Nationalpark Wattenmeer: Helgoland
Anders als die anderen Inseln im Wattenmeer liegt Helgoland nicht der Nähe der Küste, sondern weit draußen im Meer. Von Hamburg aus braucht man mit dem schnellsten Boot, einem modernen Katameran, etwas mehr als drei Stunden, ab Cuxhafen ist es näher. Früher mussten die Fähren vor der Insel ankern und die Touristen wurden mit kleinen Booten auf die Insel gebracht. Heute kann man ganz bequem am Hafen fast direkt vor den Hotels aussteigen.
Da Helgoland auch von sehr vielen Tagestouristen besucht wird, wartet bereits am Hafen eine Reihe mit kleinen Häuschen, Hummerbuden genannt, auf die Urlauber. Hier kann man u.a. Fischbrötchen oder Souveniers kaufen.
Anders als vor wenigen Jahrzehnten kommt die große Mehrheit der Touristen nicht mehr, um in den Duty Free Shops zollfreien Alkohol zu kaufen, sondern vor allem wegen der Schönheit der Natur. Gleich vom Hafen führt ein rollstuhlgerechter Weg auf die Hochebene. Man kann aber auch über einen schönen Pfad aufsteigen.
Die Vegetation neben diesem Weg unterscheidet sich stark von der auf dem Hochland und an der Küste. Hier wachsen Mauerpfeffer, Zwergmispeln und andere wärmeliebenden Pflanzen.
Nachdem um die Mittagszeit die Fähre mit den Tagestouristen angelegt hat, strömen große Menschenmassen auf das Hochland und zu den Aussichtspunkten an den steilen Felsen.
Sobald sich bald darauf die Zeit für die Rückfahrt nähert, wird es hier oben wieder deutlich leerer und ruhiger.
Die meisten Touristen kommen wegen dem Anblick der steilen Felsen und ganz am Ende der Insel dem 47 Meter hohen Felsturm "Lange Anna", der bis 1860 durch eine natürliche Felsbrücke mit der Insel verbunden war.
Für Naturfreunde und ganz besonders für Vogelfotografen ist Helgoland fast schon "Pflichtprogramm". Hier sieht man aus kurzer Distanz einige Vogelarten, die in Deutschland ausschließlich hier brüten.
Basstölpel brüten hier erst seit den 80er Jahren. Inzwischen gibt es unglaublich viele von ihnen.
Wegen den Basstölpeln, Trottellummen und mehr kommen Vogelfreunde aus der ganzen Welt nach Helgoland.
Da diese aber völlig mit Vögeln überfüllt sind, brüten viele inzwischen auch unmittelbar hinter dem Zaun der Aussichtspunkte. Sie sind die vielen Touristen gewohnt und wissen, dass sie auf ihrer Seite des Zauns sicher sind.
Wir hatten aber nicht erwartet, dass wir aus nur zwei Metern entfernung Küken im Nest sehen können. Die Eltern fühlen sich hier von dem Andrang jenseits des Zauns nicht gestört. Vielleicht ahnen sie, dass der Nachwuchs an dieser Stelle sogar sicherer lebt als im Gedränge an den Felsen und unter der Gefahr, von einem Raubvogel erwischt zu werden.
Sobald ein Basstölpel Grünzeug für den Nestbau bringt, versuchen ihm einige andere, das Material zu stehlen. Die meisten Nester an den Felsen werden aber aus den Plastikresten alter Fischernetze gebaut, mit der Gefahr, dass sich die Vögel darin tödlich verheddern.
Den Platz an den Felsen teilen sich die Basstölpel mit unglaublich vielen Trottellummen. Auch diese brüten in Deutschland nur hier.
Für mich ist es kaum vorstellbar, wie in dem Gedränge Eier ausgebrütet und Küken großgezogen werden können, aber offensichtlich funktioniert es.
Natürlich sollte man nicht erwarten, dass man zwischen den vielen Vögeln an den Felsen mit bloßem Auge Küken erkennen kann. Nur mit Spektiv oder sehr gutem Fernglas und einigem Suchen findet man dann den Nachwuchs. Dies ist eine starke Ausschnittsvergrößerung von einem mit 600 mm aufgenommenen Foto.
Schon früh fangen die Küken an, ihre Flügel zu trainieren. Sobald sie dann groß genug sind, springen sie Mitte Juni meist kurz nach Sonnenuntergang vom Felsen und werden unten bereits von den Müttern erwartet.
Auf den ersten Blick kann man die viel selteneren Tordalke mit den Trottellummen verwechseln, aber vor allem am Schnabel kann man sie gut unterscheiden.
Ziegen halten die Wiesen vom Bewuchs durch Bäume frei. Manchmal nutzen sie die zahlreichen Informationstafeln, um daran ihr Fell zu scheuern.
Unterhalb der Felsen befindet sich auf dieser Seite ein flacher Landstreifen mit üppiger Vegetation.
Bei einer Sturmflut wurde im Jahr 1791 ein Teil der Insel vom restlichen Teil abgetrennt. Heute kann man zweimal stündlich in wenigen Minuten mit einer kleinen Fähre hinüber zur Düne fahren, die ganz andere Naturerlebnisse bietet.
Außerhalb der Zeiten mit dem Andrang der Tagestouristen liegen an den Stränden auf beiden Seiten dieser Insel viele Seehunde und Kegelrobben. Schilder weißen darauf hin, dass man mindestens 30 Meter Abstand halten soll, um die Tiere nicht zu stören. Annette und ich beachten dies, aber einige Fotografen stehen leider nur 10 m neben den Tieren.
Während am Strand zu viele Tagesgäste spazieren, halten sich die Robben weit draußen im Meer auf. Manchmal kann man sie dann mit gutem Fernglas vom Rundweg nahe der Langen Anna beobachten.
Vor einigen Jahrzehnten wurden hier zwei Teiche als Süßwasserspeicher angelegt. Vor allem der Golfteich ist für Vogelfreunde ein lohnendes Ziel.
Im Umland der beiden Teiche hören wir sehr viele Vögel. Aus sehr großer Entfernung fotografiere ich einen Drosselrohrsänger.



