussichtspunkt in unmittelbarer Parkplatznähe, sind sehr viele Menschen unterwegs. Für uns geht es danach ohne große Probleme auf ruhigerer Strecke hinab ins Murgtal. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Forbach.

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© Günter Kromer

26.12.17  Forbach - Mummelsee 25 km

Die nächsten drei Tage wandere ich alleine weiter, da meine Freundin keine Zeit hat. Pünktlich bei Sonnenaufgang marschiere ich den recht anstrengenden Pfad hinauf, auf dem der Westweg von Forbach zu einem Bergsattel führt. Danach geht es bequem hinab zum großen Stausee der Schwarzenbach-Talsperre. Hier ist in den letzten Tagen der meiste Schnee geschmolzen. Noch scheint die Sonne.

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© Günter Kromer— Schwarzenbach Talsperre

Als ich nach einem steilen Aufstieg den idyllischen Herrenwieser See erreiche, weichen die letzten blauen Fleckchen am Himmel düsterem Grau.

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© Günter Kromer— Herrenwieser See

Im verharschten und an einigen Stellen rutschigen Altschnee zwischen dem Herrenwieser See und dem Aussichtsturm auf der Badener Höhe bin ich über meine Schuhe mit Gamaschen, meine Stöcke und meinen guten Trainingszustand sehr froh. Für normale Spaziergänger wäre dieser Aufstieg beim den heutigen Wegverhältnissen kein Vergnügen.
Die nächsten Kilometer führen über gut präparierte und entsprechend auch von vielen Wanderern genutzte Wege. Doch ab dem großen Parkplatz bei Hundseck an der Schwarzwald Hochstraße beginnt mein weitaus schwerster Streckenabschnitt in dieser Woche.
Schon der erste Kilometer des Aufstiegs schreckt heute viele Wanderer ab. Immer wieder breche ich mit einem Bein bis zum Knie im verharschten Schnee ein. Doch anfangs komme ich zwischendurch auch immer mal wieder 50 bis 100 Meter relativ problemlos voran. Erst ganz oben auf dem Hochkopf wird es heute wirklich krass. Ich liebe die wilde Atmosphäre dieser wunderschönen Grinde-Vegetation, mit den kleinen Birken, verkrüppelten Nadelbäumen und Sträuchern. Dieser Weg zählt zu meinen Lieblingsrouten im Nordschwarzwald. Schon oft war ich im Winter hier oben. Doch so brutal anstrengend wie heute habe ich den Hochkopf noch nie erlebt.

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© Günter Kromer— Hochkopf

Statt Fernsicht über die Rheinebene bis hinüber zu den Vogesen beschränkt sich heute mein Blickfeld im dichten Nebel auf die Natur rings um mich herum. Abgesehen von wenigen Wegmarkierungen sehe ich keine Spur von der Zivilisation. Drei, vier Schritte auf halbwegs festem Boden voran, dann wieder mit einem Bein mehr als bis zum Knie im Schnee fest stecken, wieder mühsam aus dem Loch heraus, ein paar Meter vorwärts und schon wieder erneut einbrechen. Hier oben beträgt mein Durchschnittstempo jetzt wohl 0,5 km/h. Der kalte Sturm verhindert, dass ich zwischendurch stehenbleiben und mich ausruhen kann.  Aber diese ganz besondere Herausforderung macht mir sehr viel Spaß. Auch wegen solchen nicht alltäglichen Erlebnissen bin ich zur Westweg-Winterbegehung aufgebrochen.

 

„Geht das überhaupt?" fragten uns viele Freunde, als Annette und ich von unserem Plan erzählten. Doch wir wandern im Winter oft im Nordschwarzwald und kennen die wechselnden Bedingungen dieser Jahreszeit. Daher wissen wir, dass der Westweg zu dieser Zeit nur für gut trainierte, erfahrene und trittsichere Wanderer in Frage kommt. Schuhe mit Gamaschen und sehr gutem Profil sowie entsprechende Winterbekleidung sind absolut Bedingung. Der Rucksack wiegt wegen viel mehr Wechselbekleidung und der Thermoskanne deutlich mehr als im Sommer. Aber dafür verspricht der winterliche Westweg Abenteuer, die uns im restlichen Jahr entgehen. Nicht nur die größere sportliche Herausforderung sondern vor allem die täglich wechselnden, oft sogar von Kilometer zu Kilometer unterschiedlichen Streckenverhältnisse, bieten ein völlig anderes Wandererlebnis als die schneefreien Monate.

 

Der nächste Streckenabschnitt von Unterstmatt hinauf zur Hornisgrinde wurde von vielen Schneeschuhwanderern gut präpariert, so dass ich hier wieder gut vorankomme.
Auf der Hornisgrinde, dem höchsten Berg im Nordschwarzwald, sind trotz Sturm heute viele Spaziergänger unterwegs. Der Gipfelrundweg kann vom Parkplatz beim Mummelsee recht einfach bewältigt werden. Während ich hier oben durch das Grau marschiere, öffnet sich die Wolkendecke über der Rheinebene, so dass im Tal die Sonne scheint. Der gewaltige Lichtkontrast zwischen oben und unten begeistert mich.

 

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Als ich mein Etappenziel Mummelsee erreiche, scheint auch hier die Sonne. Dieser vor einer steilen Bergflanke gelegene Karsee zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen im Nordschwarzwald. Entsprechend viel Trubel herrscht hier bei jedem Wetter. Das Schmalzbrot im Restaurant ist für mich bei Wanderungen hier oben schon fast Kult.

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© Günter Kromer— Mummelsee

27.12.17 Mummelsee - Zuflucht 20 km

Am nächsten Morgen komme ich anfangs schnell gut voran. Die ersten Kilometer auf dem gut präparierten Wanderweg sind abgesehen von wenigen vereisten Stellen einfach. Der Weg über die Grindeflächen zwischen dem Ausflugsrestaurant Darmstädter Hütte und dem Touristenmagnet Ruhestein ist heute etwas schwerer, doch auch kein großes Problem. Kurz verlässt der Winterwanderweg die Route des Westweg, der hier im Nationalpark Schwarzwald durch ein im Winter gesperrtes Gebiet führt. Erst beim Wildseeblick treffen die Routen wieder zusammen.

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© Günter Kromer— Wildsee
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© Günter Kromer

Seeblick? Als ich vor 30 Jahren erstmals den Westweg wanderte, sah man von hier oben wirklich noch viel von dem See, heute verbergen hoch gewachsene Bäume den Blick auf den größten Teil des Sees.
Am Skihang oberhalb von Ruhestein ist vom Weg, der in Serpentinen die Piste kreuzt, kaum etwas zu erkennen. Aber hier macht es mir ohnehin immer viel mehr Spaß, geradeaus bergab zu laufen.

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© Günter Kromer

Danach geht es auf der anderen Seite des Parkplatzes zuerst entlang der Rodelpiste hinauf, dann folgen wieder sehr einsame Kilometer durch ein Gelände mit wenigen, von Wind und Wetter bizarr geformten Bäumen und Büschen. Der Nebel verbirgt den Blick zur nahe gelegenen Straße. Zeitweise schneit es nun auch recht stark. Ach wie schön ist es, hier durch die Winterlandschaft stapfen zu können!

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Kurz überlege ich, ob ich im Hotel Schliffkopf eine Pause mit Kaffee und Schwarzwälder Kirschtorte einlegen soll, marschiere aber dann doch weiter. Da man am klassischen Etappenziel Alexanderschanze momentan nicht mehr übernachten kann, habe ich ein Zimmer im Hotel Zuflucht gebucht. Bis 2006 war in diesem Gebäude eine Jugendherberge, seit 2012 ist hier ein Hotel mit guter Speisekarte. Über die schöne Sauna bin ich heute nach diesem kalten Tag sehr froh.

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© Günter Kromer

28.12.17 Zuflucht - Hausach 35 km

Als ich am nächsten Morgen aufwache, höre ich einen Schneepflug. Über Nacht sind 15 - 20 cm Neuschnee gefallen. Jetzt sehen auch die bisher schneefreien Bäume endlich so richtig winterlich aus, wie ich es mir erhofft habe.

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© Günter Kromer

Dass mich der tiefe Schnee nun zu einer Streckenänderung zwingt, stört mich nicht. Ein gewisses Maß an Flexibilität ist bei Winterwanderungen Bedingung. In dieser Jahreszeit sollte man besser nicht auf 100 % Streckentreue eingeschworen sein.
Wenn ich heute Schritt für Schritt mühsam durch den Tiefschnee stapfen würde, könnte ich mein Tagesziel unmöglich erreichen. Daher marschiere ich die ersten 3,5 km auf der Straße, die heute dick mit Schnee bedeckt auch nicht anders aussieht als ein Wanderweg. Autos kommen bei diesen Verhältnissen fast keine vorbei. Ich kann die Stille genießen. Ich kann die Stille genießen.

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© Günter Kromer

Offiziell wird der Westweg von Alexanderschanze nach Hausach in zwei Tagesetappen gegliedert. Vor allem im Winter ist diese Einteilung auch sinnvoll. Doch ich bin es nach vielen Jahren als Ultratrail-Läufer gewohnt, auch ab und zu sehr lange Distanzen zurückzulegen und einen Teil der Strecke bei Nacht zu bewältigen. Daher entschied ich mich bei der Planung, diese Abschnitte zu einer sehr langen Etappe zusammenzulegen, bei der ich die letzten Kilometer im Licht meiner Stirnlampe wandern muss.
Beim heutigen Tiefschnee wäre es aber Unsinn, auf einer so langen Strecke kilometerweit in Zeitlupentempo vorwärts zu stapfen. Ich folge daher der heute fast autofreien Straße hinab nach Bad Griesbach, wo am Ortsausgang sehr viele PKW und LKW stehen, deren Fahrer mich fragen, ob eine Weiterfahrt möglich ist. Ohne Schneeketten und Allradantrieb besser nicht!
Ab Bad Peterstal quere ich über eine Nebenroute wieder zum Westweg, auf dem ich nun wieder wieder einigermaßen gut voran komme und am Abend Hausach erreiche.

29.12.17 Hausach - Wilhelmshöhe 21 km

Am nächsten Morgen begeistert mich der Blick von der Burgruine über das Kinzigtal. Nach und nach färbt die Sonne die gegenüber liegenden Berghänge.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Blick auf Hausach

Den ganzen Tag über marschiere ich durch wunderbar lockeren Pulverschnee, meist unter herrlich blauem Himmel. Die Wintermärchenlandschaft um mich herum könnte nicht schöner sein. Nach vielen Stunden Genusswandern mit Aussicht erreiche ich den Gasthof Wilhelmshöhe, zu dem am Abend auch meine Freundin kommt.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Karlstein
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© Günter Kromer— Gasthof Wilhelmshöhe

30.12.17 Wilhelmshöhe - Kalte Herberge 22 km

Nächtlicher Schneefall legte erneut Neuschnee auf den Weg. Doch leider beendet nun Tauwetter die Winterfreuden. Bald regnet es und der Wind nimmt zu. Dies wird eine zwar ein sportlicher und erlebnisreicher, aber nicht ganz so genussvoller Wandertag. Dennoch sind wir auch heute wieder froh, Weihnachtsferien aktiv in der Natur verbringen zu können.

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© Günter Kromer— Neuschnee gleich auf den ersten Metern
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Anstrengender als im Sommer

Auch heute folgt der Westweg zwischendurch ab und zu Langlaufloipen, die für Fußgänger gesperrt sind. Wir wollen die Loipen natürlich nicht beschädigen und marschieren daher weit neben dem gespurten Bereich durch den Schnee. Dies ist auch nicht anstrengender als die Streckenabschnitte auf schmalen Pfaden.
Vom Aussichtspunkt Brend bleiben uns nur Nebel, Regen und Sturm in Erinnerung. Einmal reisst der Wind Annettes Regenüberzug vom Rucksack und ich renne ihm über eine Wiese hinterher. Da der Westweg auf den letzten Kilometern zum Gasthof Kalte Herberge oft nahe an der Bundesstraße entlang führt, nutzen wir hier die Route des Schwarzwald-Radweges, die sich als sehr empfehlenswerte Alternative erweist.

31.12.17 Kalte Herberge - Titisee 24 km

Abwechslungsreicher als die nächste Etappe kann eine Winterwanderung kaum sein. Von Tiefschnee über verharschte Wege bis zu schneefreien Abschnitten wird uns alles geboten, mal durch urigen Wald, dann wieder über Wiesen mit viel Aussicht. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch!

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© Günter Kromer— Aufbruch von der Kalten Herberge
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© Günter Kromer

Der verharschte Schnee knirscht bei jedem Schritt unter unseren Füßen. Doch wenn wir zwischendurch stehen bleiben, um den Wintermärchenwald um uns herum zu genießen, umgibt uns völlige Stille.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Am späten Nachmittag erreichen wir den Titisee. Hier gabelt sich der Westweg in eine West- und eine Ost-Variante. Wir übernachten in der Jugendherberge, die etwas abseits beider Routen liegt. Um Mitternacht schauen wir vor der Herberge zu, wie einige Familien mit Kindern den Jahreswechsel mit Feuerwerk feiern, auch die Raketen im wenige Kilometer entfernten Bärental erkennen wir von hier aus noch.

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© Günter Kromer— Titisee

1.1.18 Titisee - Feldberg 17 km

Wie kann man das neue Jahr schöner beginnen als mit einer herrlichen Wanderung? Nach einem Kilometer erreichen wir Strecke der Ost-Variante des Westwegs. Trotz Beginn auf zwischendurch vereisten Wegen erweist sich unsere heutige Wanderung als überraschend einfach. Nach zwei Stunden überschreiten wir die Schneefallgrenze und wandern dann wieder durch eine idyllische Winterlandschaft.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Gegen 12 Uhr endet für uns die Stille, denn nun umgibt uns der Touristentrubel am Feldberg. Auf den Skipisten ist viel los, aber auch auf dem sehr gut präparierten Winterwanderweg vom Feldberger Hof zur St. Wilhelmer Hütte spazieren viele Ausflügler.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Den recht anstrengenden Aufstieg von der Hütte hinauf zum 1493 m hohen Feldberggipfel bewältigen heute aber nur wenige Leute. Von Meter zu Meter nimmt der Sturm zu. Mit enormem Rückenwind erreiche ich den Grat, wo der heftige Sturm den Schnee in hohem Tempo über den Berg bläst.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Dann krönt Petrus unsere Winterwanderung zum Abschluss noch dadurch, dass wir nun hier oben die einzige sonnige Phase dieses Tages erleben dürfen. Sogar die ferne Kette der Alpen liegt jetzt in bestem Licht vor uns Welch ein genialer Start ins neue Jahr! Glücklich marschieren wir zurück zum Parkplatz und fahren mit Bus und Zug nach Hause.

 

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© Günter Kromer

Diese Tage auf dem Westweg bestätigen in mir die Gewissheit, dass Fernwandern nach wie vor ein fester Teil meines Lebens ist. Schon jetzt beschließe ich, im nächsten Winter auch vom Feldberg nach Basel zu wandern.
Während der nächsten Wochen entwickelt sich dann aus der Idee, jedes Jahr zwei oder drei Fernwanderwege zu wandern und auf einer Homepage vorzustellen, recht schnell viel mehr. Zuerst beschließe ich, ein komplettes Jahr lang nur zu wandern. 7777 km in einem Jahr - das klingt interessant. Doch im Frühling steht dann bereits fest, dass ich ab 1. Juli innerhalb von zwei Jahren 10.000 km wandern werde.

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© Günter Kromer

24.11.18 Feldberg - Wieden 15 km

Als ich am Feldberger Hof aus dem Bus steige, entspricht die Szenerie um mich herum fast exakt dem Gegenteil zu meinem letzten Aufenthalt an Neujahr. Jetzt steckt der Feldberg in Wolken und selbst die Skipiste ist völlig schneefrei. Außer mir sind nur drei Spaziergänger unterwegs, die sich aber nicht weit vom Parkplatz entfernen.

Auf den ersten Kilometern begeistert mich heute der extrem häufige Wechsel zwischen Nebel, schnell vorbei rasenden Wolkenfetzen und zwischendurch kleinen blauen Flecken am Himmel. Ich komme kaum voran, weil ich ständig stehen bleibe um diese faszinierende, abwechslungsreiche Stimmung zu fotografieren.

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© Günter Kromer

Als ich unterhalb der St. Wilhelmer Hütte die Stelle erreiche, an der Annette und ich damals unsere Westweg-Wanderung beendeten, weht der starke Wind die Wolken am Feldberg fort, so dass ich nun den Gipfel hinter mir sehe.

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© Günter Kromer

Nun führt der Westweg mal leicht bergauf, mal bergab. Die Wolken bleiben jetzt weit über mir, so dass der Blick auf die Umgebung nun frei ist.

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© Günter Kromer

Da im Schwarzwald noch kein Schnee liegt, wurde am Nordic Alpin Zentrum bei Notschrei eine Loipe künstlich mit Schnee angelegt. Ich finde das ebenso affig wie die Skipisten in den Alpen, die vor der Saison als hässliche weiße Streifen am grünen Hang hinab führen.
Nun wird die Route wieder immer schöner. Ein Tal mit einem Hochmoor, Wiesen mit weiter Aussicht, urige alte Bäume - auch ohne Sonnenschein ein Genuss!

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Als ich das Naturschutzgebiet Wiedener Weiden erreiche, scheint zwischendurch die Sonne.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Beim Wiedener Eck muss ich den Westweg für heute verlassen und zwei Kilometer weit hinab zu einem Gästehaus in Wieden wandern.

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© Günter Kromer— Blick vom Wiedener Eck nach Wieden

25.12.18 Wieden - Blauen 24 km

Am Morgen wandere ich bei sonnigem Wetter wieder hinauf zum Westweg.

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© Günter Kromer

Bald liegt die Rheinebene unter mir.  Aus der mit flachem Bodennebel gefüllten Ebene ragt wie eine Insel der Kaiserstuhl hervor, ein ehemaliger Vulkan. Die Vogesen auf der französischen Seite der Rheinebene erkennt man im Dunst jetzt noch kaum, später dann aber immer besser.

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© Günter Kromer— Blick zum Kaiserstuhl
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer— Blick über die Rheinebene

Als ich den 1414 m hohen Belchen erreiche, begeistert mich der heute überraschend klare Blick zu den Alpen. Da ich diese Aussicht eine Weile genießen will, setze ich mich eine Weile im Belchenhaus ans Fenster, esse einen Heidelbeerkuchen und trinke Kaffee.

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© Günter Kromer— Blick vom Belchenhaus zum Feldberg
© Günter Kromer - Alpenblick beim Belchenhaus#images-tours/thumbs/belchen-belchenhaus-alpenblick.jpg
© Günter Kromer— Alpenblick beim Belchenhaus
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© Günter Kromer— Blick vom Belchen zum Blauen

Der Weg führt nun durch schöne Vegetation oberhalb von einigen Felsen entlang. Dies ist neben dem Schliffkopf der für mich schönste Abschnitt des Westwegs.

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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer
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© Günter Kromer

Bei dem perfekten Wander- und Fotowetter vergeht heute die Zeit wie im Fluge. Mir kommt es so vor, als sei ich eben erst aufgebrochen, doch schon erreiche ich den 1165 m hohen Blauen. Von der Streckenlänge her könnte ich auch noch problemlos bis hinab nach Kandern wandern, doch ich will unbedingt am Gipfel übernachten. Das Berghotel Hochblauen liegt zwar am oberen Ende meines Budgets, aber es lohnt sich, hier oben zu bleiben. Bei gutem Wetter ist die Aussicht vom Hotel eigentlich unbezahlbar.

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© Günter Kromer

Heute bleibe ich bis Sonnenuntergang draußen. Der Wechsel des Lichts und die ständig steigende Nebelgrenze im Rheintal bieten spannende Ausblicke. Anfangs ragen noch viele Bergkämme des Schweizer Jura zwischen Rheintal und den Alpen aus dem Nebelmeer, doch dann werden diese mehr und mehr geflutet, zu kleinen Inseln und verschwinden schließlich ganz.

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© Günter Kromer

In der Abenddämmerung verlasse ich die Terrasse, um noch einmal hinten bei dem kleinen Aussichtsturm in Richtung Schwarzwald zu schauen. Auch hier hat sich die Szenerie durch den steigenden Hochnebel inzwischen sehr verändert.

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© Günter Kromer

Und als ich dann zurück zur Terrasse komme, steigt auch hier der Nebel immer mehr aus den Tälern. In der Nacht sehe ich dann von meinem Zimmerfenster aus die Lichter der Städte weit unter mir. Ich weiß, warum ich lieber auf Bergen statt unten übernachte. So ein Tag wie heute ist für mich viel mehr wert als irgendwelche materiellen Errungenschaften. Ein neues Auto? Eine neue Wohnzimmereinrichtung? Wozu? Dies hier ist das, wofür ich lebe. Und jedem, der mir sagt, ich solle lieber in meine Altersvorsorge investieren, dem antworte ich, dass dies für mich die beste Investition in meine Zukunft ist, denn jede Art von Kapitalanlage kann man mir nehmen, aber all die Erinnerungen an das Erlebte nicht. ...... Vorausgesetzt mein Gehirn bleibt intakt!

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© Günter Kromer

26.11.18 Blauen - Basel 35 km

Beim Frühstück reicht im Nebel der Blick aus dem Fenster gerade bis zu den nächsten Bäumen. Die ersten Kilometer führen heute ohne Aussichtspunkte durch Wald bergab. Im Nebel gefällt mir der Weg besser als ohne. Immer wieder bleibe ich stehen, um die wechselnden Nebelstimmungen zu fotografieren.

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© Günter Kromer

Bei der Burgruine Sausenburg gibt es nicht besonders viel zu sehen.

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© Günter Kromer

Erst beim Mohrensattel komme ich unter die Wolkengrenze und sehe mehr von der Umgebung.

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© Günter Kromer— Beim Mohrensattel
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© Günter Kromer

In Kandern kann man die Kamera gut in der Tasche lassen. Erst einige Zeit später wird es wieder interessant. Die Wolfsschlucht gefällt mir wegen ihrer bemoosten Felsen auf beiden Seiten des schmalen, einmal sogar extrem schmalen Pfades.

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© Günter Kromer— Wolfsschlucht

Erst bei der großen Burgruine Rötteln nehme ich wieder die Kamera in die Hand. Natürlich ist die Burg an einem trüben Montag im Herbst nicht zur Besichtigung geöffnet, aber auch von außen gefällt sie mir.

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© Günter Kromer

Die Aussicht auf das dicht besiedelte Rheintal bei Lörrach mag im Sommer ganz nett sein, doch bei dem grauen Wetter wirkt sie heute recht trostlos.

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© Günter Kromer

Am Ende der Wanderung geht es dann etwa eine Stunde lang am parkähnlich angelegten Ufer der Wiese entlang.

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© Günter Kromer

Zuletzt geht es noch kurz über Straßen durch Basel, wo der Westweg am Badischen Bahnhof endet.

Offizielle Infos über den Westweg stehen auf https://www.schwarzwald-tourismus.info/entdecken/Wandern/Fernwanderwege/Westweg2/die-westweg-etappen

 

Die Winterwanderung auf dem Westweg hat mir so gut gefallen, dass ich nun meine Planung auch um den Schwarzwald Ostweg ergänze. Und im Winter 2019/2020 werde ich den Mittelweg wandern und vom Westweg auch noch die Ostvariante wandern.