Das Projekt

10.000 km auf Fernwanderwegen

Warum so oft in ferne Länder fliegen, wenn es in Deutschland noch so viel zu entdecken gibt? Mit dem D-Wanderer Projekt will ich möglichst unterhaltsam zeigen, wie schön Wandern in Deutschland ist, und Euch zu eigenen Wanderabenteuern inspirieren. Von 1.7.2018 bis 30.6.2020 wanderte ich mehr als 10.000 km auf den schönsten Fernwanderwegen Deutschlands.

 

Neu: Tageswanderungen

Seit Juli 2020 stehen nun zusätzlich in der Rubrik "Sonstige Wanderungen" viele Tipps für 10 - 20 km lange Tageswanderungen und seit Januar 2021 auch mein neues Rheinauen Projekt, in dem ich ein Jahr lang den Wandel der Jahreszeiten und den Wechsel zwischen Hoch- und Niedrigwasser sowie die Tier- und Pflanzenwelt dieses Lebensraums dokumentieren werde.

 

Das D-Wanderer-Konzept

Ich will ich nicht ausschließlich zur Hauptsaison reisen und nur bei Sonnenschein die typischen Urlaubsfotos aufnehmen. Auch trübe Tage, Regen und Nebel können zu faszinierenden Stimmungen führen. Frühjahrsblüten, Sommersonne, Herbstlaub und eine verschneite Winterlandschaft - Deutschland ist das ganze Jahr über schön.

 

Etappenlänge

Da ich bin lieber vom frühen Morgen bis zum Abend unterwegs bin, anstatt erst um 9 Uhr zu frühstücken und bereits um 15 Uhr am Etappenziel zu sitzen, fasse ich gerne zwei "offizielle" Tagesetappen an einem Tag zusammen. Außerdem entspricht mein Wohlfühltempo eher schnellem Nordic Walking als normalen Wandern. Meine täglichen Kilometerangaben sollten daher niemanden davon abhalten, selbst auf diesen Routen zu wandern. Die meisten Wanderer teilen sich die Strecken in deutlich kürzere Etappen ein.

 

Ausrüstung

Inzwischen ist das Sohlenprofil bei Trailrunning-Schuhen so gut, dass ich ausschließlich diese anstatt schwerer Wanderschuhe trage. In atmungsaktiven Trailschuhen trocknen nach einem Regenguss oder einer Bachdurchquerung die Socken und Füße viel schneller als in Wanderstiefeln. Wanderschuhe mit festem Schaft bieten zwar bessern Schutz vor Umknicken, durch ihre Steifheit verliert man darin aber das Gefühl für den Untergrund. Da sich die Füße in flexibleren Schuhen besser den Steinen und Wurzeln am Boden anpassen können, kommen erfahrene und trittsichere Wanderer darin sogar gefahrloser voran als mit starren Wanderschuhen. Aber dies gilt ausdrücklich nicht für untrainierte Anfänger!
Wanderstöcke verteilen die Kraft auf Beine und Arme und entlasten die Fuß- und Kniegelenke. Auf steinigem oder rutschigem Boden, bei Bachüberquerungen und im Schnee reduzieren Stöcke die Sturzgefahr. Ich empfehle ausdrücklich nur faltbare Stöcke, da sich Schraubgewinde unterwegs lösen und zu schweren Stürzen führen können.
Baumwolle eignet sich als nicht Wanderbekleidung, da sie zu schlecht trocknet. Die meisten modernen Sporttextilien sind leichter und auch deutlich angenehmer zu tragen, doch sie stinken sehr schnell und das synthetisches Material ist meist nicht besonders umweltfreundlich. Beim Wandern ziehe ich fast ausschließlich Unterwäsche, Shirts und Socken aus Merinowolle an. Diese kann ich meist am Abend waschen und schon am Morgen wieder trocken in den Rucksack packen. Außerdem fühlen sich Merino-Socken auch in nassem Zustand wesentlich angenehmer an als andere Socken. Zum Glück verzichten inzwischen viele Hersteller auf die umstrittene Tierquälerei durch Mulesing.
Da ich Rucksäcke mit Netzgitter viel angenehmer finde als die anderen, bei denen eine zu große, schlecht belüftete Fläche direkt am Rücken aufliegt, ist mir die Futura-Reihe von Deuter am liebsten. Im Sommer passt alles in meinen Futura Pro 36 Liter, im Winter trage ich den Futura Vario 50+10 Liter.
Anfangs fotografierte ich mit der Canon EOS M50, die sich aber schon nach wenigen Wochen als extrem störanfällig erwies. Nach acht Monaten wechselte ich auf die Nikon D5600.
Vor allem in der dunkleren Jahreshälfte rate ich bei längeren Etappen unbedingt dazu, eine Stirnlampe mitzunehmen. Selbst wenn man plant, sein Ziel vor Sonnenuntergang zu erreichen, kann durch Orientierungsprobleme, Streckensperrungen, Unwetter, Verletzung oder Erschöpfung die Dauer der geplanten Tour drastisch steigen.
Im Winter sollte man mindestens einen Teil der Getränke in eine Thermoskanne füllen, sonst führt eiskaltes oder sogar gefrorenes Wasser leicht dazu, dass man unterwegs viel zu wenig trinkt. Damit kein Schnee von oben in die Schuhe eindringt, nehme ich bei Schneewanderungen meist Gamaschen mit. Wenn mit vereisten Streckenabschnitten gerechnet werden muss, empfehle ich Spikes oder Schneeketten, die man auf die Schuhe schnallt. Ich benutze seit 15 Jahren Yak Trax.

 

Übernachtung

Ich verzichte darauf, auch Schlafsack, Zelt, Kocher und viel Proviant zu schleppen. Mit leichterem Gepäck kann ich täglich längere Strecken zurücklegen. Obwohl es meine Reisekasse stärker als erwartet belastet hat, sind für mich die Begegnungen mit den Menschen in den Pensionen, Gasthöfen und Hotels, aber auch der unvorhersehbare Wechsel zwischen toller Unterkunft und mieser Absteige unverzichtbarer Bestandteil der Erinnerungen an meine 10.000 Kilometer Wanderung. Den aktuellen Trend, dass immer mehr Wanderer im Freien übernachten, betrachte ich sehr kritisch. Wer abseits des Weges sein Zelt aufbaut, bemerkt oft nicht, welche geschützten Pflanzen er unter seinem Schlafsack zerdrückt. Manche Frei-Camper (zum Glück eine Minderheit) stören außerdem nachts die Tierwelt, riskieren beim Kochen einen Waldbrand und einige lassen sogar ihren Müll zurück.

 

Definition "Fernwanderweg"

Im allgemeinen Sprachgebrauch und im Tourismus wird dieser Begriff inzwischen für fast jede Etappenwanderung benutzt. In die Auswahl meines 10.000-Kilometer-Projekts nahm ich nur Routen auf, die mindestens in fünf offizielle Etappen eingeteilt sind.

 

 

 

 

 

© Günter Kromer - Der D-Wanderer am Tag nach dem 10.000-Kilometer-Jubiläum#images-content/dsc-0986-1.jpg
© Günter Kromer— Der D-Wanderer am Tag nach dem 10.000-Kilometer-Jubiläum